Jugendhilfe in Ostfriesland  Beim Kinderschutz wird es für Landkreise langsam eng

| | 15.06.2023 18:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ist das Kindeswohl gefährdet, müssen die Behörden eingreifen. Foto: Armer/DPA
Ist das Kindeswohl gefährdet, müssen die Behörden eingreifen. Foto: Armer/DPA
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Bei Gefährdung des Kindeswohls müssen Behörden reagieren. Notwendig sind dann freie Plätze, wo die Kinder untergebracht werden können. Und diese werden knapp.

Ostfriesland/Osnabrück - Die Jugendhilfe gerät beim Kinderschutz an ihre Grenzen – insbesondere bei der Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen. Hier geht es um Fälle, bei denen die zuständigen Jugendämter Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung haben und als vorläufige Schutzmaßnahme die Betroffenen aus ihrem Umfeld herausgeholt und woanders untergebracht werden. Erst kürzlich hat das Jugendamt in Osnabrück einem Medienbericht zufolge die rote Flagge gehisst und öffentlich bekannt, dass es den Kinderschutz in manchen Fällen nicht mehr gewährleisten könne. Der Grund: Die Inobhutnahmestellen der Stadt seien hoffnungslos überfüllt, die Mitarbeiter könnten nicht mehr reagieren.

Auch in Ostfriesland ist die Lage beim Kinderschutz teils angespannt, wie Anfragen unserer Redaktion ergeben haben. So mussten in einem „Extremfall“ dem Landkreis Leer zugewiesene unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eine Zeit lang mit ambulanter Betreuung in einer Jugendherberge untergebracht werden. Zum Teil hätten auch Wohngruppen aushelfen können, berichtet ein Sprecher der Kreisverwaltung.

Plätze gibt es auch bei freien Trägern

Dem Amt für Kinder, Jugend und Familie des Landkreises stünden zwar zwei pauschal finanzierte Inobhutnahmeplätze für Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren zur Verfügung, diese seien jedoch häufig zu lange belegt. Darüber hinaus seien vier kurzzeitige Kriseninterventionsplätze bei Pflegefamilien zur Unterbringung von unter 15-Jährigen vorhanden. Seien diese belegt, bleibe noch die Möglichkeit, in Leer und der Umgebung bei anderen Einrichtungen nach freien Plätzen für die Inobhutnahme zu fragen.

Darauf verweist auch die Emder Stadtverwaltung, die der Auskunft eines Sprechers zufolge bislang ihre Inobhutnahmen noch alle unterbringen konnte, wenn auch oft nur mit erheblichem Zeitaufwand der Mitarbeiter. Für die Unterbringung von Kindern unter zwölf Jahren stünden bei der Stadt fünf Plätze in Bereitschaftspflegestellen bereit, die allerdings zurzeit alle belegt seien. Für alle anderen Inobhutnahmen werde auf stationäre Angebote freier Träger zurückgegriffen.

Von einer Unterversorgung mit Plätzen bei freien Trägern spricht auch die Kreisverwaltung in Wittmund. Sofern es aus Sicht des Kindeswohls geboten sei, würden dennoch alle Inobhutnahmen durchgeführt. Primär greife der Landkreis dabei auf ein Netzwerk von 30 Bereitschaftspflegefamilien zurück, da diese Form der Unterbringung familienähnlicher sei.

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