Hamburg Einbürgerung: Nur Gesetze reichen nicht, es braucht auch eine Willkommenskultur
Ausländer sollen leichter eine deutsche Staatsbürgerschaft erhalten können. Doch Deutschland braucht mehr als nur neue Gesetze in Sachen Einbürgerung, um ein attraktives Einwanderungsland zu sein. Etwa eine Willkommenskultur, die bislang fehlt.
Die Ampel-Regierung hat sich darauf verständigt, die Einbürgerung in Deutschland zu vereinfachen. Endlich! Wobei das Wort Vereinfachung angesichts der Reformvorhaben doch beschönigend ist: Bislang hohe Hürden werden ein wenig tiefer gehängt. Mehr auch nicht.
Aber beim Thema Migrationspolitik muss man sich in Deutschland mit kleinen Fortschritten begnügen. Große Reformen sind angesichts der Furcht der Politik vor Populisten nicht zu erwarten. Die Themen Einwanderung und Einbürgerung sind emotional aufgeladen.
Das führt zu dem Punkt, der für eine gelingende Migrationspolitik ebenso wichtig ist wie die Rechtslage: Was in Gesetzen steht, ist das eine. Was Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland im Alltag erleben, das andere. Wann ist man deutsch genug, um Deutscher zu sein? Wer nicht Meyer oder Müller heißt, berichtet oftmals von Diskriminierungserfahrungen etwa bei Jobsuche, beim Bahnfahren, auf der Arbeit, beim Einkaufen oder im Umgang mit Behörden. Egal, ob nun hier geboren oder nicht. Eingewanderte Fachkräfte verlassen auch wegen solcher Erfahrungen das Land wieder.
Deutschland kann es sich nicht leisten, eingewanderte Fachkräfte wieder zu verlieren und für neue immer unattraktiver zu werden. Der Lebensstandard wird sich auf einem annähernd vergleichbaren Niveau nur dann halten lassen, wenn Menschen zum Arbeiten ins Land kommen. Was es bedeutet, wenn Personal fehlt, zeigt doch gerade der soziale Sektor: in der Medizin, in der Pflege, in Kitas.
Was es neben Gesetzen braucht, ist eine Willkommenskultur. Die lässt sich aber nicht verordnen, sondern ist Kopf- und Herzenssache. Es hilft, an der eigenen Grundhaltung zu arbeiten: Den Arzt, den Pfleger und so weiter nicht als Bittsteller zu betrachten, der auf diesen Job angewiesen ist, sondern als Mitbürger, der seinen Teil dazu beiträgt, diese Gesellschaft am Laufen zu halten.