Ostfrieslands Klinik-Defizit  Intensivstationen sind gleichzeitig abgemeldet – jetzt regelmäßig

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 25.05.2023 10:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Donnerstag, 25. Mai 2023, 9.29 Uhr: Alle ostfriesischen Intensivstationen im Bezirk der Rettungsleitstelle Wittmund sind für die „Stationäre Versorgung“ abgemeldet. Screenshot: OZ
Donnerstag, 25. Mai 2023, 9.29 Uhr: Alle ostfriesischen Intensivstationen im Bezirk der Rettungsleitstelle Wittmund sind für die „Stationäre Versorgung“ abgemeldet. Screenshot: OZ
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Ausgerechnet Nordens Klinik, die geschlossen wird, ist oft die einzige in Ostfriesland, die in der intensivmedizinischen Notfallversorgung aufnahmebereit ist. Auch am Donnerstag. Wie groß ist der Notstand?

Ostfriesland - Ein Patient mit Stimmprothese (Trachostoma) kam am Mittwoch in die Norder Hals-Nasen-Ohren-Praxis von Dr. Susanne Modemann – weil er die Prothese verschluckt hatte. „Das heißt, er kann nichts mehr essen oder trinken, weil das dann in die Lunge geraten würde“, erläuterte die Praxis. „Verhungern oder Verdursten droht.“

Was und warum

Darum geht es: Um die Kapazitätsdefizite in der Notfallversorgung in Ostfriesland.

Vor allem interessant für: Ostfriesische (Kommunal-)Politiker und Patienten

Deshalb berichten wir: Weil es zur Regel wird, dass die ostfriesischen Intensivstationen gleichzeitig abgemeldet sind.

Den Autor erreichen Sie unter: a.ellinger@zgo.de

Doch die Fachärztin hatte Schwierigkeiten, eine Klinik zu finden, die den Patienten aufnehmen kann (wir berichten noch). „Letztendlich hat das UEK Norden als einzig aufnahmebereites Krankenhaus in der Nähe den armen Mann zur Notversorgung aufgenommen“, berichtet die Praxis.

Fast täglich sind alle Intensivstationen gleichzeitig abgemeldet

Das passt zur Meldungslage der ostfriesischen Krankenhäuser im Ivena-Portal. Dort sehen Rettungsdienste, welche Kliniken für Notfall-Patienten Aufnahmebereitschaft signalisieren. Seit rund einer Woche macht unsere Redaktion Stichproben im Ivena-Portal – und praktisch täglich gibt es zeitweise die Situation, dass alle oder fast alle ostfriesischen Intensivstationen gleichzeitig für die „Stationäre Versorgung“ abgemeldet sind. Im Bereich der „Notfallversorgung“ war mehrfach nur die Norder Klinik aufnahmebereit.

Ist das ein Meldefehler? Denn die Norder Klinik soll ja abgewickelt werden. Doch der Fall des Stimmprothesen-Patienten deutet darauf hin, dass dieses Krankenhaus tatsächlich aufnahmebereit ist. Unsere Redaktion hat beim Klinikverbund Aurich-Emden-Norden angefragt, wie es dazu kommt, dass immer wieder die Norder Intensivstation als einzige aufnahmebereit ist.

Donnerstag, 25. Mai 2023, 9.30 Uhr: Die Emder Klinik hat als erstes Krankenhaus in Ostfriesland die Abmeldung seiner Intensivstation für die „Stationäre Versorgung“ aufgehoben. Screenshot: OZ
Donnerstag, 25. Mai 2023, 9.30 Uhr: Die Emder Klinik hat als erstes Krankenhaus in Ostfriesland die Abmeldung seiner Intensivstation für die „Stationäre Versorgung“ aufgehoben. Screenshot: OZ

Ganz aktuell – die Versorgungslage am Donnerstagmorgen

Auch in den Donnerstag, 25. Mai, starteten die ostfriesischen Krankenhäuser mit abgemeldeten Intensivstationen. Die Emder Klinik hob um kurz vor 9 Uhr als erste in Ostfriesland ihre Abmeldung auf. Die Kliniken Norden und das Leeraner Borromäus-Hospital folgten um 10 Uhr. Jeweils im Bereich der „Stationären Versorgung“. Im Bereich der „Notfallversorgung“ war Norden durchgehend grün, also nicht abgemeldet.

Aufgrund dieser Kapazitätsdefizite in der Intensivversorgung ostfriesischer Krankenhäuser hat unsere Redaktion am Mittwoch Presseanfragen an die Klinik-Unternehmen gerichtet – und an die Eigentümer, also die Landkreise Leer, Aurich und Wittmund sowie die Stadt Emden.

Wie können die Versorgungsdefizite in Ostfriesland beseitigt werden?

Von den Krankenhäusern will unsere Redaktion unter anderem wissen, wie viele Stunden ihre Intensivstationen vom 1. bis zum 24. Mai im Ivena-Portal abgemeldet waren und woraus die Abmeldungen resultieren. Die Klinik-Eigentümer, die zugleich auch Rettungsdienstträger und teilweise Rettungsdienstbetreiber sind, wurden von unserer Redaktion unter anderem gefragt, welche Defizite sie in der medizinischen Versorgung in Ostfriesland sehen – auch bezogen auf niedergelassene Ärzte.

In beiden Anfragen geht es im Kern darum, was sich ändern muss, damit die Ursachen und damit die Defizite in der medizinischen Versorgung in Ostfriesland beseitigt werden können. Außerdem geht es darum, was bisher unternommen wurde, um die Defizite zu beseitigen. Aufgrund des Umfangs der Umfrage hat unsere Redaktion um Antworten bis zum 2. Juni gebeten. Für die Beantwortung haben Klinikbetreiber und Klinikeigentümer also eineinhalb Wochen Zeit.

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