Streit um Grundstück Nach jahrelangem Tauziehen darf in Auricher Villengegend gebaut werden
Wenn einer ein Haus errichten will und der Nachbar dagegen ist, beginnt eine Machtprobe. An der Eschener Allee wurde die jetzt entschieden.
Aurich - Vorbildlicher kann eine Baustelle kaum sein: Die Straßenbäume an der Eschener Allee Nummer 3 in Aurich sind mit einem Schutzzaun ummantelt, um Stammverletzungen durch rangierende Fahrzeugen vorzubeugen. Ein großes Schild direkt am Eingang warnt vor Gefahren, die auf Passanten zukommen können, wenn sie sich ohne Helm, festes Schuhwerk und andere Sicherheitsmaßnahmen dem im Entstehen begriffenen Gebäude nähern. Das obligatorische Bauschild mit Informationen über das Vorhaben darf natürlich auch nicht fehlen: Wer was in welchem Gewerk ausführt, kann jeder lesen.
Das mögen auch mehr Passanten machen, als dies gewöhnlich üblich ist. Der Hausbau war nämlich schon ein Zankapfel unter den Nachbarn, als noch kein einziger Stein aufgemauert war. Jahrelang schien infrage zu stehen, ob es überhaupt zu einer Ausführung kommt. Im Kern ging es darum, dass der Nachbar des Mehrparteienhauses wegen der für den Bau erforderlichen Grundwasserabsenkung eine Beschädigung seines denkmalgeschützten Hauses befürchtete. Durch diesen Eingriff in den Wasserhaushalt kann sich nämlich die Bodenbeschaffenheit so verändern, dass es unter Umständen zu Absenkungen von Wänden kommt. Das statische Gefüge des Hauses aus dem Jahr 1913 könnte aus der Balance geraten, so die Befürchtung. Ein Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht wurde eingeschaltet, der Landkreis Aurich über die Bedenken informiert. Das alles liegt zwei Jahre zurück.
Sorge um das eigene Haus
Die Redaktion hat im Sommer 2022 mit dem Bewohner des Denkmals gesprochen. Damals brachte er die Sorge um sein architektonisches Kleinod glaubhaft auf den Punkt: „Das geplante Bauwerk ist uns einfach zu riskant.“ Weil er verhindern wollte, dass sich direkt neben ihm jemand ansiedelt, hatte er das angrenzende Grundstück gepachtet. 2018 wollte eine Erbengemeinschaft das Areal dann veräußern. Die Wahl fiel auf Dr. Albrecht Kottmeyer, den jetzigen Bauherrn. Der ließ auf dem parkähnlichen Grundstück im Februar 2019 erstmal mindestens 20 Bäume fällen, was bei der Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba) und einigen anderen Aurichern einen Sturm der Entrüstung entfesselte. Dr. Albrecht Kottmeyer hatte also einiges an Widerstand auszuhalten.
Jetzt freue er sich, dass er vor einigen Monaten mit dem Bau habe beginnen können, sagte er im Gespräch mit der Redaktion. Fünf Wohnungen wolle er später anbieten. Wann die bezugsfertig seien, könne man in diesen unsicheren Zeiten mit Lieferengpässen von Baumaterialien und personellen Engpässen nicht voraussagen. Ihm sei auf jeden Fall daran gelegen, ein optisch ansprechendes Gebäude zu erreichen. Davon, wie das aussehen soll, künden die Zeichnungen der Vorder-, Seiten- und Rückansicht des Mehrparteienhauses, die auf dem Baustellenschild zu sehen sind. Mit seiner oval geschwungenen Freitreppe am Hauptportal und der harmonischen Fassadengliederung erinnert es ganz entfernt an klassizistische Guthäuser in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg. Er wolle nicht „diese Kästen“ errichten, die man vielerorts in Aurich sehe, sagte Dr. Albrecht Kottmeyer.