Bodo Janssen  Vor 25 Jahren wurde Emder Unternehmersohn entführt – und befreit

| | 26.06.2023 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Emder Bodo Janssen ist für seinen besonderen Führungsstil bekannt. Was viele nicht wissen: Vor 25 Jahren wurde er entführt. Foto: Archiv
Der Emder Bodo Janssen ist für seinen besonderen Führungsstil bekannt. Was viele nicht wissen: Vor 25 Jahren wurde er entführt. Foto: Archiv
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Der Emder Bodo Janssen ist heute vor allem für seinen besonderen Führungsstil und seine Bücher bekannt. Vor 25 Jahren erlebte er Unvorstellbares während einer achttägigen Geiselnahme.

Emden - Die Entführung des Emder Unternehmersohns Bodo Janssen geht im Juni vor 25 Jahren deutschlandweit durch die Presse. Während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Sinologie in Hamburg wird er 1998 acht Tage lang festgehalten, durchlebt Morddrohungen und Scheinhinrichtungen. Damals ist er 24, jobbt nebenbei als Model. Ein 33 Jahre alter Bekannter lockt ihn in eine unweit von Janssens eigenem Apartment gelegene Wohnung. Erst als er gefesselt und ihm ein Jutesack über den Kopf gezogen wird, wird ihm klar, dass irgendetwas schief läuft, sagt Bodo Janssen aktuell gegenüber dem NDR.

Was und warum

Darum geht es: die Entführung eines bekannten Emders

Vor allem interessant für: Menschen, die Bodo Janssen kennen oder sich allgemein für Kriminalgeschichten interessieren

Deshalb berichten wir: Viele verbinden mit Bodo Janssen den erfolgreichen Unternehmer und den Upstalsboom-Weg. Vor 25 Jahren erlebte der Emder Schreckliches - und schöpfte danach trotzdem wieder Kraft.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Ein unbekannter Mann hält ihm eine Pistole an den Kopf und drückt ab. Es ist keine Kugel im Lauf. Aber der Emder Student weiß jetzt mit Gewissheit: Es ist kein Scherz. Mehrere solcher Scheinhinrichtungen durchsteht er, während die Entführer zunächst von Janssens Eltern zehn Millionen D-Mark Lösegeld fordern. Doch so schnell können Werner und Gretchen Janssen nicht so viel Geld zusammenbekommen, sie wenden sich an die Polizei. Die Familie und die Kidnapper einigen sich in mehreren Telefonaten schließlich auf eine Summe von drei Millionen Mark für die Freilassung des Studenten.

Lange Haftstrafen für die Entführer

Nach zwei gescheiterten Geldübergabe in Kroatien, wo er mit seiner Privatmaschine nicht landen darf, gelingt es schließlich Bodo Janssens Vater, die vereinbarte Summe in Klagenfurt (Österreich) vor einer Gaststätte zu übergeben. Am Tag drauf schlagen die Beamten des Mobilen Einsatzkommandos im Versteck im Hamburger Stadtteil Rotherbaum zu. Sie befreien den Emder.

In Hamburg werden zwei Männer - unter anderem der Freund des Emders, Volker S. - festgenommen. Parallel werden in Österreich zwei Bosnier gestellt, die das Lösegeld am Samstag in Klagenfurt in der Nähe der slowenischen Grenze übernommen haben. Der Kopf der Bande - der Bosnier Kresimir G. - setzt sich schon am Samstag unmittelbar nach der Geldübergabe mit 500.000 Euro des Lösegelds ab. Er wird erst zwei Jahre später gefasst. Er muss sich vor einem kroatischen Gericht verantworten. Die anderen Männer bekommen in Deutschland Haftstrafen von sechs bis acht Jahren.

Weitere Krisen bleiben nicht aus

Janssen versucht jahrelang zunächst vor den schrecklichen Erlebnissen seiner Entführung wegzulaufen. Dann findet er Trost im Kloster. Das scheint ihm auch Kraft in den folgenden Krisen zu geben: 2007 kommt sein Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Bodo Janssen übernimmt die Geschäftsführung der Upstalsboom-Gruppe. Doch die Mitarbeiter scheinen nicht zufrieden mit dem neuen Chef. Eine Mitarbeiterbefragung 2010 bringt vernichtende Ergebnisse.

Seitdem hat Janssen seinen Führungsstil komplett umgekrempelt und den „Upstalsboom-Weg“ durch viele Besuche im Kloster und Gespräche mit Pater Anselm Grün und dem „Team Benedikt“ entwickelt, wie Bodo Janssen auf seiner Website schreibt. Ein großer Bestandteil dessen ist Freiheit. „Denn wir möchten, dass jeder bei seiner Arbeit die Freiheit hat, sich persönlich weiterzuentwickeln und sich für das einzusetzen, was ihm wichtig ist“, so der Emder. Soziales Engagement wird dort ebenfalls betont. Dazu gehört unter anderem der Bau von Schulen in Ruanda. „Auch der Ursprung vieler interner Projekte, wie der Aufstieg auf den Kilimandscharo mit den eigenen Auszubildenden, sind auf unsere Wertekultur zurückzuführen“, heißt es dort weiter. Mit der ganz neuen Arbeitsweise wird Janssen deutschlandweit bekannt, schreibt Bücher, hält Vorträge.

Krisen einen Sinn geben

Menschen, die schlimme Krisen durchstehen, rät der Emder auf Nachfrage dieser Zeitung: „Ich sollte mir nicht die Frage stellen, warum mir etwas Schlimmes passiert ist, sondern mir vielmehr die Frage stellen, welchen Sinn ich diesem schlechten Ereignis geben kann. Nicht jede Krise hat einen Sinn, aber wir können jeder Krise einen Sinn geben.“

Die Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH & Co. KG ist nach Auskunft des Unternehmens mittlerweile einer der führenden Ferienanbieter an der Nord- und Ostsee. Rund 70 Hotels und Ferienwohnanlagen gibt es an 18 Standorten entlang der deutschen Küste. Rund 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt es.

Mit Material von dpa

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