Hamburg Umweltbilanz des Nabu: Das sind saubersten und dreckigsten Kreuzfahrt-Reedereien
Der Naturschutzbund Nabu hat zum elften Mal sein Kreuzfahrtranking vorgelegt. Das Ergebnis: Zwar tun die Reedereien etwas für den Umweltschutz, allerdings zu zögerlich und langsam.
Starke Luftverschmutzung, steigende Treibhausgasemissionen und giftiges Schweröl als Sprit: Trotz aller Bemühungen ist die Kreuzfahrtbranche von einem klimafreundlichen Betrieb noch weit entfernt. Das geht aus dem 11. Kreuzfahrtranking hervor, das der Naturschutzbund Nabu am Mittwoch in Hamburg vorgestellt hat.
Es gebe zwar erste Ankündigungen, die einen klimaneutralen Betrieb versprechen, mit neun von 14 möglichen Punkten seien jedoch selbst die Spitzenreiter im Ranking deutlich von einer „Kreuzfahrt mit gutem Gewissen“ entfernt, kritisiert der Nabu.
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Der Naturschutzbund nahm für sein Umweltranking 2023 insgesamt 13 Anbieter von Kreuzfahrtreisen unter die Lupe und befragte sie zum Thema Klima- und Umweltschutz. Die Ergebnisse: größtenteils unbefriedigend. „Die meisten Schiffe fahren immer noch mit Schweröl und alle Schiffe beruhen immer noch komplett auf fossilen Treibstoffen“, kritisierte Nabu-Kreuzfahrtexperte Sönke Diesener.
Es sei sehr zu begrüßen, dass die ersten endlich einen Weg in Richtung Klimaneutralität gefunden haben, doch bislang handele es sich überwiegend nur um Pilotprojekte.
Die „Sieger“ des Rankings sind demnach die norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten auf den Plätzen eins und zwei. „Diese haben zum einen kleinere Schiffe als die meisten anderen“, erklärte Diesener. Zum anderen mache die norwegische Regierung schon seit 2007 strikte Vorgaben zur Begrenzung der Stickoxide. Die deutschen Reedereien Aida Cruises, TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises belegen die Plätze drei, fünf und neun. Auf den letzten Plätzen landeten die Reedereien Marella und Carnival. Das Ranking beruhe auf den Angaben der Reedereien, sagte Diesener.
Der Nabu fordert die Branche auf, schon kurzfristig die Emissionen drastisch zu senken, um ihren Anteil zum Erreichen der Pariser Klimaziele zu leisten. Tatsächlich steigen sie jedoch an. Diesener: „Besonders besorgniserregend ist der starke Anstieg der Methanemissionen durch die LNG-Nutzung.“ Diese seien über 80 Mal klimaschädlicher als CO₂. „Wer hier von einer Brückentechnologie spricht, der verschließt die Augen vor den vielfältigen Problemen von LNG, vor naturschädlichem Fracking und dem Klima-Killer Methan.“
Positiv hebt der Nabu hervor, dass die meisten Kreuzfahrtanbieter mittlerweile eine Klimastrategie erarbeitet haben, sich zu den Klimazielen von Paris bekennen und einige auch die Nutzung von Schweröl gestoppt haben. Das Verbrennen von Schweröl sei extrem schädlich: Schiffsmotoren stoßen dabei nicht nur Unmengen CO₂, sondern auch für Menschen und Umwelt gefährliche Schadstoffe wie Feinstaub aus. Erste Reedereien würden zudem bereits moderne Technologien wie Batterien und Brennstoffzellen als Ergänzung zum Verbrennungsmotor verwenden. Tui Cruises und Norwegian Cruise Lines planen sogar Schiffe mit Methanolantrieb.
Auch hebt der Nabu lobend hervor, dass in immer mehr Hafen, in denen die Kreuzfahrtschiffe immerhin 40 Prozent der Zeit verbringen, Landstromanschlüsse verfügbar sind. Mit ihnen sei eine klima- und umweltfreundliche Energieversorgung möglich. Die norddeutschen Häfen nehmen dabei eine positive Vorreiterrolle ein, so Malte Siegert, Vorsitzender des Nabu Hamburg.
„Nun kommt es darauf an, diese Angebote auch zu nutzen und Anwohnerinnen und Anwohner vor der Luftverschmutzung zu schützen. Wir begrüßen die neuen Anlagen in Hamburg, Rostock und Kiel“, so Siegert. „Jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr für die, die ihre Maschinen im Hafen weiterlaufen lassen. Diesen Schiffen muss die Einfahrt verwehrt werden.“