Osnabrück  Abtreibungen in den USA: Ein Flickenteppich, der für viele Frauen zur Gefahr wird

Jule Rumpker
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Von Jule Rumpker
| 21.06.2023 17:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Immer wieder gibt es Demonstrationen für das Recht auf Abtreibung in den USA. Hier in Kalifornien. Foto: dpa/Pat Mazzera
Immer wieder gibt es Demonstrationen für das Recht auf Abtreibung in den USA. Hier in Kalifornien. Foto: dpa/Pat Mazzera
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Vor einem Jahr wurde das Recht auf Abtreibung in den USA eingeschränkt – und damit das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung. Eine fatale Entscheidung.

Fast 50 Jahre lang hatten Frauen in den USA das Recht, eine ungewollte Schwangerschaft bis zur 24. Woche abzubrechen. Vor rund einem Jahr, am 24. Juni 2022, wurde einem Großteil der Frauen dieses Recht genommen. Der Supreme Court hat entschieden, dass die einzelnen Bundesstaaten eigene Regeln aufstellen dürfen. Die zwangsläufige Folge ist nicht nur ein Flickenteppich. Für Frauen bedeutet das Urteil vielerorts das Ende der Selbstbestimmung. Inzwischen ist ein Schwangerschaftsabbruch in 14 von 50 Staaten nahezu unmöglich.

Hart trifft es vor allem Frauen in prekären Lebensverhältnissen. Denn wie so häufig spielt auch hier Geld eine entscheidende Rolle. Wer genug davon hat, kann für eine Abtreibung unter Umständen in weit entfernte, liberale Bundesstaaten reisen. Wer nicht genug Geld hat, begibt sich möglicherweise in Lebensgefahr, weil Abtreibungen im Verborgenen nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden. Nach Daten des Gender Equity Policy Institute sterben Mütter in abtreibungsfeindlichen Bundesstaaten außerdem während oder nach der Schwangerschaft mehr als doppelt so oft an schwangerschaftsbedingten Komplikationen.

Nicht weniger problematisch ist die Entscheidung für die Ärzte: Erst im Mai ist eine Geldstrafe gegen eine bekannte Abtreibungsärztin aus den USA verhängt worden, die einen Schwangerschaftsabbruch bei einem zehnjährigen Vergewaltigungsopfer öffentlich gemacht hatte. 

Dabei ist der Wille der Bevölkerung eigentlich ein anderer: In einer Studie gaben 2022 mehr als 60 Prozent der US-Bürger an, Abtreibungen sollten legal sein. Wem also soll die Entscheidung dienen?

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