Himmelfahrtstag mit Folgen  Polizei ermittelt wegen fünfter Gewalttat am Emder Schwanenteich

| | 13.06.2023 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Schwanenteich-Gelände ist ein beliebter Treffpunkt. Meist geht es dort gesittet zu. An Vatertag aber eskalierte es bei einer Massenparty. Foto: Hanssen/Archiv
Das Schwanenteich-Gelände ist ein beliebter Treffpunkt. Meist geht es dort gesittet zu. An Vatertag aber eskalierte es bei einer Massenparty. Foto: Hanssen/Archiv
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Im Emder Schwanenteich-Park ging es am Himmelfahrtstag bis in die späten Stunden rund. Aktuell sucht die Polizei Zeugen für eine fünfte Gewalttat. Die Stadt hat mehrere Lösungsansätze.

Emden - Ein fünfter junger Mann hat sich in der vergangenen Woche bei der Polizeiinspektion Leer/Emden wegen einer Gewalttat gemeldet, die am Himmelfahrtstag am Schwanenteich-Park passiert sein soll. Dort hatte es private Partys mit Hunderten Beteiligten gegeben. Laut Polizei war der 27-jährige Emder wohl in den späteren Abendstunden auf dem Heimweg am Gelände vorbeigekommen und hatte dort eine Prügelei beobachtet. Als er schlichten wollte, wurde er am Kopf so schwer verletzt, dass er blutete.

Was und warum

Darum geht es: die Nachbeben einer großen Vatertagsparty am Schwanenteich

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie Gäste der Stadt, die sich gerne auf dem Wall und in der Parkanlage aufhalten

Deshalb berichten wir: Die Polizei hat am Freitag in ihren Pressemitteilung eine erneute Anzeige wegen Gewalt an Himmelfahrt am Schwanenteich veröffentlicht. Wir haben zu den Ermittlungen nachgehakt und bei der Stadt nach möglichen Lösungen gefragt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Es handelt sich bei den Tätern offenbar um eine Gruppe Jugendlicher, die jedoch nicht weiter beschrieben werden konnten. Allerdings: „In den bislang bekannten Fällen war von Betroffenen erwähnt worden, dass Aggressionen von einer Personengruppe ausgegangen seien. Da auch die Zeiten nicht weit auseinander liegen, liegt der Verdacht nahe, dass die Vorfälle zusammenhängen“, erklärt Polizeisprecherin Svenia Temmen auf Nachfrage. Bei den noch laufenden Ermittlungen würden die Taten erstmal zusammen betrachtet.

Hat die Polizei schon mit den Verdächtigen gesprochen?

Nein. „Befragungen von möglichen Tätern hat es noch nicht gegeben, die Ermittlungen laufen noch“, so Svenia Temmen. Die Polizeipressestelle hatte zuvor schon erklärt, dass es Routine sei, dass zunächst mit Opfern und Zeugen gesprochen werde, bevor Täter befragt werden. „Zu Vernehmungen von Zeugen und den laufenden Nachforschungen können wir derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Details herausgeben“, so Temmen.

Warum hat sich der Emder erst jetzt gemeldet?

Himmelfahrt ist schon fast einen Monat her. Warum sich der Geschädigte in der aktuellen Anzeige erst einige Wochen nach dem Vorfall gemeldet hat, könnten sie aber nicht beantworten, schreibt Svenia Temmen. Grundsätzlich sei das aber auch nicht entscheidend, weil Geschädigte beziehungsweise Opfer drei Monate lang Zeit hätten bei einem Antragsdelikt, wie eben der Körperverletzung, einen Strafantrag zu stellen.

Was passierte den anderen Opfern?

Ein 18-jähriger Emder wurde von zwei Tätern geschlagen und mit Pfefferspray eingesprüht. Ein 24-jähriger Emder wurde, während er mit einer anderen Person sprach, unvermittelt von einem jungen Mann mit einer Kopfnuss so schwer verletzt, dass er zu Boden ging und im Nachgang Erinnerungslücken hatte. Das Sprechen fiel ihm schwer. Ein 18-jähriger Emder wurde außerdem von einem unbekannten Täter mehrfach ins Gesicht geschlagen, am Boden liegend auch gegen den Kopf getreten. Er wurde aber laut Polizei nur leicht verletzt. Einem 28-jährigen Emder wurde die Hose runtergezogen und die entblößte Haut mit Reizgas eingesprüht.

Was sagt die Stadt Emden?

Stadtsprecher Eduard Dinkela erklärt in einer ausführlichen Antwort unter anderem: „Grundsätzlich dürfen sich natürlich auch Kinder und Jugendliche, aber auch junge Erwachsene, an frei zugänglichen Orten aufhalten und dort mit anderen zusammentreffen. Auch das Hören von Musik und der Genuss legaler Drogen sind im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen tolerabel. Schwierig wird es erst beim Bruch dieser gesetzlichen Bestimmungen und sobald andere Nutzer des freien Raums und auch Anlieger in ihrer eigenen freien Entfaltung eingeschränkt werden. Dies ist im Bereich des Schwanenteichs immer wieder der Fall, so auch regelmäßig am sogenannten Vatertag.“

Die City-Streife, also private Sicherheitsmitarbeiter, die normalerweise am Neuen Markt patrouillieren, sei auch an Himmelfahrt von der Stadt beauftragt worden. Diese könne aber nicht rund um die Uhr das gesamte Stadtgebiet abdecken; ebenso wie die Polizei und der Fachdienst öffentliche Sicherheit und Ordnung. „So war der genannte städtische Fachdienst im Laufe des Nachmittages vor Ort (direkt zuvor hatte bereits eine Polizeistreife das Gelände kontrolliert und zwei weitere Polizeibeamte im Hintergrund die Situation beobachtet)“, schreibt Dinkela. Viele Gruppen seien da schon im Park gewesen, hätten Musik gehört und seien „ausgelassen und freundlich“ gewesen. „Am Ende muss konstatiert werden, dass die Ordnungsbehörden die vielen (möglichen) Brennpunkte in der Stadt und den Randgebieten nur stichprobenartig kontrollieren können“, so der Sprecher.

Wie viel Müll wurde eingesammelt?

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bau- und Entsorgungsbetriebs (BEE) haben laut Dinkela nach dem Partytag 15 Müllsäcke mit einem Fassungsvermögen von jeweils 120 Litern eingesammelt. Die Stadtreinigung habe schon ab 7 Uhr mit dem Aufräumen gestartet. Zur Eindämmung dieses Aufwandes überlege der BEE, im nächsten Jahr einen großen Müllcontainer vor Ort aufzustellen, mit der Bitte an die Feiernden, ihren Müll hinein zu werfen beziehungsweise am Behälter abzustellen.

Wie will man Eskalationen in Zukunft verhindern?

Weil es schon seit längerem immer wieder Beschwerden von Anliegern gibt, ist die Stadt bereits länger an einer Lösung dran. Gemeinsam unter anderem mit der Polizei und Anwohnern hatte man Maßnahmen überlegt. Gespräche mit den Party-Gruppen waren noch angedacht, wurden jedoch im vergangenen Jahr „überflüssig, weil sich das ‚Problem’ zu diesem Zeitpunkt von selbst gelöst hatte und keine Meldungen bzw. Beschwerden mehr bei uns eingegangen sind“, so Dinkela.

Im Rahmen der Neugestaltung des Parks, wofür eine Million Euro eingesetzt werden soll, könnten auch folgende Fragen eine Rolle spielen: Wo werden Aufenthaltsräume auf dem Schwanenteichgelände positioniert? Sind Lärmschutzmaßnahmen zwischen Wohnbebauung und öffentlicher Fläche möglich? Wie werden Gestaltungselement und Möbel vor Vandalismus geschützt? Wo werden Mülleimer bereitgestellt?

In der Umsetzung seien schon drei Aspekte. So sollen Hinweisschilder mit dem Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme angebracht werden. Ordnungsrechtliche Maßnahmen im Umfeld des Schwanenteichs, insbesondere Kontrollen, ob Alkoholabgabe an Kiosken oder Supermärkten korrekt abläuft, seien möglich. Sozialarbeiter könnten die Gruppen aufsuchen, sowie Kontrollen durch die Stadt und die Polizei könnten erfolgen, bei denen unter Umständen auch Platzverweise ausgesprochen würden.

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