Gastronomie auf Borkum So steht‘s um die Milchbuden am Nordstrand
Gibt es in diesem Jahr nur eine Milchbude am Nordstrand? Diese Frage treibt eine Urlauberin um, die sich an die Redaktion gewandt hat. Die Sorge scheint unbegründet. Ein Zwischenstand.
Borkum - Für Helga Van Menxel und ihre Schwestern Ursula und Doris ist eine Woche Borkum-Urlaub im Jahr – meist im April – fest eingeplant. Doch diesmal war etwas anders. Was, das haben die drei Damen in einem Gedicht im Gästebuch ihrer Unterkunft zusammengefasst. Die ersten vier Zeilen lauten: „Drei Schwestern aus dem Münsterland/kamen gerne nach Borkum an den Nordseestrand./Doch in diesem Jahr mussten sie sehen/dass die Milchbuden nicht mehr stehen!“
Auch in einem Brief an diese Zeitung weist Helga Van Menxel auf das Verschwinden der Milchbuden am Nordstrand hin – und schreibt: „Eine gibt‘s noch am Nordstrand, die ja wohl nur für jüngere Urlauber geeignet ist: Zu laute Musik, aus den Sitzen kommen die älteren Menschen nicht mehr hoch!“ Die Milchbuden, so die 76-Jährige, gehörten doch zu Borkum. „Es gehört zur Tradition der Insel, sie sind doch das Markenzeichen, ansonsten kann man jede andere Insel ansteuern.“ Gerade die Milchbuden machten Borkum aus, in denen man ganz in Ruhe etwas essen und trinken und mit den Betreibern ins Gespräch kommen könne. „Borkum ist doch eine Familieninsel und nicht wie Norderney, wo sich vor allem im Herbst Klubs tummeln“, schreibt die Rentnerin.
Alte Ständerwerke entsprechen nicht mehr dem Standard
Wer sich dieser Tage an der Promenade am Nordstrand tummelt, sieht indes, dass sich etwas tut. Auf Schildern der Nordseeheilbad Borkum GmbH (NBG) wird auf „die neue Milchbuden-Generation“ hingewiesen. Klimawandel, die Zunahme von Stürmen und der steigende Meeresspiegel machten eine Weiterentwicklung der Buden, die es seit 1907 auf der Insel gibt, erforderlich. Am Strand auf Höhe des Hauses Victoria wurde bereits ein großes Sandloch ausgehoben, Kran und Bagger sind vor Ort. Die Bauarbeiten für die Gründungen der neuen, zukünftig ganzjährig fest verankerten Ständerwerke haben begonnen, bestätigt NBG-Geschäftsführer Göran Sell. Die zwei alten Ständerwerke entsprächen nicht mehr dem aktuellen Standard und würden zurückgebaut – je nach Baufortschritt parallel zu den Gründungsarbeiten.
Mit den Milchbudenbetreibern sei im Vorfeld eine Zwischenlösung bis zum Abschluss der Bauarbeiten erarbeitet worden, „sodass das ,StrandFlair‘ und ,Hinni’s Strandoase‘ bereits ab dem 15. März 2023 aufbauen konnten und durften. Der Aufbau liegt seitdem in der Entscheidung des jeweiligen Eigentümers“. Für den Betreiber der neuen Milchbude „Sonnendeck“, so Sell weiter, sei für den Zeitraum der Bauphase die Zwischenlösung des „Foodtrucks“ gefunden worden. „Der Bau des ,Sonnendecks‘ soll voraussichtlich im Juni beginnen.
„Hinni´s Strandoase“ als Provisorium
Während die Milchbude „StrandFlair“ bereits länger in Betrieb ist – nach Angaben Sells einige Meter südlich von ihrem grundsätzlichen Standort – ist mittlerweile auch „Hinni´s Strandoase“, wie es heißt wenige Meter nördlich des angestammten Stellplatzes, nachgezogen. „Wir bauen ein Provisorium auf, übergangsweise, bis die neuen Ständerwerke stehen“, berichtete jüngst Betreiber Markus Wilken. Wann dann der „Umzug“ auf die neuen Podeste stattfinde, könne er noch nicht sagen. „Wir lassen uns überraschen.“ Für diese Saison, so Wilken, plane er aber noch mit der Bude, „die man so kennt. Bei uns kommt die neue, moderne Bude erst nächstes Jahr“.
Laut NBG-Geschäftsführer Göran Sell werde man final „nach aktueller Beschlusslage im Aufsichtsrat in diesem Jahr ab der Hauptsaison im Sommer drei Milchbuden am Hauptbadestrand haben. Soweit sich der Bau einer vierten Bude wirtschaftlich darstellen lässt, was wir sehr hoffen, käme diese ab dem kommenden Jahr dazu.“ Die Ergänzung der drei Milchbuden am Nordstrand durch zwei Gastronomiebuden wie beim Lüttje Markt sei ebenfalls für die Zeit ab Beginn der Hauptsaison im Sommer vorgesehen. Für die zwei Milchbuden am Südstrand – „Mathilde’s Melkbudje“ und „Dat lecker Budje an de Strand“ – muss die zukünftige Dauerlösung nach NBG-Angaben noch weitere Hürden nehmen. Für dieses Jahr gab es über den Landkreis Leer noch mal eine Duldung.