Kolumne „Intern“ Wenn selbst Journalisten soziale Netzwerke zum Pöbeln nutzen
Holger Hartwig ist Journalist in Leer. Ein Mann des Wortes. Er weiß, wie soziale Netzwerke ticken. Warum ausgerechnet er auf Facebook zum Pöbeln auffordert, ist mir allerdings ein Rätsel.
Es fällt mir wirklich schwer, Ostfriesland zu verlassen. Nach knapp fünf Jahren habe ich die Region und ihre Menschen sehr ins Herz geschlossen. Das gilt zu allererst für meine Redaktion, der ich sehr dankbar bin für ihre Veränderungsbereitschaft, das große Engagement und die Loyalität, ebenso für die anderen Kolleginnen und Kollegen im Verlag, aber auch für viele Leser, die mir sehr herzliche Nachrichten schickten, und für mein sonstiges Umfeld, meinen Fischhändler zum Beispiel.
Einige wenige Reaktionen auf die Nachricht, dass ich aus persönlichen Gründen in die Schweiz gehe, haben mich indes irritiert. Zum Beispiel die eines Berufskollegen, zu dem ich bis dato einen neutralen bis freundlichen Bezug hatte. Nennen wir ihn Holger Hartwig (Ähnlichkeit mit lebender Person ist beabsichtigt). Der schrieb vor zwei Wochen - die Nachricht meines Abschieds war gerade bekannt - auf seinem Facebook-Account: „Bei manchem Personalwechsel atmen viele durch - aktuell machen’s in der Region sehr viele“. Logisch, dass daraufhin einige, bei denen ich mich in den vergangenen Jahren als Journalist unbeliebt machte, die Gelegenheit nutzten, um loszuwerden, dass sie mich nicht leiden können. Nur ein inzwischen pensionierter Kollege forderte Hartwig auf, sich doch direkt mit mir auseinanderzusetzen und mir „im Namen der ,sehr vielen‘ in der Region“ mal so richtig „die Meinung zu geigen“.
Hartwig tat nichts dergleichen. Auch auf meine persönliche Nachricht, was er denn mit seiner Aufforderung zum Pöbeln bezweckt habe, bekam ich keine Antwort. Dass soziale Netzwerke Gift sind in einer Demokratie, weil jeder (fast) alles ungestraft über den anderen schreiben kann, habe ich in dieser Kolumne schon öfter kritisiert. Dass sogar Berufskollegen dieses Spiel aktiv betreiben, war mir neu - und ich verstehe es auch nicht. Dass es ein solcher war, der ständig mit erhobenen Zeigefinger seine Weisheiten loswerden muss, macht‘s auch nicht besser. Ich hätte mich an seiner Stelle einfach gar nicht geäußert.
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