Osnabrück Künstler Ibrahim Mahama verhüllt Gebäude von Galeria Kaufhof
Ehemaliges Warenhaus wird Kunstwerk: Documenta-Künstler Ibrahim Mahama verhüllt Osnabrücks Galeria Kaufhof. Ein Highlight im Jubiläumsjahr 375 Jahre Westfälischer Friede.
Welches Gebäude wird es denn nun? Über Monate durfte gerätselt werden, welches Osnabrücker Haus Ibrahim Mahama verhüllen würde. Nun ist es heraus: Das ehemalige Galeria Kaufhof-Gebäude wird verhüllt. Das teilt die Kunsthalle Osnabrück mit. Das Projekt soll im Juli 2023 verwirklicht werden. Osnabrück bekommt ein Kunstwerk der räumlichen Superlative in der Stadtmitte.
Der Künstler aus Ghana wirft Gebäuden Kleider aus brauner Jute über, um auf globale Warenströme und ökonomische Abhängigkeiten zu verweisen. Mahama avancierte mit raumgreifenden Installationen spätestens auf der Documenta 14 in Kassel und Athen 2017 zu einem Star der internationalen Kunstszene.
„Mich interessiert, wie sich Krise und Versagen im Material absorbieren, der Bezug zu den globalen Transaktionen und wie kapitalistische Strukturen funktionieren“, beschreibt der 1987 im ghanaischen Tamale geborene Künstler seine Philosophie. In Kassel hatte er zwei Torhäuser am Beginn der Wilhelmshöher Allee mit Jutebahnen verhüllt. In Athen legte er dem Sytagma-Platz vor dem griechischen Parlament ein Kleid aus dem zerschlissenen Material an.
In Jutesäcken werden Kaffee, Kakao, Kohle und viele andere Rohstoffe transportiert. Mahama verwendet das vielfach verwendete Material für seine Kunstinstallationen, die auf wirtschaftliche wie kulturelle Austauschbeziehungen wie Abhängigkeiten zwischen den Industriestaaten des Westens und Ländern des globalen Südens aufmerksam machen sollen. Mit einer Installation aus Jutefahnen war Mahama auch schon 2015 auf der Biennale von Venedig präsent, als er Gebäude in den Arsenalen der Lagunenstadt verhüllte.
„Thematisch wird er die historischen Handelsrouten zwischen Osnabrück und dem afrikanischen Kontinent nachzeichnen und auf den daraus folgenden Einfluss auf die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Ghana verweisen“, heißt es in einer Mitteilung der Kunsthalle Osnabrück zu dem Projekt von Mahama, das nach den Angaben von der Bundeskulturstiftung unterstützt werden wird.
Das Osnabrücker Programm zu 375 Jahren Westfälischer Frieden wird mit diesem Projekt sicher ein künstlerisches Highlight erhalten. Das Gebäude des 2020 im Zuge der Konzernsanierung geschlossenen Warenhauses prägt am zentral gelegenen Neumarkt das Stadtbild. Mit der Wahl dieses Gebäudes wird Mahama die Möglichkeiten von Kunst im öffentlichen Raum spektakulär erweitern. Der Künstler wird die Verhüllung mit einem Kulturprogramm im ghanaischen Tamale verbinden.
Die Kunsthalle Osnabrück, die 2023 ihr 30jähriges Bestehen feiert, inszenierte Skulptur im Außenraum zuletzt 2015 mit dem Ausstellungsprojekt „Konkret mehr Raum“. 2017 brachte der Schweizer Künstler Felice Varini eine Installation aus blauen Kreisen an der Marienkirche am Markt an. Beide Projekte setzten starke Akzente für Kunst im öffentlichen Raum Osnabrücks. Jetzt folgt mit dem Verhüllungsprojekt Ibrahim Mahamas ein noch eindrucksvolleres Projekt, das viele Betrachter an die Verhüllungsaktionen von Christo und Jeanne-Claude erinnern wird.