Stanford  Neue Studie zu Demenz: Wie eine Gürtelrose-Impfung schützen kann

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 05.06.2023 16:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken, steigt stetig. Nun haben Forscher den Verdacht untermauert, dass diese Erkrankung oft mit einer anderen zusammenhängt. Foto: Colourbox.com
Die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken, steigt stetig. Nun haben Forscher den Verdacht untermauert, dass diese Erkrankung oft mit einer anderen zusammenhängt. Foto: Colourbox.com
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Die Ursachen für Demenz sind immer noch weitgehend unklar. Eine neue Studie aus den USA legt nun nahe, dass es einen Zusammenhang zu Gürtelrose geben könnte.

Es ist eine Krankheit, an der immer mehr Menschen erkranken: Demenz. Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sind es in Deutschland aktuell 1,8 Millionen, die meisten von ihnen leiden an Alzheimer. Und in Folge des demografischen Wandels werden es stetig mehr.

Besonders erschreckend: Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation hat ergeben, dass rund 100.000 der Demenzkranken hierzulande unter 65 Jahre alt sind. Doch was nach wie vor fehlt, ist das Wissen über die genauen Ursachen der Krankheit.

Eine Vermutung der Wissenschaft ist, dass Herpes-Viren bei der Entstehung von Demenz eine Rolle spielen. Da Gürtellose von solchen ausgelöst wird, geht man davon aus, dass diese Erkrankung das Demenz-Risiko erhöht. In einer Studie haben sich nun Wissenschaftler aus den USA, Deutschland und Österreich näher damit befasst und ihre Ergebnisse in einer Preprint-Version, also einer Vorab-Fassung, festgehalten.

Konkret untersuchten die Forschenden der Stanford Universität sowie der Universitäten Heidelberg, Mainz und Wien den Zusammenhang zwischen einer Impfung gegen Gürtelrose und dem späteren Risiko für Demenz. Dafür betrachteten sie die ältere Bevölkerung von Wales. Denn dort haben die Menschen lediglich einen Anspruch auf eine kostenfreie Gürtelrose-Impfung, wenn sie nach dem 2. September 1933 geboren sind. Alle, die früher geboren sind, gehen leer aus.

Da es ansonsten keine relevanten Unterschiede zwischen den Walisern gab, die rund um diesen Zeitraum geboren sind, waren sie für die Wissenschaftler die optimale Studienpopulation. Insgesamt 282.000 Probanden kamen letztendlich für die Untersuchung infrage.

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Verglichen wurden nun die Menschen, die vor dem Stichtag geboren sind, mit den Menschen, die danach geboren sind. Unter den Walisern, die vor dem 2. September 1933 zur Welt kamen, lag die Quote der Gürtelrose-Impfungen bei nahezu null, bei den später geboren bei circa 47 Prozent. Wichtig dabei: Bei der Impfung handelte es sich um den abgeschwächten Herpes-Zoster-Lebendimpfstoff, der in Großbritannien seit 2013 verfügbar ist. Daneben existiert nämlich mittlerweile auch ein Totimpfstoff.

Das Ergebnis: Die Gürtelrose-Impfung reduzierte die Wahrscheinlichkeit einer Demenzdiagnose in den darauffolgenden sieben Jahren um rund ein Fünftel, exakt um 19,9 Prozent. Besonders interessant ist die Beobachtung, dass der Impfstoff Frauen noch weitaus stärker vor Demenz schützte als Männer.

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Die Forschenden schlussfolgern somit in ihrer Studie, dass die Herpes-Zoster-Impfung „sehr wahrscheinlich ein sehr wirksames Mittel zur Verhinderung oder Verzögerung des Ausbruchs von Demenz ist“. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass nun weitere Studien nötig sind, um unter anderem den optimalen Zeitpunkt der Impfung zur Vorbeugung von Demenz zu ermitteln. Denn in ihrem Fall waren die Probanden zum Zeitpunkt der Impfung bereits Ende siebzig.

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