Wiesbaden Aus für Witwenrente? Wieso die Chefin der Wirtschaftsweisen die Abschaffung vorschlägt
Viele Frauen sind nach dem Tod ihres Partners finanziell auf die Witwenrente angewiesen. Doch Ökonomin Monika Schnitzer hält die aktuelle Regelung für Hinterbliebene für falsch und plädiert für eine Reform.
Die Witwenrente sollte abgeschafft werden, sagte Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem „Spiegel“.
Ihrer Meinung nach reduziere die jetzige Regelung die Anreize, eine eigene Beschäftigung aufzunehmen. „Außerdem tragen so alleinstehende Beitragszahlende zur Finanzierung von Rentenansprüchen für nicht erwerbstätige Partner bei, die selbst nicht in das System einzahlen“, so die Wirtschaftswissenschaftlerin.
Witwenrente bekommen Hinterbliebene nach dem Tod ihres Ehe- oder Lebenspartners. Voraussetzung ist, die Partnerschaft bestand mindestens ein Jahr. Die Höhe orientiert sich an der Rente, die die verstorbene Person bekommen hätte. Wie viel wer bekommt, hängt davon ab, ob nach neuem oder altem Recht berechnet wird und ob einem die kleine oder die große Witwenrente zusteht.
Komplett streichen möchte Schnitzer den Witwen und Witwern, die selbst nie sozialversicherungspflichtig waren, die Hinterbliebenenrente aber nicht. Ihr gehe es vor allem um das Rentensplitting.
Diese Option besteht bereits seit 2002, wird aber eher selten genutzt. Ehepaare oder Paare, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft haben, teilen dabei ihre Rentenansprüche. Stirbt ein Partner, bleibt dem anderen also automatisch die Hälfte – plus der Ansprüche, die er oder sie vor der Ehe erworben hat.
Der Vorschlag der Ökonomin: Rentensplitting zur Pflicht machen. Auf einer Podiumsdiskussion des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wies Schnitzer darauf hin, dass das lediglich ihre persönliche Meinung und nicht die des Sachverständigenrates sei.
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Dort machte sich die Wirtschaftsweise auch erneut für eine Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von nicht erwerbstätigen Partnern in der Krankenkasse stark. Sie begründete diese Haltung mit dem demografischen Wandel, der Probleme für den Arbeitsmarkt und die Sozialversicherungen darstelle. Letztere drohen dadurch erheblich zu steigen.
Laut Schnitzer sei es deshalb an der Zeit, falsche Anreize, wenig oder gar nicht zu arbeiten, zu beseitigen. Und diese beständen zumeist immer noch für Frauen.