Ostfriesland  Kontroverse Debatte im Ausland: Muss man Kühe für den Klimaschutz töten?

| | 29.06.2023 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im Visier des Klimaschutzes: eine Milchkuh. Foto: dpa/Pleul
Im Visier des Klimaschutzes: eine Milchkuh. Foto: dpa/Pleul
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Für den Klimaschutz sollen in den Niederlanden Landwirte ihre Vieh-Betriebe aufgeben; in Irland und Frankreich wird sogar über die Tötung von Rindern diskutiert. Deutsche Landwirte sind erbost.

„Grünlandbewirtschaftung in Ostfriesland funktioniert nur mit Rindern. Ich kann mir unsere Landwirtschaft ohne Kühe nicht vorstellen“, sagte Heinz-Hermann Hertz-Kleptow, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) für Ostfriesland, im Gespräch mit der Redaktion. Er bezeichnete die Debatte über die Klimabelastung durch Rinder als unnötig. Aus zwei Gründen: „Die ostfriesische Landwirtschaft besteht zu 40 Prozent aus Ackerland und zu 60 Prozent aus Grünland“, sagte der LHV-Geschäftsführer. „Wir haben für das Grünland überhaupt keine Nutzungsalternative als die Verwertung von Gras durch die Rinder.“

Der Boden könne dann gar nicht mehr genutzt werden. Das gelte besonders für die Moorregionen. Sein zweites Argument: Die Viehhaltung würde in Ostfriesland ohnehin schon jährlich um zwei bis vier Prozent zurückgehen. 2020 seien in Ostfriesland 315.000 Rinder gezählt worden, davon 149.000 Milchkühe – mit insgesamt 1540 Betrieben. Tendenz sinkend.

Den Niederländern hingegen geht das „normale“ Höfesterben nicht schnell genug. Umwelt- und Stickstoffministerin Christianne van der Wal will mindestens 3000 Bauernhöfe schließen. Sie bietet den Bauern Abfindungen von mindestens 100 Prozent und maximal 120 Prozent des Marktwertes ihrer Betriebe an, wenn sie die Viehzucht oder die Milchproduktion beenden.

Noch drastischer wird die Viehzucht in Irland diskutiert. Um die Klimaziele des EU-Mitglieds zu erreichen, könnten – so lautet ein interner Vorschlag aus dem Landwirtschaftsministerium – in den nächsten drei Jahren fast 200.000 Kühe getötet werden.

Dass auch in Irland etwas geschehen muss, ist klar. Erst vor kurzem hatte die Umweltbehörde EPA mitgeteilt, das Land werde seine Klimaziele voraussichtlich deutlich verfehlen. Eines dieser Ziele besagt, dass allein die Emissionen des Agrarsektors bis 2030 um vier bis 20 Prozent sinken sollten. Insgesamt will Irland im Rahmen der EU-Verordnung zur Lastenteilung die Emissionen um 30 Prozent im Vergleich zu 2005 senken.

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Die Zeitung „Irish Independent“ hatte dazu kürzlich ein internes Papier veröffentlicht. „Ungefähr 65.000 Milchkühe pro Jahr müssten 2023, 2024 und 2025 aus dem Markt genommen werden“, heißt es darin. Die Lösung laute Keulung. Laut Ministerium müssten demnach in den kommenden Jahren „zehn Prozent des Viehbestands durch andere Aktivitäten ersetzt“ werden. Das wären 740.000 Tiere.

Irland ist nicht das einzige Land, das über Kühe diskutiert. Kürzlich mahnte der französische Rechnungshof eine Strategie zur Verringerung des Rinderbestands an. Demnach ist die Rinderhaltung für 11,8 Prozent des Treibhausgasausstoßes in Frankreich verantwortlich – vergleichbar mit den Emissionen der Wohngebäude.

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„Für Deutschland ist das weder angedacht, noch wird darüber diskutiert“, sagte hingegen ein Sprecher des Bundesagrarministeriums. Wie der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter mitteilte, schrumpft der Bestand an Milchkühen ohnehin drastisch. 2022 sollen es 4,3 Millionen gewesen sein, jetzt noch 3,7 Millionen – 600.000 weniger.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ostfriesen-Zeitung in Leer.

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