Prozess in Aurich  Norder wegen Raubs und Diebstahls vor Gericht

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 15.05.2023 18:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Verhandelt wurde vor dem Auricher Landgericht. Foto: Archiv/Ortgies
Verhandelt wurde vor dem Auricher Landgericht. Foto: Archiv/Ortgies
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Ein 23-jähriger Norder soll einen Taxifahrer beraubt haben. Auch einen Kunden einer Pizzeria griff er an. Später ging er in einer Drogerie auf Diebestour. Die Beute bot er einem Polizisten an.

Aurich/Norden - Überfälle auf einen Taxifahrer und einen Pizzakäufer sowie ein Parfümdiebstahl: Gleich drei erhebliche Straftaten wirft die Staatsanwaltschaft einem 23-jährigen Norder vor. Seit Montag muss er sich wegen besonders schweren Raubes, versuchten Raubes und räuberischen Diebstahls mit Körperverletzung verantworten. Beim Prozessauftakt vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Aurich gab der Angeklagte zwei der vorgeworfenen Taten zu. Den Taxi-Raub stritt er ab. Das blieb auch so, nachdem ihn der betroffene Taxifahrer vor Gericht „hundertprozentig“ wiedererkannt hatte.

Laut Anklage überfiel der Norder am 12. September vergangenen Jahres gegen 21.45 Uhr einen 35-jährigen Passanten, der sich bei der Norder Pizzeria „Pinocchio“ gerade eine Pizza gekauft hatte. Mit den Worten „Ich schwör auf meine Mutter, ich stech dich ab, wenn du das Geld nicht gibst“, soll er ihn bedroht haben. Als der Mann seiner Forderung nicht nachkam, soll er ihn am Pullover festgehalten und versucht haben, ihm die Pizzatüte zu entreißen. Das Opfer konnte entkommen.

Freunde entkamen mit der Beute

Zwei Wochen später, am 24. September, hielt sich der Angeklagte um 17 Uhr mit zwei Kollegen in der Norder Drogerie Müller auf, wo er versuchte, drei hochwertige Parfums mitgehen zu lassen, um sie zu veräußern. Mitarbeiter hinderten ihn am Verlassen des Marktes und erlitten bei der Rangelei leichte Verletzungen. Seine Kollegen flüchteten mit der Beute im Wert von 502 Euro. Bei der Tat hatte der Norder ein grünes Klappmesser mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge in der Jacke griffbereit dabei. Die Polizei spürte es auf.

Am Tag darauf kam es zu dem Taxi-Raub. Der Angeklagte soll um halb fünf Uhr am Morgen vor der Diskothek Meta in Norddeich in den Wagen eingestiegen sein. Am Ende der Fahrt soll er vom Fahrer unter Vorhalt eines Küchenmessers „Gib das Geld heraus“ gefordert haben. Aus Angst soll er ihm 300 Euro übergeben haben. „Ich war drogenabhängig“, rechtfertigte sich der blonde Angeklagte im orangefarbenen T-Shirt. Er sei zu dieser Zeit ein Mensch gewesen, der er gar nicht sei. Drogen nehme er seit 2016. Erst Cannabis, dann Ecstasy, im letzten Jahr fast täglich Kokain plus Medikamente. Im September habe er mit Heroinrauchen angefangen. „Ich bin ein ruhiger Mensch. Der Drogenkonsum hat mich aggressiv gemacht“, meinte er.

Zeuge erinnert sich an Frisur

Die Flasche Parfüm, die ihm seine Kollegen nachträglich aushändigten, wollte der Angeklagte am nächsten Tag bei Meta verkaufen. Doch er geriet an den Falschen. Er bot es einem Polizisten an, der privat mit Freunden vor Ort war. Dieser verständigte seine Kollegen, die den Angeklagten zunächst mitnahmen. Danach kehrte der 23-Jährige zur Diskothek zurück, wo ihm der Eintritt verwehrt wurde. „Ich bin weggegangen, von Norddeich Richtung Norden zu Fuß. Ich wollte jemanden fragen, ob er mir Drogen auf Pump gibt“, ließ er sich zur Nacht des Taxi-Raubes ein. Weil er niemanden getroffen habe, sei er schließlich nach Hause gegangen. Das Messer, das er bei dem Diebstahl in der Drogerie mit sich führte, spielte der Angeklagte als „Multifunktionstool“ herunter. „Ich war ja nicht darauf aus, jemanden zu attackieren“, sagte er. Die Opfer der ersten beiden Straftaten bat er um Entschuldigung. Sie nahmen an.

„Er bezahlte nicht und hielt mir ein Messer unters Gesicht“, sagte der 58-jährige Taxifahrer, der als einer von zehn Zeugen aussagte. Er habe dem Räuber die Scheine und das Silbergeld gegeben. „Ich war ein bisschen perplex. Ich mache den Job seit über 30 Jahren. Das ist noch nie passiert“, sagte er. Den Angeklagten erkannte er genau: „Die markante Frisur trägt er immer noch.“ Der Taxifahrer beschrieb sie als „Rasierpinsel“ – ausrasiert bis auf „die obere Haarpracht“, zusammengebunden zu einem Pinsel. Auf Lichtbildvorlagen der Polizei hatte er den 23-Jährigen sogar mit Bart und einer anderen Frisur erkannt – „das war auch wegen der Gesichtspartie“, begründete der Zeuge, der als hauptberuflicher Augenoptiker dafür einen Blick hat. DNA des Angeklagten wurde im Taxi nicht sichergestellt.

Der Prozess wird am 1. Juni um 9 Uhr in Saal 116 fortgesetzt. Weitere Termine sind nicht vorgesehen.

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