Sylt  Beschmierter Privatjet auf Sylt – so aufwendig ist die Reparatur

Nils Leifeld
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Von Nils Leifeld
| 09.06.2023 15:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der besprühte Privatjet am Dienstag auf dem Sylter Flughafen soll jetzt repariert werden. Foto: Julius Schreiner/TNN/dpa
Der besprühte Privatjet am Dienstag auf dem Sylter Flughafen soll jetzt repariert werden. Foto: Julius Schreiner/TNN/dpa
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Aktivisten der „Letzten Generation“ besprühten am Dienstag einen Privatjet auf dem Sylter Flughafen. Dabei sprayten sie auch Farbe in die Turbinen. So aufwendig ist jetzt die Reparatur.

Orange Sprühfarbe auf dem Lack, auf den Fenstern und in den Turbinen eines Privatjets: Das ist das Resultat eines Farbanschlags der sogenannten „Letzten Generation“ am Dienstag auf dem Sylter Flughafen. Dabei entfernten die Demonstranten auch extra die Triebwerksabdeckungen des Jets, um Farbe in die Turbinen zu sprühen. Doch wie geht es nun mit dem beschmierten und beschädigten Flugzeug weiter?

Bei dem beschmierten Jet handelt es sich nach Informationen unserer Redaktion um eine Cessna des Modells Citation 525 CJ1. Sylts Flughafenchef Peter Douven teilt auf Anfrage mit, dass nur eine Flugzeugwerft die genaue Schadenshöhe solide einschätzen könne. Der Schaden sei aber nach seiner Auffassung erheblich. „Zum Reparaturverfahren und zum Reparaturort werden Sachverständige die Richtung vorgeben“, so Douven.

Für eine detailliertere Antwort zum Turbinen-Schaden hat unsere Redaktion die Lufthansa-Technik in Hamburg um eine Einschätzung gebeten. Ein Sprecher des Unternehmens erklärt, wie es für den Jet auf Sylt nun weitergehen könnte: „Um sich ein genaues Bild der Beschmutzung in den Turbinen zu machen, wäre eine Boroskopie-Untersuchung sinnvoll.

Je nach Schwere des Schadens, so der Sprecher, müssten die Turbinen im Zweifelsfall demontiert und entlackt werden. „Die Farbe muss in Gänze wieder raus, alles andere wäre sehr gefährlich später beim Fliegen.“

Ebenso auskunftsfreudig wie der Lufthansa-Techniker ist ein Experte vom Atlas Air Service in Ganderkesee (Niedersachsen) – zuständig unter anderem für Wartungen, Reparaturarbeiten und Instandhaltungen von Flugzeugen. Der Flugzeug-Fachmann sagt, der Neupreis für eine Turbine einer Cessna Citation liege bei mehr als 500.000 Euro. „So teuer muss die Reparatur in diesem Fall auf Sylt aber längst nicht sein“, so der Fachmann. Zunächst müsse geklärt werden, um was für eine Farbe in der Turbine es sich handele und wie schwerwiegend die Beschmutzung beziehungsweise Beschädigung sei. „Dafür ist eine sogenannte Boroskop-Inspektion erforderlich, bei der die Turbine im Detail unter die Lupe genommen wird.“

Je nachdem, was die Inspektion ergebe, reiche im günstigsten Fall eine gründliche Reinigung der Turbine aus. Im schlimmsten Fall, so der Flugzeug-Experte, müsse die Turbine komplett demontiert und zum Hersteller geschickt werden, um sie wieder instand zu setzen. „Was das kostet, kann ich so aus der Ferne schwer sagen, aber es wird auf jeden Fall nicht billig.“ Ein Betrag im sechsstelligen Bereich sei dann sogar noch zu gering geschätzt. Hinzukämen noch die Kosten für die Reinigung des mit Farbe beschmierten Flugzeug-Lacks und der Fenster, die ebenfalls bei mehreren hunderttausend Euro liege.

Zur Reparatur der beschmierten Turbinen fragte shz.de auch bei der MTU Aero Engines AG in München an, die sich auf die Herstellung und Instandhaltung von Triebwerken für die zivile und militärische Luftfahrt spezialisiert hat. MTU-Sprecherin Victoria Nicholls teilte auf shz.de-Anfrage mit, es sei grundsätzlich nicht gut, wenn Fremdobjekte ins Triebwerk gelangen (FOD). „In diesem Fall scheint noch ein Cover auf dem Triebwerk zu sein, und es ist möglich, dass keine Farbe eingedrungen ist.

Weiterlesen: Aktivisten der „Letzten Generation“ beschmieren Bar im Hotel Miramar auf Sylt

Das wäre allerdings von zertifiziertem Fachpersonal zu überprüfen.“ Sollte Farbe doch im Triebwerk sein, müsste das Triebwerk weiter inspiziert und gereinigt werden, so die Sprecherin. „Wo und wie das erfolgen kann (am Flügel oder im Shop) hängt von der Farbkonsistenz, Menge und Verteilung im Triebwerk ab. Das können wir von den Pressebildern nicht beurteilen.“ Dementsprechend schwer einzuschätzen seien auch die Kosten.

Wie hoch genau die exakte Schadenshöhe am beschmierten Jet ist, soll nun ermittelt werden, wie der Flensburger Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt am Mittwoch mitteilte. Wie lange das dauern würde, sagte der Staatsanwalt nicht. Nach Informationen von shz.de gehört das Flugzeug einer wohlhabenden Familie aus der Nähe von Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen), die im Immobiliengeschäft tätig ist. Diese war bislang nicht für eine Stellungnahme zu sprechen.

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