Vor der Anti-Wolfs-Demo AfD-Sympathisant stört Gegenkundgebung in Aurich
Das fängt ja gut an: Schon vor der großen Anti-Wolfs-Demo am Abend musste die Polizei in Aurich eingreifen. Ein AfD-Sympathisant und bekennender Querdenker störte eine Gegenkundgebung.
Aurich - Wenige Stunden vor der großen Anti-Wolfs-Demo hat es in Aurich den ersten Polizeieinsatz in dieser Sache gegeben. Ein AfD-Sympathisant und bekennender Querdenker störte am Sonnabendnachmittag auf dem Marktplatz die Gegenkundgebung der Antifaschistischen Aktion Ostrhauderfehn. Deren Vorsitzender Roger Miller tat zunächst per Megafon, dann per Mikrofon und Lautsprecher seine Meinung kund. Der 69-Jährige bezeichnete die für den Abend geplante Anti-Wolfs-Demo mit bis zu 3000 Teilnehmern als „Hass- und Hetz-Veranstaltung“.
Miller stand mitten auf dem wenig belebten Marktplatz neben seinem Auto. Einzige Unterstützerin war seine Ehefrau. Diese rief schließlich die Polizei, weil ein anderer Mann die Gegenkundgebung störte. Dirk Harms aus Oldeborg (Gemeinde Südbrookmerland) baute sich in neongelber Weste, mit geschultertem Holzkreuz und Aluhut auf dem Kopf vor Miller auf und forderte die Vernichtung aller Wölfe. Er habe seinen Montagsspaziergang auf den Sonnabend verlegt, weil er von der Gegenkundgebung erfahren habe, sagte er der Redaktion.
Verkehrsbehinderungen in Aurich
Die Polizei nahm die Personalien des Mannes auf und forderte ihn auf, Miller nicht bei der Kundgebung zu stören. Der Mann heißt Dirk Harms, ist gelernter Landwirt und hat 2021 für die CDU bei der Gemeinderatswahl in Südbrookmerland kandidiert. Angela Merkel habe die Partei so weit nach links verschoben, dass er in der CDU mittlerweile nicht mehr seine politische Heimat sehe, sagte Harms. Die AfD könne das Vehikel sein, damit sich die CDU wieder auf ihre alten Werte besinne. Bei der Anti-Wolfs-Demo am Abend werde er den Aluhut absetzen und die AfD-Mütze aufsetzen, kündigte der Mann an. Miller brach seine Gegenkundgebung schließlich ab, will aber am Abend auf dem Arena-Parkplatz weitermachen.
Zu der Anti-Wolfs-Demo ab 19 Uhr auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz bei der Sparkassen-Arena haben der Friesische Verband für Naturschutz und die Vereinigung „Land schafft Verbindung“ aufgerufen. Rund 300 Traktoren machen sich am späten Nachmittag aus Richtung Leer, Pewsum und Wittmund auf den Weg nach Aurich. Rund um Aurich ist bis zum späten Abend mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Die AfD hatte bei den Organisatoren das Rederecht angefragt, war aber abgewiesen worden. Die Kundgebung sei unpolitisch, behauptete Organisator Dr. Hansjörg Heeren aus Ochtelbur. Auf der Rednerliste steht allerdings ein Mitglied der Bauern-Bürger-Bewegung (BBB) aus den Niederlanden: der Landwirt Eddie van Marum, seit Kurzem Abgeordneter im Regionalparlament der Provinz Groningen. Van Marum hatte kürzlich in einem Interview mit dem Fernsehsender Euronews der niederländischen Regierung vorgeworfen, mit ihrer Agrarpolitik Landwirte in den Selbstmord zu treiben.