Zukunft der Markthalle Trotz Schließungen − Extrablatt will immer noch nach Aurich
Vor Kurzem hatten Nachrichten über Standort-Schließungen der Extrablatt-Kette im Ruhrgebiet Auricher beunruhigt. Hat die Gastro-Kette aus Emsdetten ihren Expansionskurs gestoppt?
Aurich - Vor Kurzem hat die Schließung von drei Extrablatt-Cafés in Essen und Gelsenkirchen für Schlagzeilen gesorgt. Die Nachricht führte zu wilden Spekulationen in den sozialen Medien. Auch in Aurich ist darüber diskutiert worden, weil die Extrablatt-Gruppe die seit Ende 2022 leerstehende Markthalle übernehmen möchte. Seit Wochen wird deswegen hinter den Kulissen verhandelt, ohne dass Neuigkeiten bekannt werden. Die Schließungen in Essen und Gelsenkirchen nähren die Sorge, dass die Gastrokette mit Sitz in Emsdetten (NRW) ihren Expansionskurs ausgesetzt hat, ja sich vielleicht sogar verkleinern möchte.
Diese Befürchtungen hat das Unternehmen zerstreut. „Das hatte innerbetriebliche Gründe“, sagte Carsten Dreyer auf Anfrage der Redaktion. Der Expansionsleiter der Extrablatt-Kette sprach davon, dass der Geschäftsführer jedes Betriebs den vorgeschriebenen Standard halten müsse. Das sei bei den Betrieben in Essen und Gelsenkirchen nicht mehr der Fall gewesen. Man werde den Expansionskurs der Unternehmenskette auf jeden Fall fortsetzen. Erst vor drei Wochen sei ein Lokal in Castrop-Rauxel eröffnet worden, davor eines in Recklinghausen. In den nächsten Monaten sei eine Neueröffnung in Limburg/Lahn geplant. Im Schnitt wachse die Extrablatt-Gruppe pro Jahr um fünf Betriebe. „Uns geht es wirtschaftlich sehr, sehr gut“, versicherte Carsten Dreyer.
Bürgermeister spricht von „guten Verhandlungen“
Die Redaktion nahm die Debatte über die Standort-Schließung zum Anlass, nach dem Stand der Dinge bei der Auricher Markthalle zu fragen. „Wir stehen nach wie vor in Verhandlungen“, sagte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos). Diese bewegten sich auf zwei Ebenen. Zum einen gehe es um die finanzielle Seite, also unter anderem um die Höhe der Pacht. Diese Verhandlungen führe in erster Linie seine Stabstelle, also Johann Stromann. Zum anderen stehe das Liegenschaftsamt der Stadt im ständigen Dialog mit dem Emsdettener Unternehmen, um Fragen zum Umbau der Markthalle zu klären.
„Alles, was die energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle betrifft, wird von uns übernommen“, sagte Horst Feddermann. Dafür habe man einen Betrag in Höhe von zwei Millionen Euro veranschlagt. Dieses Budget habe die Politik genehmigt. Die Kostenschätzung stamme vom Auricher Architektur- und Ingenieurbüro 3ing. Es war Anfang März beauftragt worden, den finanziellen Aufwand für die Modernisierung der Markthalle zu ermitteln. Jetzt wird in der Stadtverwaltung emsig gerechnet, was man sich leisten will und kann und was nicht.
Nächster Gesprächstermin im August
Auf den Stand der Verhandlungen wollten weder der Bürgermeister noch Carsten Dreyer näher eingehen. Beide versicherten nur, dass es sich um „gute und partnerschaftliche Gespräche“ handele. Verträge seien noch nicht unterzeichnet. Auf die Frage, warum man alle fraglichen Punkte nicht im Paket verhandele, wie dies vielfach in der Politik üblich sei, antwortete Carsten Dreyer, dass man sich an diesem Modell nicht orientiere: „Weil die so vorgehen, klappt dort kaum etwas.“ Man werde erst handelseinig, wenn wirklich alles zueinander passe. Den nächsten Gesprächstermin mit der Stadt habe er im August, wenn er aus seinem Urlaub zurückgekehrt sei. Wegen der vielen Unwägbarkeiten könne er nicht abschätzen, wann das Café auf dem Marktplatz möglicherweise eröffnet werde.
Die Nutzung der Markthalle beschäftigt die Auricher Politik und Verwaltung seit Jahren. Am 18. April 1991 wurde das Gebäude als Brauhaus eröffnet. Der Schwung der ersten Tage ebbte rasch ab, die Halle lief nicht wie gewünscht. Es wurde eine Betreibergesellschaft gegründet, die ein neues Konzept umsetzte. Zu der ursprünglichen Gesellschaft gehörten unter anderem Jan-Heiko Samuels, Fritz Werner Schüt, Martin Lorenz und Johann Hillens. Der Vertrag ist am 31. März 2020 ausgelaufen. Danach gab es nur Übergangslösungen mit Vermietungen einzelner Flächen. Ende 2022 präsentierte Horst Feddermann überraschend die Gastro-Kette Extrablatt als Kandidaten für die Markthalle.