Wechsel bei der AfD  An der Küste ist jetzt ein Bayer für die AfD unterwegs

| | 24.05.2023 16:05 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Sichert zog über die bayerische Landesliste in den Bundestag, lebt jetzt aber im Landkreis Friesland und hat das Wahlkreisbüro in Wilhelmshaven übernommen. Foto: Büro Sichert
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Sichert zog über die bayerische Landesliste in den Bundestag, lebt jetzt aber im Landkreis Friesland und hat das Wahlkreisbüro in Wilhelmshaven übernommen. Foto: Büro Sichert
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Der Ex-General und AfD-Bundestagsabgeordnete Joachim Wundrak hat sich aus der Wahlkreisarbeit in Friesland, Wittmund und Wilhelmshaven zurückgezogen. Zu weit weg, sagt er. Jetzt macht‘s ein Bayer.

Friesland/Wittmund/Wilhelmshaven - Die Bundestagswahl 2021 bescherte dem Wahlkreis Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund (26) gleich drei Abgeordnete: Die direkt gewählte SPD-Kandidatin Siemtje Möller sowie Anne Janssen für die CDU und Joachim Wundrak für die AfD. Janssen und Wundrak zogen über die Landeslisten ihrer jeweiligen Parteien ins Parlament. An der Zahl der im Wahlkreis aktiven Bundestagsabgeordneten hat sich nichts geändert, es sind immer noch drei. Einen Wechsel gab es trotzdem: Für die AfD ist jetzt ein Bayer an der Küste unterwegs, Martin Sichert aus Nürnberg.

Die Bundestags-Homepage weist für den Wahlkreis 26 noch immer Möller, Janssen und Wundrak als gewählte Abgeordnete aus. Die Bundestagsseiten der beiden AfD-Parlamentarier ergeben ein anderes Bild: Der Ex-Generalleutnant Wundrak gibt als einzige Kontaktadresse sein Bundestagsbüro in Berlin an. Sein bayerischer Fraktionskollege Martin Sichert dagegen weist neben dem Bundestagsbüro noch zwei Wahlkreisbüros aus, eines in Nürnberg und eines in Wilhelmshaven. Also das Büro, das Wundrak nach seiner Wahl eingerichtet hatte.

Joachim Wundrak

Nein, sagt Joachim Wundrak auf telefonische Nachfrage, er sei für den Wahlkreis 26 nicht mehr zuständig. Genau genommen habe er nie eine Zuständigkeit gehabt, da er den Wahlkreis auch gar nicht gewonnen habe. „Deswegen gibt’s da keine Verpflichtung“, sagt der AfD-Politiker. Er habe nach der Wahl zwar eine freiwillige Verpflichtung übernommen und ein Wahlkreisbüro eröffnet. „Aber für jemanden, der 250 Kilometer weit weg wohnt, ist das dann doch schon mit einigem Aufwand verbunden“, so Wundrak.

Der AfD-Kandidat Joachim Wundrak bei einer Wahlkampfveranstaltung in Schortens (Kreis Friesland). Foto: Oltmanns
Der AfD-Kandidat Joachim Wundrak bei einer Wahlkampfveranstaltung in Schortens (Kreis Friesland). Foto: Oltmanns

Der ehemalige Offizier lebt in der Nähe von Hannover und hatte auf Bitten der lokalen AfD-Kreisverbände 2021 im Wahlkreis 26 direkt kandidiert. Notwendig für den Einzug in den Bundestag war das damals nicht; Wundrak stand auf Platz eins der niedersächsischen Landesliste seiner Partei. Doch der Wahlkreis 26 ist deutschlandweit derjenige mit der meisten Bundeswehr (drei Standorte) und Wundrak hat eine lange Militärkarriere hinter sich. Bei der AfD versprach man sich davon mehr Stimmen. Nach der Wahl nahm Wundrak nach eigenen Angaben noch an einigen Veranstaltungen im Wahlkreis teil. Bis sein bayerischer Fraktionskollege der Heimat den Rücken kehrte und in den Norden kam. „Nachdem Herr Sichert dort hinzog, war das für mich eine logische und sinnvolle Entscheidung, dass er die Wahlkreisarbeit dort übernimmt“, sagt Wundrak. Das sei eine Art informelle Verabredung zwischen den beiden gewesen.

Martin Sichert

„Ja“, sagt Martin Sichert auf Nachfrage, „derjenige, der die lokalen Themen vor Ort in den nächsten Jahren beackern wird, das bin ich“. Die Übergabe habe schon Ende vorigen Jahres stattgefunden. Sichert ist 42 Jahre alt, stammt aus Nürnberg und lebt seit Mai 2022 mit seiner Familie in Zetel, woher seine Frau kommt. Sichert ist gelernter Diplomkaufmann und nach eigenen Angaben seit 2013 Mitglied der AfD, seit 2017 Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion und dort aktuell der gesundheitspolitische Sprecher. Außerdem soll er für seine Fraktion die Nordseeküste im Blick haben: „Die Landesgruppe Niedersachen hat mich dazu bestimmt, dass ich praktisch für den gesamten Küstenbereich von Cuxhaven bis zur holländischen Grenze zuständig bin, also für die ganzen Themen dort.“

Drei Themen hat er schon gefunden: Das LNG-Terminal vor Wilhelmshaven, die Wölfe an der Küste und die Unterbringung von Flüchtlingen in einer Ferienanlage im Wangerland. Sichert hat vor der Ferienanlage schon ein Video produziert. Wer wolle hier schon noch Urlaub machen, fragt er darin, „der Tourismus geht, die Flüchtlinge kommen“.

Ist so ein informell vereinbarter Wechsel überhaupt rechtmäßig? „Wahlrechtlich ist das unerheblich“, sagt dazu der Politikwissenschaftler Markus Tepe von der Universität Oldenburg. Die parlamentarische Vertretung eines Wahlkreises erfolge durch die Person, die dort das Direktmandat gewonnen habe. In diesem Fall also Siemtje Möller von der SPD. Eine Anfrage bei der Bundestagsverwaltung ist bisher nicht beantwortet worden.

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