Osnabrück Wer in Deutschland Urlaubsgeld bekommt – und wer nicht
Längst nicht jeder Beschäftigte in Deutschland erhält Urlaubsgeld. Eine neue Studie zeigt, welche Faktoren beeinflussen, ob die Sondervergütung gezahlt wird – oder eher nicht.
Der Sommer beginnt und damit die Monate, in denen viele Unternehmen ihren Angestellten Urlaubsgeld auszahlen. Doch nicht jeder kommt in den Genuss. Im Gegenteil: Nur knapp die Hälfte (47 Prozent) aller in der Privatwirtschaft Beschäftigten in Deutschland bekommt die Sondervergütung. Wie das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag mitteilte, liegt dabei der Anteil in tarifgebundenen Unternehmen der Privatwirtschaft mit 74 Prozent deutlich über dem Anteil in Unternehmen ohne Tarifvertrag (35 Prozent).
Die Frage, wer Urlaubsgeld erhält, ist laut WSI von verschiedenen Faktoren abhängig – neben der Tarifbindung etwa auch von der Größe eines Unternehmens sowie der Höhe des Bruttomonatslohns. Je mehr Menschen in einer Firma arbeiteten und je höher das Einkommen sei, desto größer sei die Chance auf die entsprechende Sonderzahlung. Gleichzeitig unterstrich das WSI, dass in größeren Unternehmen häufiger eine Tarifbindung bestehe und auch die Lohnhöhe wiederum in Beziehung dazu stehe.
Wie viel Geld dann tatsächlich in der Urlaubs- oder Haushaltskasse landet, ist von Branche zu Branche sehr verschieden, heißt es weiter. Dafür wertete das WSI 22 Tarifbranchen aus. Das Ergebnis: Zwischen 180 und 2686 Euro bekommen Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe dieses Jahr als tarifliches Urlaubsgeld.
Am wenigsten Urlaubsgeld bekommen Beschäftigte in der Landwirtschaft und im Hotel- und Gaststättengewerbe. Die höchsten Zahlungen erhalten Arbeitnehmer unter anderem in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, in der Papier verarbeitenden Industrie, in der Metallindustrie, in der Druckindustrie, im Kfz-Gewerbe, im Versicherungsgewerbe, im Einzelhandel, im Bauhauptgewerbe und in der Chemischen Industrie.
Auch kommt die Datenauswertung zu der Erkenntnis, dass Beschäftigte in Ostdeutschland seltener Urlaubsgeld erhalten (34 Prozent) als im Westen (49 Prozent). „Dieser Unterschied ist in erster Linie auf die deutlich geringere Tarifbindung im Osten Deutschlands zurückzuführen“, erläuterte die Stiftung.
Hintergrund der Zahlen ist eine Umfrage des Portals „Lohnspiegel.de“, welches vom WSI betreut wird. Zwischen Mai 2022 und April 2023 wurden die Angaben von 59.215 Beschäftigten ausgewertet, die an einer kontinuierlichen Online-Erhebung teilgenommen haben. „Die Umfrage ist nicht repräsentativ, erlaubt aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die Arbeitswelt“, erklärte das Institut. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes seien nicht berücksichtigt worden, da bei ihnen das Urlaubs- und Weihnachtsgeld seit der Tarifreform des Jahres 2005 in einer einzigen Jahressonderzahlung zusammengefasst worden sei.