Unerträgliche Temperaturen Emder Schüler müssen im Sommer bei Bullenhitze büffeln
Messungen in einigen Schulen haben im vergangenen Sommer Spitzenwerte von mehr als 40 Grad ergeben. Wirksame Patentlösungen dagegen hat die Stadt aber noch nicht.
Emden - Bei hohen Temperaturen im Sommer werden viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Emden vorläufig noch weiter kräftig schwitzen müssen, wenn sie die Schulbank drücken. Patentrezepte gegen die Hitze in den Schulen hat die Stadt bislang zumindest nicht. Stadtbaurätin Irina Krantz kündigte vor Kurzem im Betriebsausschuss des städtischen Gebäudemanagements (GME) zwar „eine ganzheitliche Lösung“ für die Schulen an. Sie nannte aber keine Details, wie ein solches Konzept aussehen und wann es umgesetzt werden könnte.
Was und warum
Darum geht es: Viele Emder Schülerinnen und Schüler müssen im Sommer oft in überhitzten Unterrichtsräumen büffeln.
Vor allem interessant für: Schülerinnen, Schüler, Eltern und Lehrkräfte in Emden
Deshalb berichten wir: Die Stadt Emden legte jüngst neue Ergebnisse von Temperaturmessungen in einigen Schulen vor. Damit befasste sich auch die Politik. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Anlass zu den Äußerungen von Krantz gaben die Ergebnisse weiterer Temperaturmessen in Schulen aus dem Sommer des vergangenen Jahres, die das GME jetzt vorlegte. Im Juli und August waren erneut die Grundschule Grüner Weg sowie die beiden Berufsbildenden Schulen (BBS) der Stadt untersucht worden. Viele Unterrichtsräume dieser drei Bildungsstätten hatten sich bereits bei Messungen im Sommer 2021 als besonders heiß erwiesen.
Höchsttemperatur in Grundschule lag bei 47 Grad
Die Spitzenwerte von 2022 lagen teilweise aber noch weit über denen des Vorsommers. Am höchsten stieg das Thermometer demnach im ersten Obergeschoss der Grundschule Grüner Weg. Dort wurden laut GME-Klimamanager Christoph Runden an einem Tag die Höchsttemperaturen von 47,1 Grad an der Ostseite und 40,6 Grad an der Westseite gemessen. Das sind aber Ausreißer: Die Mittelwerte lagen dort jeweils aber immerhin bei knapp über 30 Grad. Auf den schweißtreibenden Spitzenwert von 42,6 Grad brachte es auch ein Raum auf der Westseite der BBS I. Dort lag der Mittelwert bei ebenfalls heißen 33 Grad.
Die Empfehlungen, die Runden aus den Messergebnissen ableitet, konnten die Politik nicht überzeugen. Sie wirken angesichts des Klimawandels mit vielerorts steigenden Temperaturen und mehr heißen Tagen eher hilflos. Der GME-Klimamanager empfahl unter anderem, im Sommer verstärkt die kühleren unteren Geschosse der betroffenen Schulen und vormittags Klassenräume mit Ausrichtung nach Westen zu nutzen sowie regelmäßiges Lüften am Morgen und in den Pausen.
Wirksamer Schutz vor Hitze kostet Geld
Mit wenig Geld und Aufwand ließen sich auch Voraussetzungen für den Unterricht im Freien schaffen, Wasserspender aufstellen und lockere Unterrichtseinheiten in Gruppen organisieren, so der GME-Mitarbeiter. Deutlich mehr Geld dürften hingegen außenliegende Verschattungen, Sonnenschutzverglasungen und Kühlungen verschlingen - Geld, das die Stadt derzeit nicht hat.
Doch die Stadt gerät unter Zugzwang. Denn laut Runden müssen nach den Richtlinien der Kultusministerkonferenz bei Raumtemperaturen von mehr als 26 Grad Maßnahmen eingeleitet werden. Das heißt: Wenn also in Klassenzimmern eine Bullenhitze herrscht und Schüler sowie Lehrer zerfließen, müssen Alternativen gefunden werden.
Mehr grüne Klassenzimmer?
Der Ratschlag von GfE-Fraktionschef Jochen Eichhorn, die Hausmeister sollten doch nachts oder morgens schon um 5 Uhr die Fenster zum Lüften öffnen, ging mehr oder weniger ins Leere. Das sei versicherungstechnisch schwierig, erwiderte die Stadtbaurätin im Betriebsausschuss. „Es darf nur gelüftet werden, wenn die Hausmeister im Gebäude sind“, sagte Irina Krantz.
Der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Wilke Held, der selbst Gymnasiallehrer in Emden ist, empfahl hingegen, wo es möglich ist, Voraussetzungen für grüne Klassenzimmer auf den Schulhöfen zu schaffen. Für das Schulzentrum im Kulturviertel sollte das auch bei der Gestaltung des Vorplatzes des neuen Festspielhauses am Wall mitgedacht werden, sagte der Unionspolitiker.
Hitzefrei scheint aus der Mode zu kommen
Sicher sei, so Held, dass dieses Thema bearbeitet werden müsse: „Ganz ohne Investitionen wird das nicht gehen.“ Man müsse „Schritt für Schritt über eine ganzheitliche Lösung nachdenken“ und überlegen, was an welcher Schule sinnvoll sei“, antwortete Krantz.
Früher gab es bei hohen Temperaturen im Sommer für Schülerinnen und Schüler Hitzefrei. Den Tag im Freibad oder am Badesee statt in der Schule zu verbringen, scheint aber immer mehr aus der Mode zu kommen. Ganztagsschulen, die Organisation der Betreuung oder etwa das tägliche Mittagessen in den Schulen erschwert das spontane Freigeben.
Entscheidung liegt bei den Schulleitungen
Anspruch auf Hitzefrei hat heute kein Kind mehr. Die Regelungen dazu sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Niedersachsen heißt es in einem Runderlass des Kultusministeriums aus dem Jahr 2021 dazu, die Entscheidung für einzelne oder alle Klassen von Grundschulen und Schulen des Sekundarbereichs I liege in der Verantwortung der Schulleitungen.
Eine Betreuung müsse gewährleistet sein. In Grundschulen dürfen Kinder dem Erlass zufolge nur nach vorheriger Zustimmung der Erziehungsberechtigten nach Hause entlassen werden.Ausbau der Solarenergie in Emden kommt langsam voran
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