Prozess am Amtsgericht Leer  Mehrfach zugeschlagen – junger Moormerländer vor Gericht

Johann Vehndel
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Von Johann Vehndel
| 10.06.2023 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Prozess findet am Amtsgericht Leer statt. Foto: Ortgies/Archiv
Der Prozess findet am Amtsgericht Leer statt. Foto: Ortgies/Archiv
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Ein 23-jähriger Moormerländer soll seine damalige Freundin sowie einen Mofafahrer geschlagen haben. Jetzt steht er vor Gericht. Auch für eine weitere Tat muss er sich verantworten.

Leer - Wegen diverser Straftaten muss sich ein 23-jähriger Moormerländer vor dem Amtsgericht in Leer verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, dass er am 30. März 2022 seine damalige Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung mit einem Teleskopschlagstock auf die Brust und auf den Oberschenkel geschlagen hat. Außerdem soll er ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und sie gewürgt haben.

Das war jedoch nicht der einzige Vorwurf: Genau einen Monat später – am 30. April – soll der Angeklagte einem Mofafahrer mehrere Male auf den Helm geschlagen haben, wodurch der Jugendliche am Kopf verletzt wurde. Außerdem soll er bei einer Hausdurchsuchung durch die Polizei am 26. Juli 2022 Widerstand geleistet haben. In seiner Wohnung fanden die Beamten 2,1 Gramm Marihuana.

Angeklagter machte Ex-Freundin Vorwürfe

Der Angeklagte stritt vor Gericht viele Straftaten ab und machte dabei unter anderem seiner früheren Lebensgefährtin Vorwürfe: Sie sei eifersüchtig gewesen und habe ihn so eingeengt. Zudem soll sich die junge Frau in psychologischer Behandlung befunden haben. Auch sollen die eingesetzten Polizeibeamten ihn zu Boden gerissen und geschlagen haben.

Lediglich zwei bis drei Schläge gegen den Helm des Mofafahrers räumte der 23-Jährige ein. Allerdings hätten diese eine Vorgeschichte gehabt. Eine Gruppe jugendlicher Mofafahrer hätte ihn mehrfach rund um seine Mietwohnung mit Lärm, lauten Motorgeräuschen und Bremsvorgängen bis spät am Abend überzogen. Dies sei auch am 30. April 2022 der Fall gewesen, als einer der Mofafahrer vor seinem Haus eine lautstarke Vollbremsung hingelegt habe. Er und seine Freundin hätten die Verfolgung mit dem Auto aufgenommen und die Mofafahrer gestellt. Dann sei es zur Körperverletzung gekommen.

Drogen zur Schmerzlinderung

Dass er Marihuana besessen hatte, begründete der Angeklagte mit einer Verschreibung durch einen Arzt. Die Drogen sollten seine Schmerzen lindern. Daher sei es nicht gerechtfertigt gewesen, seine Wohnung zu durchsuchen. Um seine Katze vor einem Polizeihund zu beschützen, habe er versucht, durch die Eingangstür zu kommen, obwohl diese von einem Polizeibeamten bewacht worden sei. Die Polizisten hätten ihn unsanft behandelt und ihn wieder nach draußen befördert sowie auf den Boden gezerrt und fixiert.

Im Anschluss sagte die 22-jährige damalige Lebensgefährtin des Angeklagten aus. Sie habe sich aufgrund seiner Eifersucht während der gemeinsamen Zeit zahlreichen Vorwürfen und Attacken ausgesetzt gesehen. Diese Eifersucht habe zu Schlägen und Tritten geführt, da er ihr ein Verhältnis mit einem Arbeitskollegen unterstellt habe. Die Geschehnisse seien eskaliert, als der Angeklagte sie in der Dusche mit einem Schlagstock auf die Brust und den Oberschenkel schlug. Danach habe er die Haustür verriegelt und die Jalousien der Fenster heruntergelassen. Am folgenden Tag habe der Angeklagte seine Freundin zum Hausarzt begleitet, wo sie wegen einer Magenverstimmung krankgeschrieben wurde. Aufgrund der Kleidung der Frau seien die blauen Flecke an den betroffenen Stellen für den Arzt nicht erkennbar gewesen.

Prozess musste unterbrochen werden

Die 22-Jährige sagte vor Gericht zudem aus, die Absicht gehabt zu haben, sich wegen der Übergriffe des Angeklagten umbringen zu wollen. Sie hatte deswegen an einigen Sitzungen zur Stressbewältigung teilgenommen. Nach der Trennung im Juni 2022 habe sie Strafanzeige erstattet. Während ihrer Aussage zitterte die Frau am ganzen Körper, sodass Richter Finn Ahting die Verhandlung für zehn Minuten unterbrechen musste.

Im Anschluss sagte noch der angegriffene Mofafahrer sowie weitere Jugendliche der Clique aus. Er habe auf seinem Mofa gesessen und daneben in einer Reihe weitere Mofafahrerinnen und -fahrer, so das Opfer. Der Angeklagte sei aus einem Auto ausgestiegen und auf die Clique zugekommen. Alle Zeugen bestätigten verbale Attacken des Moormerländers und etwa sechs bis acht Schläge auf den Helm des Opfers. Schließlich sei das Mofa des Geschädigten umgekippt und habe danebenstehende Mofas in eine Schräglage gebracht. Durch einen Tritt auf die Verkleidung sei es noch zu einer Beschädigung des Mofas gekommen.

Den unsanften Umgang mit dem Angeklagten während der Hausdurchsuchung bestätigte eine Frau aus der Oberwohnung des Mietshauses. Der Prozess wird am Dienstag, 13. Juni, um 12 Uhr in Saal 28 fortgesetzt. Dann sagen unter anderem die bei der Hausdursuchung eingesetzten Polizeibeamten aus.

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