Einzelhandel in Emden Traditionsreiches Fachgeschäft startet in eine neue Zukunft
Der 250.000 Euro teure Umbau des Bettenhauses Barghoorn in Emden ist abgeschlossen. Zum Jahresende soll der nächste Schritt für die Neuaufstellung folgen.
Emden - Der erste Schritt in eine neue Zukunft ist gemacht: Nach dem etwa zwei Monate dauernden Umbau wird das traditionsreiche Bettenhaus Barghoorn in der Emder Innenstadt an diesem Sonnabend offiziell wiedereröffnet. Rund 250.000 Euro haben die beiden Inhaber Dirk und Peter Barghoorn in die Modernisierung investiert, um den Fortbestand des in der gesamten Region bekannten Fachgeschäftes an der Boltentorstraße zu sichern.
Was und warum
Darum geht es: Ein inhabergeführtes und alteingesessenes Einzelhandelsgeschäft in Emden stellt sich neu auf.
Vor allem interessant für: alle, die in Emden einkaufen, und diejenige, die sich für Nachfolgeregelungen von Einzelhandelsunternehmen interessieren
Deshalb berichten wir: Nach einem zwei Monate langen Umbau wird das Betten- und Wäschehaus Barghoorn am Sonnabend offiziell wieder eröffnet. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Zum Ende dieses Jahres wollen sich die beiden 64 und 65 Jahre alten Cousins selbst aus dem Tagesgeschäft zurückziehen und nur noch als Gesellschafter der als Gebr. Barghoorn GmbH geführten Firma im Hintergrund aktiv bleiben. Nach jahrelangen Überlegungen fanden sie eine Lösung, wie das Unternehmen mit seiner länger als 180 Jahre langen Geschichte erhalten bleiben kann.
Mitarbeiter-Trio übernimmt die Geschäftsführung
Die beiden Vettern hatten in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre die Nachfolge ihrer Väter angetreten. Die Aufgabe des Geschäftes war für beide am Ende keine Option. In ihren eigenen Familien waren aber keine Nachfolgerinnen oder Nachfolger in Sicht.
Die Geschäftsführung werden Dirk und Peter Barghoorn zum Ende dieses Jahres in die Hände von drei ihrer insgesamt sieben langjährigen Mitarbeitenden legen, deren Namen sie aber noch nicht preisgeben möchten. Diesem Trio haben sie jetzt sozusagen das Feld bestellt.
Weitere Spezialisierung auf Kerngeschäfte
Mit der Modernisierung ist auch eine weitere Spezialisierung des Sortiments und der Dienstleistungen verbunden. Das Fachgeschäft konzentriert sich künftig auf Bereiche, die Beratung und Service erfordern. Damit wollen die Inhaber auch auf den wachsenden Online-Handel und weitere Veränderungen des Marktes reagieren. „Wir machen das, was wir gut können“, sagt Peter Barghoorn zur neuen Ausrichtung.
Schwerpunkt ist der Bettenbereich, der vom Lattenrost über die Matratze bis hin zu kompletten Bettensystemen reicht. Dazu gehört auch die Befüllung und die Reinigung von Bettdecken und Kissen in der eigenen Manufaktur. Sie ist vom ersten Obergeschoss in den Keller verlegt worden, bleibt aber für Kundinnen und Kunden vom Erdgeschoss aus über eine Treppe zugänglich.
Verkauft wird nur noch im Erdgeschoss
Hinzu kommen Abteilungen für Damenwäsche, Miederwaren und Frottierwäsche. Hingegen gehören Unter- und Nachtwäsche für Herren, Strümpfe und Tischwäsche nicht mehr zum Sortiment. „Solche Sachen kann man auch abends bequem vom Sofa aus per Knopfdruck im Internet bestellen“, sagt Dirk Barghoorn. Zudem käme die Kundschaft gezielt mit bestimmten Wünschen ins Geschäft. Spontane Einkäufe seien eher selten, zumal das Geschäft sich in Randlage der Fußgängerzonen befindet.
Die bisherige Verkaufsfläche im ersten Obergeschoss, die über eine Treppe erreichbar war, haben die Barghoorns ganz aufgegeben. Der Verkauf läuft jetzt nur noch im ebenerdigen Erdgeschoss auf rund 500 Quadratmetern. Es ist komplett neu eingerichtet worden, präsentiert sich jetzt modern in hellen und grauen Farbtönen.
Umbau blieb im Zeitplan und im Kostenrahmen
Der Umbau, den überwiegend Emder Handwerksunternehmen ausführten, sei planmäßig verlaufen und im Kostenrahmen geblieben, sagt Dirk Barghoorn. Der Zeitplan sei nur um einige Tage überschritten worden. Lieferengpässe habe es nicht gegeben. Während der gesamten Bauzeit lief der Verkauf weiter. Das sei zeitweise mit Einschränkungen für die Kunden und Unannehmlichkeiten für das Personal verbunden gewesen. „Unseren Mitarbeitern können wir es gar nicht hoch genug anrechnen, das alles mitgemacht zu haben“, so die Inhaber.
Um eine fachkundige Beratung mit entsprechender Personalstärke stets gewährleisten zu können, hat das Bettenhaus seine Öffnungszeiten leicht reduziert. Das Geschäft bleibt künftig montags geschlossen, aber an allen anderen Tagen zu den gewohnten Zeiten geöffnet.
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Die Firma wurde 1835 an ihrem jetzigen Standort als Blaufärberei gegründet. Dirk und Peter Barghoorn führen sie in fünfter Familiengeneration.