Flensburg  Das Dilemma mit den Dienstwagen

Miriam Scharlibbe
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Von Miriam Scharlibbe
| 31.05.2023 11:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Etliche Wagen in den Fuhrparks in elf Bundesressorts – inklusive des Bundeskanzleramts – überschreiten die von der EU beschlossenen Grenzwerte für den CO2-Ausstoß bei neu zugelassenen Pkw. Foto: Martin Meissner
Etliche Wagen in den Fuhrparks in elf Bundesressorts – inklusive des Bundeskanzleramts – überschreiten die von der EU beschlossenen Grenzwerte für den CO2-Ausstoß bei neu zugelassenen Pkw. Foto: Martin Meissner
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„Eine Welt“: Alle reden über Klimaschutz, dafür auf schnelle und schwere Autos zu verzichten, das liegt den Deutschen aber noch immer fern. Kein Wunder, wenn sich sogar die Mehrheit der Bundesregierung an ihre Verbrennermotoren klammert.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Wir Menschen lieben Party und Protest, wollen die Erde retten und trotzdem online shoppen. Dabei setzen wir den Planeten in Brand. Die Klimakrise ist DAS Thema unserer Zeit. Miriam Scharlibbe legt den Finger in die Wunde und schaut dorthin, wo es wehtut: in den Spiegel. Sie kritisiert Verschwendung und Verwerfungen des Kapitalismus, Gedankenlosigkeit und mangelnde Nachhaltigkeit – und hadert dabei ständig mit sich selbst.

Eigentlich könnte man ja auch häufiger mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Eigentlich kann man den kleinen Einkauf auch mit dem Bus transportieren. Und eigentlich würde ein Auto pro Familie auch reichen. Eigentlich… Aber eigentlich liebt der Deutsche sein Auto zu sehr, als dass er darauf verzichten mag. Das gilt sogar für die Mitglieder der Bundesregierung, wie jetzt eine Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zeigt.

Etliche teils ältere Wagen in den Fuhrparks in elf von 16 Bundesressorts – inklusive des Bundeskanzleramts – überschreiten demnach die von der EU beschlossenen Grenzwerte für den CO2-Ausstoß bei neu zugelassenen Pkw.

Die EU sieht seit 2020 vor, dass ein neu zugelassener Pkw pro gefahrenem Kilometer maximal 95 Gramm CO2 ausstoßen soll. Deutsche Spitzenpolitiker fahren allerdings teilweise deutlich ältere Dienstlimousinen mit schlechteren Werten. Das ist nicht verboten, bietet aber natürlich eine schöne Angriffsfläche für besonders klimakritische Oppositionspolitiker und besonders klimafreundliche Aktivisten.

„Spitzenreiter“ mit den meisten CO₂-Schleudern ist Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Er übernahm allerdings von Amtsvorgängerin Christine Lambrecht (SPD) 21 diesel- bzw. benzinbetriebene Fahrzeuge, die allesamt mehr Kohlenstoffdioxid ausstoßen als von der EU für Neuwagen vorgesehen. Darunter sind mehrere wuchtige Audi-Limousinen für die Staatssekretäre. So eine Zweitverwertung kann man natürlich irgendwie als nachhaltig betrachten. Und bei Lambrechts Vorliebe für Helikopterflüge muss man ja fast schon froh sein, dass hier nur gebrauchte Autos aufgetragen werden.

Auch in den Garagen der Behörden von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), von Ernährungs- und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), bei Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) und im Kanzleramt stehen schöne, schwere und nicht gerade klimafreundliche Fahrzeuge.

Lediglich Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat in ihrem Ministerium schon alle Autos auf Elektro-Antriebe umgestellt. Allerdings dürfte die Bilanz der Flugsünden in diesem Amt auch besonders negativ ausfallen.

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