Gesellschaftswandel  Nach dem Blutspenden gibt es auch eine Stärkung für Vegetarier

| | 23.06.2023 11:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei den Blutspenden werden in Ostfriesland nicht mehr nur Schnitzel und Co angeboten. Foto: Ortgies/Archiv
Bei den Blutspenden werden in Ostfriesland nicht mehr nur Schnitzel und Co angeboten. Foto: Ortgies/Archiv
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Bei vielen hält sich noch der Irrglaube, dass Vegetarier kein Blutspenden dürfen, weil sie nicht genug Eisen aufnehmen. Das stimmt nicht.

Ostfriesland - Wer schon einmal beim Blutspenden war, weiß: Danach gibt es zur Stärkung etwas Leckeres. Weil sich aber die Ernährungsweise vieler Menschen mittlerweile geändert hat, werden auch die ehrenamtlichen Catering-Teams bei den Terminen immer kreativer. Klar ist: Schon seit längerer Zeit werde auf jedem Blutspendetermin auch eine Verpflegungsvariation für die Vegetarier angeboten, erklärt Wilfried de Buhr, Gebietsreferent vom Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), auf Nachfrage.

Eine Alternative zu fleischhaltigen Stärkungen anzubieten, sei mittlerweile wichtig. Bereits zwei Jahre vor der Pandemie sei man für dieses Thema sensibilisiert worden. Damals seien immer wieder Spender an sie und die Partnerorganisationen herangetreten und hätten beklagt, dass für sie auf den Terminen keine entsprechende Verpflegung bereitgehalten werde, so de Buhr. Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als zehn Prozent der regelmäßig an den Terminen teilnehmenden Spenderinnen und Spender ernährten sich inzwischen vegetarisch, sagt er. Auch würden viele, die generell Fleisch aßen, gerne mal etwas anderes ausprobieren oder sich flexitarisch ernähren.

Veganer oder Allergiker können besser vorher nachfragen

„Leider ist es für die Partnerorganisationen, die sich selbstlos und ehrenamtlich um die Verpflegung der Spender auf den Terminen kümmern, nicht immer möglich, auch andere Ernährungsweisen wie zum Beispiel Veganer oder aber auch Spender mit zum Beispiel einer Laktoseintoleranz, zufrieden zu stellen“, erklärt de Buhr. Da man auf den Spendeterminen nicht kalkulieren könne, in welcher Anzahl diese Spendergruppen kämen, sei es kaum vorhersehbar, in welcher Menge diese Verpflegung dann bereitgehalten werden müsse.

„Hat man zu wenig, ist es genauso unglücklich, als wenn man nach Terminende zu viel übrig hat“, erklärt er. Daher freue es die Partnerorganisationen immer sehr, wenn Spender, die sich vegan ernähren oder Allergien haben, sich im Vorfeld kurz zu Wort melden, und ihren Anspruch geltend machen.

Andere Ernährungsweisen sind noch schwierig

Auf die Frage hin, wie man darauf reagieren wolle, dass immer mehr Menschen Unverträglichkeiten, Allergien und besondere Ernährungsweisen hätten, teilt der Gebietsreferent mit: „Zukünftig müssen wir uns der Herausforderung stellen, den Großteil unserer Spender mit ernährungsgerechter Verpflegung zu bedienen.“ Leicht werde dieses nicht, insbesondere, da es schon jetzt immer weniger Ehrenamtliche gebe, die das Catering betreuten. Bei einigen Terminen sei es auch jetzt nach der Pandemie noch so, dass Spender Lunchpakete statt einem Essen vor Ort geboten bekommen. Auch hier gebe es immer eine vegetarische Alternative.

„Eine Patentlösung für flexiblere Essensangebote wird es nicht geben, da zum jetzigen Zeitpunkt keiner abschätzen kann, in welche Richtung die Ernährung in unserem Land langfristig gehen wird“, so de Buhr. Klar sei für ihn: „Unsere Spender kommen in erster Linie nicht, weil es finanzielle Mittel, Goodies oder Anreize geben könnte. Das beinhaltet dann auch die Verpflegung.“ Diese werde als körperliche Stärkung angenommen, und mittlerweile beobachtete sie auch wieder das soziale Miteinander der Spender vor Ort nach ihrer Spende beim Catering. Das sei den Spendern mittlerweile fast am Wichtigsten geworden – gerade nach drei harten Corona Jahren, in denen dieses nicht möglich war.

Auch Vegetarier und Veganer nehmen genug Eisen auf

Der Irrglaube hält sich auch heute zum Teil noch, dass Vegetarier und insbesondere Veganer wegen eines niedrigen Eisenwerts im Blut nicht Blutspenden sollten. Das stimmt nicht. Durch viele nicht-tierische Lebensmittel kann ausreichend Eisen aufgenommen werden. Der Blutspendedienst hat auf seiner Website eine praktische Gegenüberstellung von eisenhaltigen Lebensmitteln, die aus Tieren oder aus Pflanzen bestehen. Eine Kalbsleber beispielsweise enthalt 7,9 Milligramm Eisen pro 100 Gramm Leber, Sojabohnen enthalten 6,5 Milligramm Eisen. Getrocknete Erbsen enthalten demnach mehr Eisen als Rindfleisch und Haferflocken mehr als Geflügel.

Mit einer ausgewogenen vegetarischen oder veganen Ernährung also kann man ebenso gesunde Blutwerte, wenn nicht gar gesündere, haben als bei einer tierischen Ernährung. Und: Verzichtet man auf tierische Produkte, tut man auch noch etwas für das Klima. Insbesondere regionale und saisonale Pflanzenprodukte wie Haferflocken, Erbsen, Spinat, Möhren oder Bohnen, die alle viel Eisen enthalten, gilt als deutlich klimaschonender als etwa Fleisch, Kuhmilchprodukte oder Eier.

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