Osnabrück  Tatort „Hochamt für Toni“: Der Kommissar und seine Jugendliebe

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 23.05.2023 11:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Verliebt, aber kein Paar: Der damalige Student Felix Voss (Fabian Hinrichs) und die junge Toni Hentschel (Sina Martens) in einer Rückblende. Foto: BR/X-Filme Creative Pool/Hendrik Heiden
Verliebt, aber kein Paar: Der damalige Student Felix Voss (Fabian Hinrichs) und die junge Toni Hentschel (Sina Martens) in einer Rückblende. Foto: BR/X-Filme Creative Pool/Hendrik Heiden
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Der neue Franken-Tatort „Hochamt für Toni“ wird für Kommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) heute zur Reise in die Vergangenheit. Trotz einer gewissen Dialoglastigkeit hat die Geschichte Potenzial.

Es ist eines der beliebtesten Motive im Fernsehkrimi überhaupt – scheinbar unausrottbar und dabei im wahren Leben ziemlich selten: die persönliche Verstrickung eines Kommissars in den Fall. Diesmal wird der Nürnberger Kommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) vom Anruf seines alten Freundes Markus in die Vergangenheit zurückkatapultiert. 

Der Freund, mittlerweile Pfarrer, will nicht etwa bei einem Bier mit Voss über alte Zeiten plaudern, sondern lädt ihn in einen kleinen Ort in der Oberpfalz zu seinem Gottesdienst ein. Da will er in seiner Predigt über Toni sprechen – Antonia, zu Studienzeiten in Berlin eine gemeinsame Freundin und Voss’ große und doch nie gelebte Liebe. Aber dann liegt der Pfarrer erstochen in der Kirche, bevor er predigen kann. Und all seine Aufzeichnungen, aus denen er vortragen wollte, sind verschwunden.

Erst hier, in diesem kleinen Ort außerhalb seines eigentlichen Zuständigkeitsbereichs, erfährt Voss, dass Antonia vor anderthalb Jahren Suizid begangen hat. Mit seinen Nachfragen bei ihrem Vater und den beiden Brüdern stößt er auf blanke Ablehnung: „Ich habe keine Tochter mehr, die Antonia heißt“, sagt der Vater (André Jung), ein steinreicher Unternehmer, der zusammen mit seinen beiden Söhnen die Region dominiert. Frauen wie die Mutter oder Antonias jüngere Schwester Eva (wie Antonia dargestellt von Sina Martens) spielen in dieser Familie kaum eine Rolle.

An dieser Familie wirkt manches überzeichnet. Der eisenharte Patriarch mit zwei Söhnen, die offenbar vor allem gelernt haben, vor Papa zu buckeln und woanders zu treten. Dazu die Ehefrau im Rollstuhl, die ihr Schicksal tapfer erträgt, die große Tochter, im Feuer bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, und die kleine Tochter, die sich zu den Pferden flüchtete, um all dem zu entgehen.

Es wird viel geredet in diesem Franken-Tatort. Sehr viel. Über den größten Teil der Spielzeit erklären die Beteiligten sich gegenseitig und damit auch dem Publikum, worum es geht. Wie auch sonst, wenn alle wichtigen Ereignisse in einer Vergangenheit liegen, die nur die wenigsten kennen? Dann müssen eben diejenigen, die etwas wissen, allen anderen davon erzählen. Dadurch wird auch mal ein Spaziergang über etliche Minuten zum prägenden Bildmotiv.

Voss’ Kollegin Ringelhahn (Dagmar Manzel) ist diesmal vor allem als menschliche Unterstützung und Freundin gefragt, bevor sie sich zusammen mit Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) auch als Polizistin nützlich machen darf. Die übrigen Mitglieder des Franken-Teams tauchen diesmal gar nicht auf.

So viel Gerede kann man ermüdend finden, sogar langweilig. Oder man lässt sich auf die dialogintensive Erzählweise von Drehbuchautor Bernd Lange und Regisseur Michael Krummenacher ein und sich so in die Geschichte hineinziehen. Das Potenzial dazu hat sie durchaus und hält am Ende auch manche unerwartete Wendung parat. Dass allerdings ein defekter Wasserkocher ein entscheidendes Detail in sich birgt, dürfte selbst in der Tatort-Geschichte ein Alleinstellungsmerkmal sein.

Vor dem Abspann wird für zwei oder drei Sekunden „In Gedenken an Stephanie Heckner“ eingeblendet. Diese Sekunden hat sie verdient. Stephanie Heckner gilt nicht nur als Erfinderin des Franken-Tatorts, sondern verantwortete auch jahrelang für den Bayerischen Rundfunk (BR) den Münchner Tatort. Sie war für die Eberhofer-Krimis zuständig und brachte als BR-Redaktionsleiterin „Reihen und Mehrteiler“ auch die sehenswerten Passau-Krimis ins ARD-Programm. Ende März verstarb Stephanie Heckner mit nur 60 Jahren nach langer schwerer Krankheit. Der Tatort „Hochamt für Toni“ war ihr letzter Film.

Tatort: Hochamt für Toni. Das Erste, Sonntag, 4. Juni, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen

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