Zoll warnt vor Drogenhandel Hier ist einer von Emdens wohl schlimmsten Partymüll-Orten
Am Wochenende hat der Emder Alfred Kieselbach wieder Müll vom Wasser aus gesammelt. An einem Ort war es besonders dreckig. Der Zoll und auch die Kirche warnen.
Emden - An diesem Sonntagabend war bei der Martin-Luther-Kirche in Emden noch einiges los: Wartende standen in Reih und Glied vor dem Eingang und freuten sich auf einen Konzertabend von dem Chor „Joyful Spirit“. Dafür ist die Kulturkirche bekannt: neben den Gottesdiensten auch für Veranstaltungen. In letzter Zeit rückt die stadtbildprägende Kirche aber auch wegen etwas sehr Negativem in den Fokus: Zwischen der Rückseite des Gotteshauses und dem Alten Graben ist ein kleiner Park. Dort treffen sich Partyfreudige regelmäßig.
Was und warum
Darum geht es: die Rücksichtslosigkeit mancher Leute im Umgang mit ihrem Müll
Vor allem interessant für: Leute, denen die Müllhalde bei der Kirche schon aufgefallen ist sowie Umweltinteressierte
Deshalb berichten wir: Alfred Kieselbach hatte bei Facebook von einer erneuten Müllsammelaktion berichtet. Wir haben uns weiter umgehört. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Doch diese trinken dort auf der öffentlich zugänglichen Fläche idyllisch am Wasser gelegen nicht einfach friedlich ihr Bierchen und ziehen dann, mit dem Müll im Gepäck, wieder von dannen. Nein, der Müll landet überall: in den Büschen, auf dem Bootsteg, im Wasser. Bei den letzten Gewässer-Cleanups, die unter anderem von Alfred Kieselbach und Ingo Weber organisiert wurden, war der Ort als einer der am meisten vermüllten an Emder Wasserwegen genannt worden. Und damit nicht genug.
Drogenhandel in erheblichem Maße
Kieselbach bemerkte an diesem Sonntag auf seiner Facebook-Seite nach einer erneuten Müllsammeltour: „Mittlerweile sind auch die Fenster beschmiert.“ Dazu hat er Fotos von der Rückseite des Gemeindezentrums gepostet, dessen Fenster mit Graffitis besprüht sind. „Feuerstelle gibt’s auch mitten im Gehölz“, schreibt Kieselbach. Pastor Christoph Jebens kennt das Problem nur zu gut. Der viele Müll habe auch schon eine regelrechte Rattenplage verursacht. Fast jede Nacht seien Leute in dem Bereich.
Weil immer häufiger auch Feuer gemacht werde, sorge er sich um die großen Bäume, die ringsumher stehen. „Es könnte dort brennen, das ist richtig gefährlich.“ Der Zoll habe die Kirche auch schon darauf angesprochen, dass dort Drogenhandel in „erheblichem“ Maße vonstatten gehe. „Alle fragen, warum die Kirche nicht aufräumt“, sagt er. Doch: Die Kirche ist nicht zuständig. Seit dem Bau des Gotteshauses 1958 befindet sich zwischen den Gebäuden und dem Graben der öffentliche Weg, der von der Neutorstraße durch den Bogen des Turms bis zur Parkanlage an der Bollwerkstraße führt. Zuständig ist also die Stadt. Der Weg sei aber seit Jahrzehnten „grob vernachlässigt“.
Stadt will auf Förderung „Grünes Band“ warten
Eigentlich hatte die Stadt schon vor knapp einem Jahrzehnt zugesagt, Hand anzulegen, sagt der Pastor. Damals hatte die Kirchengemeinde ein altes Gebäude neben der Kirche an der Bollwerkstraße gekauft, abgerissen und dort das Gemeindezentrum neu gebaut. Die Äußerung des damaligen Stadtbaurats sei gewesen, dass die Stadt nachziehen wolle, wenn die Gemeinde dort investiert. Seitdem aber sei nichts passiert.
Sie hätten das Problem immer wieder angesprochen, bis Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) im vergangenen Jahr an einer Kirchenvorstandssitzung teilgenommen habe. Dort habe er erklärt, dass man den Bereich gerne im Rahmen des Förderprogramms „Zukunft Stadtgrün: Grünes Band“ herrichten wolle. Dieses wird jeweils zu einem Drittel von Bund, Land und Stadt finanziert. Der momentan eher als stark zugewachsener Trampelpfad zu bezeichnende Uferweg soll revitalisiert werden. Wann ist aber noch unklar. „Unser große Bitte ist es, dass erst einmal regelmäßig der Müll entfernt und der Weg freigeschnitten wird“, sagt Pastor Jebens. Diese „schlichten Pflegemaßnahmen“ seien doch sicher schon vor dem großen Sanierungsprogramm möglich, hofft er.
Wir haben bei der Stadt nach dem aktuellen Stand der Planung für den Bereich gefragt und warten noch auf Antworten. Mit dem Förderprogramm „Grünes Band“ waren schon zahlreiche Maßnahmen in Emden umgesetzt worden. Der Mühlenspielplatz und die Sportanlage am Wall waren entstanden. Ende 2021 war aus dem Fördertopf schon der südliche Park des Stephansplatzes saniert worden. Als nächstes ist unter anderem eine Kunstpromenade geplant, die vom Bahnhof Richtung Kunsthalle am Wasser entlang führt. Der Schwanenteich-Park soll aufgehübscht werden. Das wird das bislang teuerste Projekt und soll rund eine Millionen Euro kosten.