Berlin Greta und die Klimakleber: Wer bewegt wirklich was?
Greta Thunberg beendet mit ihrem Abschluss das Kapitel der Schulstreiks; und Nancy Faeser beziffert die Straftaten der Letzten Generation. Zeit für einen Vergleich der sehr unterschiedlichen Klimaaktivisten.
Gerade hat Greta Thunberg ihren Schulstreik beendet. Natürlich nicht, weil sich die Sache erledigt hätte. Die 20-Jährige hat einfach nur ihren Schulabschluss gemacht – und muss jetzt etwas anders bestreiken als den Unterricht. An ihrem Freitagsprotest hält sie fest.
Kurz nachdem Thunberg das auf Twitter vermeldet, äußert sich Innenministerin Nancy Faeser zur Letzten Generation. Der Protestgruppe, teilt sie mit, werden inzwischen 580 Straftaten zur Last gelegt. In der medialen Aufmerksamkeit haben sie Thunbergs Fridays For Future damit fürs Erste abgehängt.
Ob das der Sache dient, ist allerdings fraglich. Nicht, weil mit der Letzten Generation nun eine „Klima-RAF“ am Werk wäre, wie CSU-Mann Alexander Dobrindt meint. Die Straftaten der Aktivisten ordnet die Innenministerin recht gelassen ein. Es gehe vor allem um Nötigungen und Sachbeschädigungen, sagt sie und betont den Unterschied zwischen Straftätern und Extremisten. Den Schaden sieht Faeser bei der Akzeptanz für den Klimaschutz.
Wie Recht sie hat, zeigt der Vergleich: Fridays For Future hat den Streit ums Klima an den Ort getragen, wo der Zusammenhalt am stärksten ist: in die Familien. Wem die eigenen Kinder ins Gewissen reden, der hört zu. Die Klimakleber erkaufen ihre Aufmerksamkeit mit Konfrontation: gegen die Autofahrer, gegen die Reichen und, warum auch immer, auch gegen die Kunst.
Das bringt Schlagzeilen – aber auch Abwehr, Lagerdenken und eine Polarisierung, die den Falschen nutzt. Was es nicht bringt, ist gesellschaftlicher Gemeinsinn. Genau den braucht es aber. Gerade dann, wenn all die Schrecken wahr werden, vor denen Fridays for Future und die Letzte Generation mit guten Argumenten warnen.