Osnabrück  Alarmierende Zahlen: Bistum Osnabrück verzeichnet massiv Kirchenaustritte

Benjamin Lassiwe
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Von Benjamin Lassiwe
| 28.06.2023 15:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Blick auf den Altarraum im Osnabrücker Dom. Im Bistum Osnabrück haben viele Menschen der Kirche den Rücken gekehrt. Foto: dpa/Friso Gentsch
Der Blick auf den Altarraum im Osnabrücker Dom. Im Bistum Osnabrück haben viele Menschen der Kirche den Rücken gekehrt. Foto: dpa/Friso Gentsch
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Die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht ihre Mitgliederzahlen für 2022. Und verzichtet in ihrer Pressemitteilung erstmals auf eine offizielle Kommentierung. Welche Antwort hat die Kirche auf die Rekordaustritte?

Erstmals sind in einem einzigen Jahr mehr als 500.000 Menschen aus der Katholischen Kirche in Deutschland ausgetreten. Nach 359.338 Austritten im Jahr 2021 verzeichneten die 27 katholischen Bistümer in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 522.821 Austritte. Hinzu kamen rund 240.000 Sterbefälle. Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn mit. Damit gehören der katholischen Kirche in Deutschland nur noch 20,9 Millionen Menschen an. 

Auch in der Region Osnabrück ist der Rückgang massiv: Im Bistum Osnabrück sind im Jahr 2022 insgesamt 10.490 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Insgesamt geht die Zahl der Katholiken im Bistum im Vergleich zum Vorjahr um rund 12.000 auf knapp 520.000 zurück. Und im Erzbistum Köln, das noch 1,73 Millionen Gemeindeglieder zählt, wurden 51.000 Austritte verzeichnet – also rund zehn Prozent aller katholischen Kirchenaustritte in Deutschland und noch einmal 20 Prozent mehr als 2021, als rund 40.000 Menschen die Kirche am Rhein verließen.

Die Dramatik hinter diesen Zahlen illustriert, dass die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer Pressemitteilung zur kirchlichen Statistik erstmals auf eine offizielle Kommentierung der Austrittszahlen verzichtete. Ihr Vorsitzender, der Limburger Bischof Georg Bätzing, äußerte sich lediglich als Limburger Bischof: „Die Zahlen sind alarmierend“, sagte Bätzing. Man könne die Augen vor dieser Entwicklung nicht länger verschließen.

Vor allem die schleppende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, der Streit um den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki und die Debatten um den „Synodalen Weg“ hatten im vergangenen Jahr die katholische Kirche geprägt. Vorsichtigen Reformen, etwa der Ermöglichung von Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, stand ein massives konservatives Sperrfeuer gegenüber, für das wiederum vor allem Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer verantwortlich waren. 

Auch die Präsidentin des Zentralkomitees deutscher Katholiken, Irme Stetter-Karp, zeigte sich über die Austrittszahlen „traurig, aber nicht überrascht“. Die Kirche habe Vertrauen verspielt, besonders durch den Missbrauchsskandal. „Sie zeigt sich aber aktuell auch nicht entschlossen genug, Visionen für eine Zukunft des Christseins in der Kirche umzusetzen.“ Das zeige sich vor allem an der unklaren Zukunft des Synodalen Wegs, dessen Finanzierung zuletzt durch fehlende Einstimmigkeit in der Bischofskonferenz in Frage gestellt wurde. „Eine Kirche im Dauertief mit Personal in der Dauerkrise ist wenig attraktiv für Suchende.“

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Ein Hoffnungsschimmer für die katholische Kirche könnte allerdings sein, dass die Austrittszahlen nicht der einzige Inhalt der kirchlichen Statistik waren: Die am Mittwoch veröffentlichten Daten zeugen auch davon, dass das Gemeindeleben in den katholischen Pfarreien nach der Corona-Krise wieder in Gang gekommen ist. So stieg der durchschnittliche Gottesdienstbesuch von 4,3 Prozent der Gemeindeglieder auf 5,7 Prozent. Die Zahl der Taufen wuchs von 141.992 auf 155.173 und auch die Zahl der kirchlichen Trauungen wuchs von 20.140 auf immerhin 35.467. Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gesamtlage der Kirche dramatisch bleibt.

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