Nachwuchsprobleme in Ostfriesland Arbeit der Verkehrswachten in Gefahr
Nachwuchsprobleme plagen die Verkehrswachten in Ostfriesland. In Wittmund wurde deren Auflösung gerade noch abgewendet. In Leer steht der Schulverkehrsgarten vor dem Aus.
Ostfriesland - Sie bringen Kindern sicheres Radfahren im Straßenverkehr bei und nehmen Prüfungen ab. Sie statten Erstklässler mit Helmen und Warnwesten aus. Sie bieten Fahrsicherheitstrainings für ältere Autofahrer und Pedelec-Biker an. Sie nehmen auf Landkreis-Ebene an Beratungen über Verkehrssituationen und Unfallschwerpunkten teil – und das alles ehrenamtlich und finanziert von Sponsoren. Doch die Verkehrswachten überaltern. Nachwuchs fehlt. Einige – wie beispielsweise die Verkehrswacht Rhauderfehn – haben sich bereits vor Jahren aufgelöst, andere stehen kurz davor.
Vier von fünf Vorstandsposten waren in Wittmund vakant
Ganz knapp die Kuh vom Eis gebracht hat noch mal die Verkehrswacht Wittmund. Lange sah es so aus, als könnte der Vorstand nicht neu besetzt werden, die Auflösung stand im Raum. Lediglich ein Vorstandsmitglied wollte sein Amt weiter ausüben, die anderen vier Ämter standen zur Disposition, unter anderem das des ersten Vorsitzenden. „Ich bin jetzt 73 Jahre alt, und es wird Zeit, die Aufgaben in jüngere Hände zu übergeben“, sagt der Noch-Vorsitzende Klaus Wilbers.
Nach langen Gesprächen ist es ihm nun gelungen, drei der vier Posten neu zu besetzen. „Offiziell ist das alles noch nicht, denn wir müssen den neuen Vorstand erst noch auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wählen. Aber ich habe eine Zusage von Sascha Nowak von der Polizei Wittmund, dass er mein Amt übernimmt“, sagt Klaus Wilbers. Lediglich hinter der Position des Geschäftsführers stehe noch ein kleines Fragezeichen.
Wittmunds Verkehrswacht-Vorsitzender Klaus Wilbers: „Behördenmitarbeiter in die Pflicht nehmen“
Dem neuen Vorstand will Wilbers zunächst noch beratend zur Seite stehen. Ein Herzensanliegen ist ihm die Betreuung der Elternlotsen an den vier Grundschulen. „Die stehen bei Wind und Wetter jeden Morgen an den Hauptstraßen und sorgen dafür, dass die Kinder sicher zur Schule kommen“, bewundert er deren Engagement. Seit 1994 gibt es in Wittmund den Elternlotsendienst. „Wir haben mehr als 75 Elternlotsen ausgerüstet und betreut. Ich möchte, dass das fortgeführt wird.“ Doch die 35 Mitglieder, die die Verkehrswacht Wittmund derzeit hat – das Durchschnittsalter beträgt 72,5 Jahre – können die vielfältigen Aufgaben auf Dauer alleine nicht bewältigen.
Für Wilbers gibt es nur noch eine Möglichkeit: „Wir müssen die Behörden mehr einbinden. Beschäftigte müssen von Amts wegen verpflichtet werden, sich an der Arbeit der Verkehrswacht zu beteiligen“, fordert er.
Leeraner Verkehrswacht-Vorsitzender Hans-Günter Jelting: „Helfende Hände zu finden ist schon schwer genug“
Vor etwa acht Jahren hat sich die Verkehrswacht Rhauderfehn aufgelöst. Deren Mitglieder haben sich der Organisation in Leer angeschlossen. „Das Sterben der Verkehrswachten betrifft nicht nur unsere Region. Im Raum Osnabrück haben sich gerade drei Wachten aufgelöst“, sagt Hans-Günter Jelting, Vorsitzender der VW Leer. Deren Vorstand steht erst mal für die nächsten zwei Jahre. „Aber dann werden auch einige Ältere ihre Ämter aufgeben“, sagt Jelting.
Aber nicht nur die Neubesetzung von Positionen sei eine Herausforderung. „Helfende Hände zu finden, ist schon schwer genug.“
Auf der Suche nach Nachwuchskräften hatte sich die Verkehrswacht im März mit einem Stand an der Ehrenamtsmesse in Leer beteiligt. „Viele sagten, dass sie unsere Arbeit toll finden, aber beitreten wollen sie dann doch nicht. Über der Ehrenamtsmesse ist lediglich ein einziger Kontakt zustande gekommen“, bedauert Jelting.
Schulverkehrsgarten in Leer verfällt - baulich wie personell
Aktuell fürchtet er um die Jugendverkehrsschule. Generationen von Leeraner Grundschülern sind in dem „Schulverkehrsgarten“ auf dem Nessegelände für den Straßenverkehr fit gemacht worden. Sie lernten – zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit dem Gokart – Verkehrsschilder und Ampeln zu beachten, Vorfahrt zu gewähren oder Fußgänger über Zebrastreifen gehen zu lassen. Doch der Platz verfällt zusehends.
„Zum einen stehen wir wegen des baufälligen Gebäudes dort mit dem Bürgermeister im Gespräch. Zum anderen suchen wir händeringend nach einem Betreuer für die Anlage, der handwerklich geschickt ist, kleinere Reparaturen an den Fahrzeugen vornehmen kann und den Platz in Schuss hält“, sagt Jelting. Viel Hoffnung, so jemanden zu finden, hat er allerdings nicht.