Halter anderer Meinung als Coachs Ärger um geplanten Zaun am Ihlower Hundestrand
Die Hundehalter, die gegen Zäune am Ihler-Meer-Strand sind, wollen sich friedlich mit der Gemeinde einigen. Hundecoachs sehen aber alleine in der Idee einer Freilauffläche Konfliktpotenzial.
Ihlowerfehn - Paco will nur spielen. Der drei Jahre alte Landseer ist im besten Alter für seine Rasse. Der Rüde tollt am Ihler Meer mit anderen Hunden und genießt es ganz offensichtlich, sich richtig „auszupowern“, wie es sein Frauchen formuliert. Jetzt könnte dieses unbeschwerte Spielen für Vierbeiner in Ihlowerfehn an dieser Stelle gefährdet sein. Die Gemeinde hat beschlossen, zwei jeweils acht Meter lange Zäune aufzustellen, die die Hundespielfläche im Wasser begrenzen. Dagegen hatte eine Gruppe von Hundehaltern bereits in der vergangenen Woche während einer Einwohnerfragestunde im Wirtschafts- und Bauausschuss protestiert. Ihr Argument: Der Hundestrand sei ein kleines Paradies, wo Hunde frei herumlaufen könnten.
Was und warum
Darum geht es: Am Ihler Meer soll die Hundefreifläche eingezäunt werden.
Vor allem interessant für: Hundehalter, die sich fragen, wie viel Bewegung sie ihrem Tier geben sollen. Menschen, die sich gerne am Ihler Meer aufhalten und es kritisch sehen, wenn Hunde sich dort frei bewegen können.
Deshalb berichten wir: Die Hundehalter vom Ihler Meer hatten zu einem Pressegespräch eingeladen. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Diese Einschätzung bekräftigte eine Gruppe von Hundehaltern am Dienstag bei einem Pressegespräch. „Für uns ist es ganz wichtig, dass die Tiere nicht angeleint sind und im Miteinander soziales Verhalten einstudieren können“, sagte Melanie Baumann, eine Sprecherin der Gruppe. Eine andere Frau, die namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, sie selbst wähle Urlaubsziele danach aus, ob es möglich sei, ihren Hunden den Auslauf zu geben, den sie benötigen. Deshalb mache sie gerne Urlaub an der Ostsee oder in den Niederlanden, weil dort die Toleranz gegenüber Hunden sehr groß sei. Im aktuellen Konflikt sei es ihr sehr wichtig, zu einer guten und einvernehmlichen Lösung mit der Gemeinde zu kommen. „Wir wollen uns nicht gegen die Verwaltung oder die Politik stellen“, versicherte sie. Dieser Eindruck sei in der Berichterstattung entstanden. Das Gegenteil sei aber der Fall. Man habe es als sehr kooperativ empfunden, so viel Zeit vor einer Ausschusssitzung eingeräumt bekommen zu haben.
Bürgermeister verweist auf Arbeitskreis
Während dieses Termins im Ihlower Bürgerhaus hatte Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos) den Zaun als einen Kompromiss des Arbeitskreises bezeichnet, der sich mit der Entwicklung des Ihler Meeres beschäftigt hatte. Die Zahl der bei der Gemeinde angemeldeten Hunde sei in Ihlow stark gestiegen. Allein in der Corona-Zeit seien 800 Neuanmeldungen dazugekommen. Der Hundestrand sei umstritten, so Ulrichs. Deshalb habe man nach einer Lösung gesucht. Diesen Vorstoß begrüßen die Hundehalter, die bereits in der vergangenen Woche eine Petition auf den Weg gebracht hatten. Damit wollen sie ihren Wunsch nach einem nicht-eingezäunten Hundestand am Ihler Meer untermauern.
Sie haben sich Hundefreiflächen in Ostfriesland angeschaut und waren besonders angetan von der Lösung, die man in Emden gefunden hat. Dort gibt es am Gelben Mühlenzwinger einen Platz, wo Hunde sich unangeleint bewegen dürfen. Der Baubetriebshof der Stadt hat ein Schild mit Verhaltensmaßregeln aufgestellt. Dort ist unter anderem zu lesen, dass der Hund einen Maulkorb tragen sollte, wenn er bissig ist. Dass der Hundehalter sein Tier anleinen möge, wenn er den Platz verlässt. Oder dass „Herrchen und Frauchen die Hinterlassenschaften des Vierbeiners entfernen müssen“. „So etwas wünschen wir uns auch“, sagt Melanie Baumann. Außerdem wären nach ihrem Dafürhalten Hinweisschilder auf den Hundestand sehr hilfreich. Diese könnten unter anderem am Bürgerhaus oder an der Zufahrt von der Landesstraße aus aufgestellt werden.
Individuelle Lösung erforderlich
Die Redaktion hat sich gefragt, wie wichtig es tatsächlich ist, dem Bewegungsdrang des Hundes ein nicht-eingezäuntes Areal zu bieten. Dazu haben Sachverständige Stellung bezogen. Der Tenor: Es kommt ganz auf die Rasse und das Alter des Tieres an, wie stark dieses Bedürfnis ausgeprägt ist. „Es ist ein großer Unterschied, ob der Hund anderthalb oder sechs Jahre alt ist“, sagt Sandra Lenski. Sie ist als Hunde-Coach in Wittmund tätig. Es kommt immer darauf an, die individuellen Bedürfnisse des Vierbeiners zu erkennen, um einen entspannten Alltag mit seinem Tier zu haben. „Der Hund ist eigentlich von seinem Wesen her ein Schlaf- und Döstier. Und das möchte er am liebsten auch 20 Stunden am Tag machen.“
Generell steht Heike Maerevoet-Ihnen öffentlichen Freiflächen für Hunde skeptisch gegenüber. Sie betreibt in Blomberg eine Hundeschule und ist seit 1999 als Hundeerziehungsberaterin tätig. Das Ansinnen der Gemeinde, am Ihler Meer einen Zaun für die Hunde aufzustellen, befürwortet sie grundsätzlich: „Wenn ich mit meinem Hund an diesem Hundestrand spazieren gehen würde und eine Horde von Hunden käme auf mich zu, um meinen Hund zu mobben, dann hätte ich das absolute Nachsehen.“ Heike Maerevoet-Ihnen sagt, sie wolle, dass ihre Hunde nur Kontakt zu Artgenossen haben, die sie auch einschätzen könne. Sie habe in ihrer Hundeschule viele Tiere, die Traumata durch aufgezwungene Begegnungen davongetragen hätten und jetzt therapiert werden müssten. Nach ihrer Einschätzung wolle kein Hund Kontakt zu fremden Hunden, es sei denn, es sei einer aus seinem eigenen Rudel.
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Zweckdienlich sei bei diesen Konflikten die Initiative „Gelber Hund“. Die Idee dazu komme aus Schweden. Das Prinzip: Wenn ein angeleinter Hund eine gelbe Schleife oder etwas Ähnliches in dieser Farbe trägt, ist das für seine Umwelt das Signal, dass er keine Kommunikation mit anderen Vierbeinern möchte. Heike Maerevoet-Ihnen sagt, dass der „Gelbe Hund“ sich auch in Deutschland immer mehr durchsetze: „Das finde ich absolut positiv.“