Keiner will mehr bauen? So will Emden Grundstücke in Conrebbi-West attraktiver machen
Perspektivisch sollen mehr als 300 Bauplätze im Mega-Baugebiet Conrebbersweg-West entstehen. Doch Bauwillige sind weiter zurückhaltend. Die Stadt hat sich etwas überlegt.
Emden - Nur langsam geht es bei dem geplanten Mega-Baugebiet Conrebbersweg-West in Emden voran. Im ersten Bauabschnitt wurden bislang zwölf der rund 90 Grundstücke veräußert, teilt Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage mit. 36 Grundstücke seien reserviert. Sämtliche Interessenten von der Bewerberliste hätten die Gelegenheit bekommen, ein Grundstück zu erwerben. Im Dezember hieß es von der Stadt, es würden rund 150 bereits registrierte Interessenten kontaktiert werden. Viele haben sich also umentschieden. „Wir sind in der Lage jedem weiteren Interessenten ein Grundstück anbieten zu können“, erklärt Dinkela. Sehr gerne informiere man die Interessenten in einem persönlichen Gespräch. Auch individuelle Terminabsprachen seien möglich, schreibt er. Interessenten würden einen tagesaktuellen Übersichtplan, um die bestmögliche Grundstücksauswahl zu bieten.
Man merkt: Die Stadt will möglichen Interessenten vollends entgegen kommen. Denn: Die Baulust ist bei vielen vergangen. Waren die Planungen für das Mega-Baugebiet, das Emden viele Neubürger und damit Steuerzahler bescheren soll, vor der Pandemie in Zeiten des Bau- und Hauskauf-Booms gestartet und rund 1200 Menschen ließen sich auf eine Warteliste setzen, sieht es jetzt ganz anders aus. Auch vor einem Jahr war die Zurückhaltung noch geringer: Im März hieß es damals noch, dass sich 466 Interessierte beworben hatten. Die Bewerbungen wurden dann nach einem strengen Kriterien-Katalog ausgewertet.
Wie will die Stadt Interessenten entgegenkommen?
Um das Interesse an Bauplätzen im geplanten Emder Megabaugebiet Conrebbersweg-West anzukurbeln, könnte jetzt unter anderem mehr auf Erbbaurecht gesetzt werden. Der Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rats stimmte geschlossen dafür, dass die Stadt Bauplätze in dem Gebiet an die städtische Tochter Stadtentwicklung Emden verkaufen kann. Über diese können Bauwillige dann Erbbaurechtsgrundstücke erwerben. Familien mit Kindern sollen als Bauanreiz einen niedrigeren Erbbauzins erhalten - um ein Prozent weniger für jedes kindergeldberechtigte Kind. Die maximale Ermäßigung soll bei drei Prozent liegen, auch bei mehr als drei Kindern.
Was ist Erbbaurecht?
Erbbaurecht gibt es in Deutschland schon seit mehr als 100 Jahren. Dabei gehört ein Grundstück beispielsweise einer Kommune, Kirche oder Stiftung. Interessierte können die Fläche aber pachten und darauf ein Haus bauen oder ein darauf stehendes Haus kaufen. Dem Erbbaurechtsnehmer gehört dann also nur das Haus. Sie sparen sich die Kosten für den Grundstückskauf. Es fallen nur Kosten für die Pachtgebühr, die Erschließung, die Grunderwerbssteuer und Grundsteuer an. Wie lange der Pachtvertrag gelten soll, kann individuell festgemacht werden. Es ist aber meist eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten. Danach kann er verlängert oder erneuert werden. Als Rechnungsgrundlage werden aber die dann geltenden Bodenpreise genommen. Laufen Erbbaurechtsverträge aus, kann man das Grundstück meist auch kaufen.
Es sollen aber nicht einfach willkürlich viele Grundstücke mit Erbpacht auf den Markt gebracht werden, sondern bedarfsweise geschaut werden, erklärte Rainer Kinzel, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Umwelt und Klimaschutz. Interessierte können also nach wie vor Grundstücke direkt kaufen oder eben über das Erbbaurecht finanzieren. Die politische Entscheidung sei nun wichtig, da man „konkret starten“ wolle und Interessierten sagen will, welche Möglichkeiten sie haben.
Mehr untypische Hausformen erlaubt
Um noch mehr mögliche Kaufinteressierte anzusprechen, hat die Stadtverwaltung auch vorgeschlagen, die Neigung des Hausdachs nicht mehr vorzuschreiben. Ursprünglich hatte man Neigungswinkel angegeben, um das „typische Erscheinungsbild ostfriesischer Einfamilienhausgebiete mit geneigten Dächern, wie es etwa im angrenzenden, bestehenden Stadtteil Conrebbersweg vorhanden ist, fortzusetzen“, heißt es in der Beschlussvorlage.
Nach der neuen, einstimmigen Entscheidung im Stadtentwicklungsausschuss könnte es in Zukunft mehr Freiheiten für Bauwillige geben. Vorschriften zu Dachneigung entfallen. Stattdessen heißt es: „Die Dachflächen von Haupt- und Nebengebäuden mit einer Dachneigung von bis zu 15 Grad sind extensiv zu begrünen oder mit Photovoltaikmodulen auszustatten. Bei einer Begrünung beträgt die Mindeststärke der Drän-, Filter- und Vegetationsschicht 6 cm. Die Begrünung ist dauerhaft zu unterhalten.“
Baubeginn kann später sein
In einer ersten Reaktion hatte die Stadt bereits vor ein paar Monaten die Bedingungen, die mit dem Kauf eines Grundstücks in Conrebbersweg-West einhergehen, gelockert. „Die Fristen für den Baubeginn und die Fertigstellung liegen nicht bei zwei und drei Jahren, sondern wurden um zwei Jahre verlängert: Vier Jahre bis Baubeginn, insgesamt fünf Jahre bis zur Fertigstellung“, hieß es diesbezüglich von der Pressestelle.
Langfristig sollen mehr als 300 Bauplätze in dem Gebiet entstehen. „Die Planungen für den nächsten Abschnitt werden stetig fortgeführt“, erklärt Eduard Dinkela aktuell auf Nachfrage. „Sobald ein konkreter Zeitplan vorliegt, kommunizieren wir diesen. Vorrang hat zurzeit die Fortführung der Erschließung im ersten Abschnitt.“ Langfristig soll auf dem Gelände auch ein Supermarkt, anderes Gewerbe und ein Kindergarten entstehen. Neben Einfamilienhäusern sollen auch Mehrparteienhäuser gebaut werden. Im Gespräch war auch schon der Bau einer Brücke über das Larrelter Tief, um Conrebbersweg-West mit dem Stadtteil Constantia zu verbinden, in dem es eine Grundschule gibt.