Warschau  Katzen sterben plötzlich an mysteriöser Krankheit: Ist es Vogelgrippe?

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 29.06.2023 15:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei Hauskatzen in Polen tritt eine mysteriöse Krankheit auf, die nach den ersten Symptomen binnen kurzer Zeit zum Tod führt. Foto: imago images/ingimage
Bei Hauskatzen in Polen tritt eine mysteriöse Krankheit auf, die nach den ersten Symptomen binnen kurzer Zeit zum Tod führt. Foto: imago images/ingimage
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Tierärzte in Polen schlagen Alarm: Im Nachbarland verenden immer mehr Hauskatzen an einer mysteriösen Krankheit, für die es offenbar aktuell keine Heilung gibt. Welche Symptome bei den betroffenen Tieren auftreten und was aktuell als wahrscheinlichste Ursache gilt.

Eine mysteriöse Krankheit bei Katzen breitet sich in Polen immer weiter aus. Für zahlreiche Tiere endete eine Ansteckung bereits nach weniger Zeit tödlich. Über „dutzende Fälle“ berichteten Veterinärmediziner aus einer Fachtierklinik in Warschau in einem Facebook-Post am 19. Juni.

Die Experten schilderten Beobachtungen, wonach neurologische Ausfälle, epileptische Krämpfe, Atemnot, steife Glieder und Fieber auftraten. Es kam wohl auch vor, dass die Pupillen betroffener Tiere nicht auf Licht reagierten. Der Tod kam meistens schnell – binnen 24 bis 72 Stunden, nachdem die Besitzer die ersten Symptome bemerkten.

Aktuell zeige keine Behandlung Wirkung, die Sterblichkeitsrate sei hoch und betroffen seien Katzen unabhängig von Alter oder Vorerkrankungen.

Gegenüber der „Zeit“ schilderte eine betroffene Besitzerin, was mit ihrer Katze „Mella“ geschah:

Zuvor hatte keine Therapie gewirkt. Das erkrankte Tier sei mit Fiebersenkern, Antibiotika und Medikamenten, die den Stoffwechsel anregen sollten, behandelt worden. Blutergebnisse hätten einen für die Krankheit typischen Befund geliefert: Es seien ein erhöhter Blutzuckerspiegel und erhöhte Werte eines für den Stoffwechsel zuständigen Enzyms nachgewiesen worden.

Die Fälle sollen sich laut polnischen Medien mittlerweile im Land ausgebreitet haben, wie die „Zeit“ angab. Demnach gab es Berichte über Fälle vor allem im Norden und Osten des Landes. Im Städte-Dreieck Danzig, Sopot und Gdynia an der Ostsee habe es Meldungen gegeben, ebenso in Warschau und Lublin. Noch nichts bekannt sei aus Regionen in der Nähe zur deutschen Grenze, wie etwa Stettin oder Swinemünde.

Zur Ursache der mysteriösen Krankheitsfälle gibt es einen Verdacht: Erste Labortests deuteten auf das H5N1-Virus, das die Vogelgrippe verursacht, als möglichen Auslöser hin. So hieß es vom Direktor des staatlichen Forschungsinstituts für Veterinärmedizin, Stanisław Winiarczyk, gegenüber der „Zeit“, bei Untersuchungen von Gewebeproben seien entsprechende Nachweise gefunden worden. Von elf mittels PCR-Methode gecheckten Proben seien neun positiv auf H5N1 getestet worden. Durch eine DNA-Sequenzierung sollte der Erreger genau bestimmt werden. Winiarczyk schloss nicht aus, dass das Virus außer Wildvögeln auch wilde Katzen befallen könnte.

Anders hatte es noch vom staatlichen Veterinäramt zuvor in einer Pressemitteilung geheißen: „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Beweise, vor allem keine Laborergebnisse, die die Vermutung zulassen, es könnte sich um das H5N1-Virus handeln. Es gibt ebenfalls keine Beweise oder Indizien dafür, dass die Katzen nach dem Verzehr von rohem Fleisch gestorben sind.“

In den zurückliegenden Monaten haben sich weltweit Säugetiere mit dem Virus infiziert. In Deutschland waren vor allem Füchse betroffen. Uruguay meldete im Mai 16 tote südamerikanische Nasenbären, die positiv getestet wurden. In Chile habe es Nachweise bei Delfinen und einer Schweinswal-Art gegeben. In Nordamerika traf es etwa Robben, Seehunde, Bären und Pumas. Experten gehen davon aus, dass sich die Tiere durch das Fressen infizierter Vögel anstecken.

Infektionen beim Menschen sind laut Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) im Fall des derzeit dominierenden Erregers sehr selten und verlaufen in der Regel harmlos. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC schätze das Risiko eines Überspringens des Erregers auf den Menschen durch Anpassung – eine sogenannte Zoonose – aktuell als gering ein, heißt es im aktuellen FLI-Bericht.

Eine bekannte polnische Tierärtzin mahnte im Gespräch mit der „Zeit“ zur Ruhe. Ihr seien bislang rund 85 Todesfälle von Katzen in Verbindung mit der mysteriösen Krankheit bekannt. Der Übertragungsweg blieb völlig unklar. Weil Hauskatzen starben, käme auch infiziertes rohes Fleisch in Frage.

Um die Verbreitung in Polen einzudämmen, sind bislang noch keine Maßnahmen erlassen worden. Das Veterinäramt riet dazu, Katzen zu Hause zu lassen, deren Kontakte zu wilden Tieren zu vermeiden und Straßenschuhe für die Tiere unzugänglich aufzubewahren. Katzenbesitzer sollten sich nach einem Aufenthalt im Freien gründlich die Hände waschen. Auch der Verzehr von rohem Fleisch sollte unterbleiben.

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