Vier Anzeigen Party am Schwanenteich eskaliert - Emder schwer verletzt
In den Polizeimeldungen zum Vatertag stand ein Eintrag vom Schwanenteich. Dort ist aber wohl einiges aus dem Ruder gelaufen. Vier Emder haben Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.
Emden - Dass der Emder Schwanenteich-Park gerne für abendliche Treffen genutzt wird, ist nichts Neues. Auch Beschwerden wegen allzu ausufernder Partys gab es schon zuhauf. An diesem Himmelfahrtsabend aber soll es heftiger als sonst eskaliert sein. „Es war schon extrem“, sagt eine Anwohnerin. Der Park sei voll gewesen, was generell ja in Ordnung sei. Allerdings: Die Bollerwagen waren zum Teil wohl zu mobilen Discos umgebaut worden - mit dicken Musikboxen und Nebelmaschine. „So was hab ich noch nie gesehen“, sagt sie. Die Folge: „Die Tassen vibrierten im Schrank.“
Was und warum
Darum geht es: Der Schwanenteich-Park ist bei vielen in Emden beliebt. Am Vatertag aber ist dort offenbar die Situation zum Teil eskaliert. Das kommt erst jetzt ans Licht.
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, die sich gerne am Schwanenteich aufhalten, Blaulicht-Interessierte
Deshalb berichten wir: Bei Facebook wurde der Aufruf einer Emderin hundertfach geteilt, die nach dem Täter sucht, der ihren Sohn am Schwanenteich „schwer verletzt“ hat. Der Beitrag ist uns aufgefallen und wir haben weiter nachgehakt. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Mehrmals habe man aus der Nachbarschaft um Ruhe gebeten. „Einige sind ganz schön frech geworden“, so die Anwohnerin. Viele vernünftige Party-Teilnehmer seien wohl dabei gewesen, die beschwichtigen wollten. Aber: Gegen die wenigen sehr stark betrunkenen jungen Männer hätten sie auch nicht viel ausrichten können. Das Extrem: Gegen 21.48 Uhr wurde ein 18-jähriger Emder von zwei Tätern geschlagen und mit Pfefferspray eingesprüht, heißt es in der Polizeimeldung. Neu ist: An diesem Montag hat sich noch ein 24-Jähriger bei der Emder Polizei gemeldet. „Er war so schwer verletzt, dass er vorher nicht sprechen konnte“, erklärt Frauke Bruhns, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, auf Nachfrage dieser Zeitung.
Täter werden über Facebook gesucht
Der Emder habe gegenüber der Polizei die Situation so geschildert, dass es eigentlich ganz ruhig gewesen sei, während er mit zwei Personen gesprochen habe. Unverhofft habe ihm dann jemand eine so harte Kopfnuss verpasst, dass er „danach weg war“ und sich im Nachgang an Abschnitte des Abends nicht mehr erinnern konnte. Seine Mutter hat auf Facebook am Sonntagmittag den Aufruf gestartet, ihr Fotos und Videos von dem Abend zu schicken. „Mein Sohn ist an diesem Abend schwer verletzt worden und nun suchen wir nach einer bestimmten Person mit dunklen Haaren und einem babyblauen Hemd/Pullover“, schreibt sie auf der Sozialen Plattform. Schon viele Zuschriften habe sie erhalten, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.
Unter ihrem Beitrag schreiben andere Facebook-Nutzer, dass sie Ähnliches am Schwanenteich erlebt hätten. Ein paar der Täter seien schon namentlich bekannt, meint ein Nutzer, dessen Freunde nach eigenen Angaben auch verletzt wurden. Mittlerweile wurde der Beitrag der Emderin hundertfach geteilt. Frauke Bruhns schildert, dass die Emder Kollegen vor Ort von einem „großen Auflauf“ berichten und „viele Auseinandersetzungen“ vorgefallen seien. In der Polizeimeldung zum Vatertag steht nur der eine Vorfall mit dem 18-jährigen Verletzten. Auf Nachfrage forscht sie noch einmal genauer nach.
Insgesamt vier Anzeigen bei der Polizei eingegangen
Ihre Nachforschungen haben ergeben, dass zwei weitere Tatbestände vermerkt sind: Ein 18-jähriger Emder wurde von einem unbekannten Täter mehrfach ins Gesicht geschlagen, am Boden liegend auch gegen den Kopf getreten. Er wurde aber laut Polizei nur leicht verletzt. Einem 28-jährigen Emder wurde die Hose runtergezogen und die entblößte Haut mit Reizgas eingesprüht. Die jeweiligen Fälle würden nun den Sachbearbeitern zugewiesen, die dann Opfer und Zeugen vernehmen, erklärt die Sprecherin. Danach werden mögliche Täter befragt.
Ein Emder, der an dem Abend von 20 bis etwa 21.30 Uhr ebenfalls beim Schwanenteich war, beschreibt im Gespräch mit dieser Zeitung die Atmosphäre vor Ort. Mehrere Hundert Leuten dürften sich wohl über das Gelände verteilt haben, in vielen Gruppen mit Bollerwagen. „Es sah aus wie ein großer Festivalplatz“, sagt er. Von einem besonders großen Bollerwagen kam laute Musik und Nebel. Er hat beobachtet, dass es hin und wieder wohl „ein bisschen Stress“ gab und sich einige geschubst hätten. Andere Leute hätten aber geschlichtet.
Am Schwanenteich sei es sonst schon ruhiger geworden
Die Polizei soll „wohl mal rumgefahren sein“, habe er zumindest von anderen gehört. Er selbst habe keine Beamten oder Mitarbeiter der Citystreife gesehen. Gegen 21.30/22 Uhr hätten sich die meisten Party-Teilnehmer wohl zur Innenstadt aufgemacht. Für den Himmelfahrtsabend wurden auch dort einige Körperverletzungsdelikte aufgenommen, heißt es im Polizeibericht. Am Neuen Markt und in der Neutorstraße beispielsweise gab es Auseinandersetzungen, bei denen die Beamten eingreifen mussten. Bei der Stadt Emden haben wir nachgefragt, wie sie die Situation am Schwanenteich einschätzt, und ob die Citystreife, die am Neuen Markt eingesetzt wird, auch dorthin zur Kontrolle hätte geschickt werden können. Auch wollen wir wissen, ob Konsequenzen aus dem Vatertagsgeschehen gezogen werden. Die Antwort steht noch aus.
Die Anwohnerin vom Schwanenteich sagt, dass es eigentlich insgesamt schon wieder ruhiger geworden sei. Dass rigoros bei jeder Eskalation und Ruhestörung jemand aus der Nachbarschaft hingegangen sei, habe schon geholfen. Nun hofft sie, dass der Vatertag eine Ausnahme war. Sie ärgert sich neben der Ruhestörung auch über den vielen Müll, der achtlos hinterlassen werde. Weil es keine Toiletten in der Nähe gibt, würden viele der Party-Gäste ihre Notdurft in Büschen verrichten. „Überall liegen benutzte Taschentücher.“ Schon am frühen Morgen hat der Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE) mit dem Aufräumen begonnen. Ein findiger Emder sei noch früher aktiv gewesen und habe die vielen Pfandflaschen und -dosen eingesammelt, so die Emderin. Mit der großen Menge an Pfand könne man sich immerhin gut die Rente aufbessern.