Streitpunkt Caro  Wieder Ärger über verkaufsoffene Sonntage in Aurich

| | 26.05.2023 13:09 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Geranienmarkt lockt stets Menschenmassen in die Innenstadt. Foto: Archiv/Ortgies
Der Geranienmarkt lockt stets Menschenmassen in die Innenstadt. Foto: Archiv/Ortgies
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Am verkaufsoffenen Sonntag zum Geranienmarkt in Aurich hat sich auch das Einkaufszentrum Caro beteiligt. Die Gewerkschaft Verdi sieht das rückblickend kritisch. Wird sie nun klagen?

Aurich - Es gibt erneut Ärger beim Thema verkaufsoffene Sonntage in Aurich: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist nicht damit einverstanden, dass im Einkaufszentrum Caro (ehemals Carolinenhof) künftig bei Veranstaltungen wie dem Geranienmarkt und dem Heidemarkt die Geschäfte öffnen. Das Einverständnis am 7. Mai sei eine einmalige Sache gewesen, sagt Gewerkschaftssekretär André Belger. „Da haben wir beide Augen zugedrückt. Aber beim nächsten Mal wird es, wenn es so wieder angedacht ist, von uns eine Abfuhr geben.“ Das betrifft den Heidemarkt am 1. Oktober.

Zum Geranienmarkt am 7. Mai hatten nicht nur in der Innenstadt die Geschäfte geöffnet, sondern auch im Caro. Die Gewerkschaft hatte keine Einwände erhoben, weil der Kaufmännische Verein Aurich (KV) den Geranienmarkt, der sich eigentlich auf dem Marktplatz abspielt, auf den Caro ausdehnen wollte. „Wir werden das überprüfen“, hatte Belger vorher gesagt. Die geöffneten Geschäfte dürften nur Beiwerk sein. Sollte das im Caro nicht der Fall sein, werde Verdi das „im Nachhinein beklagen“, hatte Belger gesagt. Nun sagt er, die Prüfung habe ergeben, dass der Anlass nicht reiche. „Es gab zwei Blumenbuden und einen Flohmarkt.“ Das sei „wie befürchtet eher eine Alibi-Veranstaltung“ gewesen.

„Wir wollen nicht immer der Buhmann sein“

Von einer Klage werde man jedoch absehen, so Belger – aus zwei Gründen: Erstens könne sich ein solches Verfahren über Jahre hinziehen. Zweitens habe es vorab mit der Stadt und dem KV konstruktive Gespräche gegeben, und das Antragsverfahren sei sauber gelaufen. „Das war ein Kompromiss. Den sind wir eingegangen. Wir wollen auch nicht immer der Buhmann sein. Die Veranstaltung ist ja auch sehr erfolgreich gewesen.“ Dennoch werde die Gewerkschaft beim nächsten Mal Bedenken anmelden, wenn es um die Genehmigung eines verkaufsoffenen Sonntags auch im Caro gehe. „Unsere Befürchtung ist, dass irgendwann der Carolinenhof keine Veranstaltungsbühne mehr ist, sondern nur noch Verkaufsort.“

Der KV-Vorsitzende Udo Hippen sieht die Sache anders. Für ihn steht außer Frage, dass der Caro Teil der Innenstadt ist und daher an verkaufsoffenen Sonntagen beteiligt werden muss. Das Einkaufszentrum sei seinerzeit gebaut worden, um die Innenstadt zu stärken. Gerade Besucher von außerhalb – aus Leer oder Emden – nutzten die Tiefgarage unterm Caro zum Parken, wenn sie den Geranienmarkt besuchten. Am 7. Mai habe es zudem viele Angebote abseits des reinen Shoppings gegeben, zum Beispiel Musik in der Osterstraße, einen Flohmarkt im Carolinengang und ein Kinderfest auf dem Georgswall. Damit habe man die Achse zwischen Fußgängerzone und Caro gestärkt, so Hippen.

Caro will wieder mitmachen

Für Verdi ist die Frage, ob der Caro zur Innenstadt gehört, nicht entscheidend, wie Belger erklärt. Entscheidend sei die Frage, ob er auch Teil der Veranstaltung ist. „Der Veranstaltungswille muss über dem Verkaufsangebot stehen.“ Die Gewerkschaft werde nun das Gespräch mit der Stadt und dem KV suchen. Die Stadt will sich noch nicht zu dem Thema äußern. „Wir müssen das erst intern bewerten“, sagt Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht, dessen Behörde den verkaufsoffenen Sonntag genehmigt hatte.

Was sagt der Caro? Er würde sich auch am Heidemarkt und dem damit verbundenen verkaufsoffenen Sonntag gerne wieder beteiligen. Sprecherin Katrin de Buhr erklärt, beim Geranienmarkt habe der Caro „als aktiver Teil der Auricher Innenstadt ... nicht nur Besucher aus nah und fern angezogen, sondern auch zur Belebung der Attraktivität der Innenstadt beigetragen“. Sie schreibt: „Mit zwei Blumenhändlern und einer Plattform für lokale Vereine haben wir den Geranienmarkt genutzt, um unsere Rolle als Ort des Austauschs und gemeinsamen Erlebens zu stärken und zu entwickeln.“ Auch im Herbst wolle der Caro die Gelegenheit nutzen, „Aurichs einzigartigen Charme durch unsere Teilnahme an weiteren Veranstaltungen zu fördern“. Die Frage ist nur, ob die Stadt Aurich das genehmigt. In den vergangenen Jahren hat sie das nie getan, wenn die Gewerkschaft Bedenken anmeldete.

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