Event in Leer  So läuft der Aufbau des Zirkus Charles Knie in Leer

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 09.05.2023 17:01 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Artisten bereiten sich schon auf die Shows vor. Foto: Kierstein
Die Artisten bereiten sich schon auf die Shows vor. Foto: Kierstein
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Auf der großen Bleiche wird ein großes Zirkuszelt aufgebaut. Wir haben uns vor Ort umgesehen.

Leer - Metallisches Scheppern hallt über die große Bleiche mitten in Leer. Zwei Männer rufen sich etwas zu. Gemeinsam heben sie das schwere Rohr wieder an und bringen es weg. Im Hintergrund hört man das Flattern der rot-weißen Plane des großen Zelts des Zirkus Charles Knie im leichten Wind.

Was und warum

Darum geht es: Ab dem 11. Mai gastiert der Zirkus Charles Knie in Leer. Derzeit wird aufgebaut.

Vor allem interessant für: Alle, die wissen wollen, wie der Aufbau eines Zirkus abläuft.

Deshalb berichten wir: Der Zirkus ist in der Stadt

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Nur kurz ist es ruhig, dann ein Knall. Ein Gabelstapler bringt eine Palette mit Platten in das Zelt und stellt sie schwungvoll in die Mitte. Sofort springen vier Männer auf und greifen zu. Auf ein schon montiertes Metallgestell werden die Platten gesteckt. Sie dienen als Sitzflächen. Langsam nimmt alles Gestalt an. An verschiedensten Stellen wird gewerkelt und montiert. Während die einen die Sitzflächen anbauen, ziehen andere schon die Lichtanlagen in die Höhe.

Mit Maschinen wird das Material in das Zelt gebracht. Foto: Kierstein
Mit Maschinen wird das Material in das Zelt gebracht. Foto: Kierstein

Das Zelt wächst

Es ist ein ständiges Kommen und Gehen auf dem Platz. Immer wieder kommen Lastwagen angefahren und bringen weiteres Material. „Wir haben 15 LKW, die sich um das Material kümmern. Die fahren drei- bis fünfmal zwischen Wilhelmshaven und Leer hin und her, um das ganze Material herzuschaffen“, sagt Zirkusdirektor Sascha Melnjak. In Wilhelmshaven hatte der Zirkus bis Montag Station gemacht. Direkt nach der letzten Aufführung begann der Abbau und die ersten Trucks machten sich auf den Weg nach Leer.

Ein Mitarbeiter zieht schon die Beleuchtung hoch. Foto: Kierstein
Ein Mitarbeiter zieht schon die Beleuchtung hoch. Foto: Kierstein

Hier wird das Zelt nun wieder aufgebaut. Am Mittwochnachmittag will man fertig sein. „Das ist immer etwas stressig, aber man gewöhnt sich dran“, so der Zirkusdirektor. Das Team spiele sich im Laufe der Saison immer besser ein. Auch, wenn mal etwas kaputt geht, hat man vorgesorgt. „Das sind so viele Einzelteile, da kann immer mal etwas kaputt gehen. Wir haben aber eigene Mechaniker“, sagt er. Besonders beim Herzstück ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Der Star der Show

„Unsere Wasserbühne gibt es nur einmal auf der Welt“, sagt Melnjak. Diese hat einen Durchmesser von zwölf Metern und wird mit über 300 Pumpen betrieben. 7000 Meter Kabel verlaufen unter ihr. All das muss installiert und getestet werden, damit es während der Shows auch funktioniert. Unter der Bühne ist ein Tank für 100.000 Liter Wasser. „Das bekommen wir aus einem Hydranten“, sagt er. Dieses Wasser wird über Fontänen bis fast ans Zeltdach gespritzt. Die Installation hat dabei sogar einen eigenen Auftritt. Eine Licht-und-Wasser-Show direkt vor der Pause. Auch bei Auftritten der Artisten wird sie als unterstreichendes Element genutzt.

Ein Mitarbeiter zieht schon die Beleuchtung hoch. Foto: Kierstein
Ein Mitarbeiter zieht schon die Beleuchtung hoch. Foto: Kierstein

„Das Wasser landet immer wieder auf dem Bühnenboden. Der ist speziell designend und nach wenigen Sekunden wieder trocken. Das Wasser fließt zurück in den Tank und kann wieder genutzt werden“, so der Direktor. Wenn der Zirkus sich zu seinem nächsten Standort aufmacht, wird das Wasser zurück in den Kreislauf gegeben. Alleine für diese Bühne werden drei LKW benötigt, um sie zu transportieren. Auf der großen Bleiche ist sie am Dienstag noch nicht zu sehen gewesen.

Amtssprache Italienisch

Drei LKW stenden neben dem Zelt. Alle mit aufgezogenen Planen und massenhaft Utensilien. Stahlrohre, Plastikstühle und vieles mehr werden nach und nach Entladen. Immer wieder rufen sich die Männer dabei etwas zu. Auf italienisch. „Ja, unsere Amtssprache hier ist Italienisch“, sagt Sascha Melnjak und lacht. Man habe 200 Mitarbeiter aus 13 Nationen und irgendwie habe sich diese Sprache als gemeinsamer Nenner herausgebildet. Und, es funktioniert. „Italienisch klingt ja auch schön“, sagt er und lacht.

Überall liegen Stahlstangen herum, die noch verbaut werden. Foto: Kierstein
Überall liegen Stahlstangen herum, die noch verbaut werden. Foto: Kierstein

Bis in den Abend herrscht hektisches Treiben. Sobald ein Lastwagen leer ist, fährt er wieder nach Wilhelmshaven und wird neu beladen. Am Donnerstag um 16 Uhr muss alles fertig sein, denn dann startet die Familienshow, die traditionell den Start bildet. Bis Sonnabend wird täglich um 16 Uhr und um 19.30 Uhr aufgetreten. Am Abschlusstag, dem Sonntag, gibt es ebenfalls um 11 Uhr einen Auftritt. Der große Abschluss ist dann um 15 Uhr. Dann geht es für den Zirkus weiter nach Bremen.

„Wir hatten 2020 und 2021 wegen Corona keine Shows. Wir merken, dass die Leute nun wieder mehr rausgehen. Wir haben eine bessere Auslastung als noch vor Corona“, sagt der Direktor. Auf diese hofft er jetzt auch in Leer. Die Artisten, die oft weltweit Preise für ihre Arbeit gewonnen haben, trainieren bereits. Und, das Programm ist bunt: Von Akrobatik auf Rollschuhen, klassischer Illusion bis hin zu Papageien wird alles geboten. Was Tiere angeht: Im Zirkus treten ausschließlich die Papageien und Hunde auf. „Wir wollen immer etwas Neues zeigen. Etwas, das man noch nicht kennt“, sagt der Direktor.

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