Geldinstitut schließt Filialen  Sparkassen-Vorstand – „Nicht jede Filiale ist systemrelevant“

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 14.06.2023 17:01 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Es wird künftig weniger Geldautomaten der Sparkasse Leer-Wittmund geben. Foto: Ortgies/Archiv
Es wird künftig weniger Geldautomaten der Sparkasse Leer-Wittmund geben. Foto: Ortgies/Archiv
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Sieben Filialen der Sparkasse Leer-Wittmund werden geschlossen. Der Vorstand erklärt, warum das betriebswirtschaftlich nicht anders geht und zeigt Lösungen auf.

Leer - Dass sie mit der Nachricht keinen Blumentopf gewinnen können, war Carsten Rinne und Ingo Fortkamp, den Vorständen der Sparkasse Leer-Wittmund, klar. Die beiden Sparkassen-Chefs haben am Dienstagabend angekündigt, dass weitere Filialen geschlossen werden – diesmal endgültig. Jemgum, Filsum, Blomberg, Neermoor, Völlenerfehn, Flachsmeer sowie Leer-Heisfelde sind von der Entwicklung betroffen. „Kritik ist willkommen. Es ist gut, wenn der Wind von vorn kommt. Wenn es niemanden interessieren würde, wäre es noch schlimmer“, sagt Rinne. Doch Fortkamp stellt auch klar: „Nicht jede Filiale ist systemrelevant.“ Im Gegensatz zur Winterruhe vor gut neun Monaten, als die Sparkasse vorübergehend Geschäftsstellen schloss, hat das Institut allerdings gelernt. Fortkamp und Rinne versicherten, vor der Bekanntgabe in der Presse, die verantwortlichen Bürgermeister und Ortsvorsteher über die Schritte informiert zu haben.

Es wird künftig weniger Geldautomaten der Sparkasse Leer-Wittmund geben. Foto: Ortgies/Archiv
Es wird künftig weniger Geldautomaten der Sparkasse Leer-Wittmund geben. Foto: Ortgies/Archiv

Außerdem hat sich die Sparkasse Gedanken gemacht, welche Lösungen es für die Kunden geben könnte. In Jemgum und Filsum wird zum Beispiel mit der Genossenschaftsbank vor Ort kooperiert. In Jemgum können Sparkassen-Kunden künftig beim Geldautomat der Ostfriesischen Volksbank im Edeka-Markt Blank Geld abholen. In Filsum wird eine Abhebung im Nachbarort Detern bei der Raiffeisen-Volksbank möglich sein. In Jemgum soll es zweimal in der Woche ein Serviceangebot der Sparkasse geben. Wo die Sparkassen-Mitarbeiter dann anzutreffen sind, sei noch Teil von Gesprächen, erklärte Jemgums Bürgermeister Hans-Peter Heikens. Die Sparkasse hatte das Amtshaus ins Gespräch gebracht, Heikens kann sich auch andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Rathaus oder das Müllerhaus in Ditzum vorstellen. Auch in Filsum soll es so ein Service-Angebot geben, doch dort sei man noch in Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung, so Ingo Fortkamp.

Wenig Hoffnung auf Kooperation bei Bankautomaten

Weniger Hoffnung gibt es für die Standorte Neermoor und Völlenerfehn. Die SB-Filialen werden geschlossen. Kunden müssen dann zur nächstgelegenen Sparkassen wechseln. In Neermoor habe man aus betriebswirtschaftlichen Gründen keine Einigung mit der Raiffeisenbank finden können. „Das können wir auch verstehen“, sagt Rinne. Eine Kooperation müsse für beide Seiten Sinn ergeben. In Völlenerfehn strebe man noch Koorperationsgespräche an, so Fortkamp. Funktionierende Vereinbarungen gibt es derweil in Blomberg und im Combi-Markt in Wittmund, dort wird man mit der RVB zusammenarbeiten.

Keine Hoffnung gibt es für die Filiale in Leer-Heisfelde. Der Standort war ohnehin nur geöffnet, für Beratung und Service nach einer Terminabsprache. Nun müssen die Heisfelder in die zwei Kilometer entfernte Hauptstelle in die Mühlenstraße. Geldabhebungen werden weiterhin im Multi-Nord möglich sein. „Dort werden wir einen zweiten Automaten installieren“, so Rinne.

Sparkasse Leer-Wittmund reduziert Automaten

Auch die Hauptstellen in Leer und Wittmund sowie die Standorte Esens und Borkum sind von Reduzierungen betroffen – allerdings lange nicht so massiv. In den Stellen werde nämlich jeweils ein Bankautomaten abgebaut. „Ein Automat kostet uns im Jahr rund 25.000 Euro“, rechnet Rinne vor. Das seien die laufenden Kosten. Ein Automat in einer SB-Filiale, wo auch noch Miete und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen nötig werden, würde bereits schon mit 50.000 Euro ins Gewicht fallen.

Geldabheben soll auf anderen Wegen möglich bleiben. Foto: Ortgies/Archiv
Geldabheben soll auf anderen Wegen möglich bleiben. Foto: Ortgies/Archiv

Das Finanzielle ist auch der Hauptgrund für die weitere Reduzierung des Filialnetzes. Es lohnt sich an einigen Stellen schlicht nicht mehr. Rinne rechnet vor: „In Völlenerfehn sind die Transaktionen in den vergangenen Jahren um 42 Prozent zurück gegangen“, sagt er. Dagegen stünden nötige Sicherheitsverbesserungen, die bis zu 50.000 Euro kosteten. Auch die Versicherungskosten und die Posten für die IT-Wartung stiegen stetig. „Das müssen wir betriebswirtschaftlich sehen“, sagt er. Zudem seien neueste Sicherheitsanalysen zur Erkenntnis gekommen, dass die Standorte Neermoor und Völlenerfehn zu Risikostandorten im Bezug auf nächtliche Sprengungen geworden seien. „Das war vor einigen Monaten noch anders“, so Fortkamp. Im Oktober hatte man die Filiale in Stapelmoor aus Sicherheitsgründen geschlossen. „Die Angriffe auf die Bankautomaten im Ems-Park und im Multi-Nord haben die Lage geändert“, sagt Fortkamp. Es sei sein stetiger Prozess.

Wann die Filialen geschlossen werden, sei noch nicht abschließend geklärt: „Es ist aber noch in diesem Jahr passieren“, so Fortkamp. Die Gebäude würden dann verkauft.

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