Hamburg  Fliegerhorst Wunstorf: Hier tanken die Kampfjets für Air Defender 2023

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 10.06.2023 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein einziger Airbus A400 M fasst bereits bis zu 50.000 Liter Kerosin. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Ein einziger Airbus A400 M fasst bereits bis zu 50.000 Liter Kerosin. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Ein riesiges Feldtanklager soll dafür sorgen, dass den Air Defender-Teilnehmern nicht der Saft ausgeht. Eine Spezialkompanie der Bundeswehr aus dem hohen Norden hat dafür seit Beginn des Jahres geschuftet.

Wer mit zahlreichen Flugzeugen in der Luft üben will, braucht eine „Tankstelle“ in einer etwas anderen Dimension, als der gemeine Autofahrer sie kennt. Bis zu 500.000 Liter Kerosin pro Tag werden während der Air Defender Übung allein beim Fliegerhorst im niedersächsischen Wunstorf benötigt. Kein Wunder, sollen doch von hier auch die Luftbetankungen der Kampfjets während der Übung starten.

Wenige Tage vor Übungsbeginn steht Major Peter P. vor den großen Eisenbahnkesselzügen, in denen Hunderttausende Liter Kerosin lagern. Nachnamen der Soldaten will die Bundeswehr aus Angst vor Identitätsdiebstahl nicht in den Medien lesen. Der 35-Jährige ist Chef einer Spezialkompanie, die es so in Deutschland nur ein einziges Mal gibt: die Pipeline-Pioniere aus Husum in Schleswig-Holstein. „Wir verstehen uns als Möglichmacher“, sagt der Major grinsend und im besten Werbesprech der Bundeswehr.

Sie wollten ohnehin ganz gerne bei Air Defender dabei sein, aber erst vor einem Jahr wurde klar: Sie müssen es auch. Denn die Kapazitäten am Fliegerhorst – immerhin 1,8 Millionen Liter Kerosin passen ins hiesige stationäre Tanklager – werden nicht reichen, wenn die hier startenden Piloten aus den USA, Deutschland und Rumänien auch die gesamten zwölf Übungstage abheben sollen.

Peter P. und seine Soldaten mussten ran. Sie verdoppelten, unterstützt von einer Handvoll ungarischer Pipeline-Kräfte, in wenigen Monaten die Tank-Kapazitäten. Von Beginn des Jahres an stampften sie ein riesiges mobiles Feldtanklager aus dem Boden. 17.000 Tonnen Schotter wurden bewegt, um Platz für 2,4 Millionen Liter Kerosin zu schaffen. Damit ließen sich – wenngleich es kaum empfehlenswert ist – gut 16.000 Badewannen füllen.

„Wir sind in der Lage, überall auf der Welt auf einer Wiese ein solches mobiles Feldtanklager zu errichten”, sagt Major B. Doch das in Wunstorf ist das bisher größte, das je in Deutschland gebaut wurde. Wer hier arbeitet, hat seine olivgrüne Kleidung längst gegen dunkelblaue, anti-statistische Overalls getauscht. Zudem sind Soldaten der Bundeswehr-Feuerwehr in andauernder Alarmbereitschaft, wie Leutnant Uwe ergänzt. Er ist der Verantwortliche des Tanklagers.

Da selbst unter den großen tankblasen schlummernden 2,4 Millionen Liter Kerosin reichen werden, schufen die Husumer gleich noch eine ganze Infrastruktur dazu. Knapp zwei Kilometer Rohrleitungen sorgen dafür, dass der Sprit von Kesselzügen bei dem Feldtanklager ankommt.

Dreimal die Woche bringen die Züge Hunderttausende an Kerosin-Litern über die Schiene nach Wunstorf, das Ganze werde ergänzt durch Tankfahrzeuge. So werden in den kommenden Tagen insgesamt mehr als sechs Millionen Liter Kerosin durch das Tanklager gehen.

Nutznießer der Husumer Tankstellenbauer sind die Luftwaffe und die US-Amerikaner, die jeweils mit ihren eigenen Tankfahrzeugen in Wunstorf sind. Alleine die großen A400M-Transporter der Bundeswehr fassen jeweils bis zu 50.000 Liter. Die Lockheed C-130, genannt „Hercules“, von denen die US Air Force zehn Stück mit nach Niedersachsen brachte, benötigen etwas weniger.

Doch insgesamt bestimmen die US-Amerikaner auch in Wunstorf den Takt, sind sie mit etwa 500 der insgesamt 700 Soldaten doch deutlich in der Überzahl. Die Streitkräftebasis, unter anderem so etwas wie die Logistiker der Bundeswehr, zu denen auch die Spezialkräfte aus Husum gehören, werden mit insgesamt 120 Soldaten am Fliegerhorst sein.

Der Übungskoordinator und Oberstleutnant René B. ist vor allem froh, dass es nach der langen Planung nun endlich losgeht, wie er sagte. Gut 10.000 Teilnehmer aus 25 Ländern werden vom 12. bis zum 23. Juni dabei sein. Wunstorf ist dabei das logistische Drehkreuz der gesamten Übung.

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