Lego, Playmobil und Co. Von wegen Kinderkram – das spielen die Ostfriesen
Lego, Playmobil, Murmeln – das kennen die meisten aus ihrer Kindheit. Viele können aber auch als Erwachsene die Finger nicht von diesen Spielen lassen.
Ostfriesland - Vor wenigen Jahren griffen plötzlich die Erwachsenen mit wachsender Begeisterung zu den Buntstiften und malten Malbücher aus. An vielen Orten in Deutschland werden Carrera-Meisterschaften gefahren. An der Fernbedienung sitzen dabei auch Personen, die im wirklichen Leben einen Führerschein haben.
Was und warum
Darum geht es: Diverse Kinderspiele haben für viele Erwachsene ihren Reiz nicht verloren.
Vor allem interessant für: alle Älteren, die jung geblieben sind, alle Jüngeren, die nicht alt werden wollen
Deshalb berichten wir: Wir sind auf Berichte von Carrerabahn-Meisterschaften gestoßen und haben uns gefragt, ob es auch in Ostfriesland erwachsene Freunde von Kinderspielen gibt. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Offenbar verlieren einige Beschäftigungen, Spiele und Spielzeuge aus der Kindheit ihren Reiz im Erwachsenenalter nicht. Auch in Ostfriesland ist dieses Phänomen zu beobachten.
Legosteine
75 Mitglieder – auch aus Ostfriesland – hat der Oldenburger Lego-Verein „Bricks am Meer“. Die Faszination der weltberühmten Klemm-Steine hat auch Erwachsene gepackt – oder nie losgelassen, sagt Vereins-Vorsitzender Jan Göbel. Für ihn selbst sei Lego „pure Entspannung“.
Am liebsten baue er – oft gemeinsam mit Frau und Sohn – Motive nach, gerne aus den Harry-Potter-Geschichten, oder so genannte Mocs. Moc steht für „my own creation“ – „meine eigene Kreation“. Ein Projekt könne Monate oder Jahre in Anspruch nehmen. „Oft muss ich mehrfach neu anfangen, weil ich nicht zufrieden bin.“ Wenn das Ergebnis dann gefällt, nimmt er es mit zu Ausstellungen des Vereins oder gibt es in die Dauerausstellung eines befreundeten Lego-Vereins in Kaiserslautern.
Mit dem Historischen Museum in Aurich gestaltet der Verein gerade die Sonderausstellung „Von Steinen verzaubert“. Dort werden bis zum 3. Dezember historische Legosteine von den 1960er Jahren ab zu sehen sein und verschiedene Motive, wie der Historische Hafen von Aurich oder der Pilsumer Leuchtturm. „Die Ausstellung richtet sich an die ganze Familie“, sagt Göbel. Auch Lego habe erkannt, dass seine Kunden längst nicht mehr nur die Kinder sind, hat er beobachtet. Es gebe mittlerweile Sets mit 1000 oder 1500 Teilen, die dann 200 Euro und mehr kosteten: „Es gibt ein Raumschiff aus der Starwars-Saga für 850 Euro. Da ist klar, dass das nicht für Kinder konzipiert wurde.“
Am 7. und 8. Oktober wird der Verein übrigens mit einer Ausstellung im Miniaturland in Leer zu Besuch sein.
Hula-Hoop
Bei der TG Wiesmoor lassen Kinder und Senioren gleichermaßen die Hüften kreisen. Dort leitet Henry Aden eine Hula-Hoop-Gruppe, die sich über mangelnden Zulauf nicht beschweren kann. Um die 20 Teilnehmer kommen zu den wöchentlichen Terminen, Kinder ebenso wie Senioren in den Siebzigern. Dort wird zu Musik mit den Reifen trainiert – oder sollte man sagen, getanzt?
Neben der Lust an der gemeinsamen tänzerischen Bewegung spielt wohl auch eine Rolle, dass unter anderem die Krankenkassen dem Spiel mit den Reifen einen guten Einfluss auf die Gesundheit zusprechen. Beckenboden, Bauch und Rücken profitieren, Geist und Koordination werden geschult und beim Abnehmen soll das Training auch noch helfen.
Modell-Eisenbahnen
„Wir spielen mit unseren Eisenbahnen“, sagt Elso Reck, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Ostfriesland aus Leer. Von Formulierungen, mit der Anlage zu arbeiten oder sie zu betreiben, hält er nicht viel. Letztlich begeistere ihn an Modelleisenbahnen heute im fortgeschrittenen Alter immer noch das gleiche wie als Kind: „Wir können unserer Fantasie freien Lauf lassen.“
Oft baue er mit den anderen Vereinsmitgliedern echte Landschaften nach. Genauso oft ließen sie aber ganz neue entstehen – mit besonderen oder lustigen Details. „Die Stimmung ist meist richtig ausgelassen.“ Überhaupt mache das Spielen mit Modell-Eisenbahnen in der Gruppe viel mehr Spaß als alleine: „Viele von uns haben zu Hause gar keine eigene Anlage.“
Murmeln
In Uttum, einem Ortsteil der Gemeinde Krummhörn, ist seit gut 15 Jahren das Murmel-Fieber ausgebrochen. 50 Mitglieder habe die Murmel-Sparte des SV Jennelt-Uttum, 30 Erwachsene und 20 Kinder, sagt der Vereins-Vorsitzende Willi Schunke. Er hatte 2016 die Idee, das Murmeln in den Verein zu holen – und ist dabei zunächst nicht auf große Begeisterung gestoßen, erinnert er sich.
Das ist längst vorbei. In Uttum wird gemurmelt, was das Zeug hält, und zwar quer durch die Generationen. „Bei uns spielen Senioren mit mehr als 80 Jahren mit Achtjährigen in einer Mannschaft“, sagt Schunke. Das Tolle am Knicker-Sport, der streng genommen „Deutsches Lochspiel Kuhlemurmeln“ heißt, sei, dass ihn praktisch jeder ausüben könne. „Die einzige Bedingung ist, dass man mit dem gebeugten Zeigefinger den Boden berühren kann. Das geht auch aus dem Rollstuhl.“
Dem Dorfleben habe das Murmeln gut getan, findet Schunke. „Mittlerweile grüßen und duzen sich Menschen, die bis dahin keine Berührungspunkte hatten und einfach aneinander vorbeigegangen wären.“ Mittlerweile hat der Verein eine Murmel-Arena, in der Meisterschaften stattfinden, in der aber auch Gäste empfangen werden, die mal Probe-Murmeln wollen. Die meisten seien hinterher begeistert, selbst wenn sie am Anfang noch über den Elan der Uttumer gelächelt hätten. Der Murmel-Gruß „Kullerkuller – rollroll“ habe mittlerweile schon Einzug in seriöse Firmen der Umgebung gehalten, sagt Schunke.
Playmobil
„Die Sammelleidenschaft liegt mir wohl im Blut. Meine Mutter sammelt Puppen, mein Vater Briefmarken“, sagt Jürgen Eden aus Dörpen. Der 57-Jährige, der lange Jahre für diese Zeitung aus dem Emsland berichtet hat, sammelt Playmobil. Und das mit so viel Hingabe, dass er ein eigenes Museum eingerichtet hat: die Miniwelten in Lathen, einer Gemeinde im Emsland.
„Natürlich spiele ich mit den Playmobil-Figuren heute nicht so, wie ich es als Kind getan habe. Aber ich gestalte in meinem Museum immer neue Szenen, zuletzt zum Beispiel die Krönung von King Charles.“ In erster Linie richte sich die Ausstellung an Familien. Er erlebe aber immer wieder, dass sie Senioren fasziniere. „Die schwelgen dann richtig in Erinnerungen an Weihnachtsfeste vor 50 Jahren mit den eigenen Kindern.“ Eden muss mit seiner Ausstellung übrigens demnächst sein bisheriges Domizil räumen und ist auf der Suche nach einer neuen Räumlichkeit – gerne auch in Ostfriesland, sagt er und lacht.