Umfrage unter den Fraktionen  Schließung der Grundschulen „fatale Fehlentscheidung für die Krummhörn“?

| | 11.07.2023 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Grundschule Jennelt soll saniert und ausgebaut werden. Foto: Archiv/Wagenaar
Die Grundschule Jennelt soll saniert und ausgebaut werden. Foto: Archiv/Wagenaar
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Nach monatelangen Diskussionen hat sich der Krummhörner Rat nun für die Schließung zweier Schulen entschieden. Wir haben die Politiker noch einmal gefragt, wie es ihnen mit der Entscheidung geht.

Krummhörn - Nach monatelangen Diskussionen um die Bildungslandschaft in der Krummhörn ist in der Ratssitzung vergangene Woche eine Entscheidung gefallen. Die knappe Mehrheit der Ratsmitglieder hat sich für die Schließung der Grundschulen in Greetsiel und Loquard und für die Schließung der Kitas in Groothusen, Manslagt, Uttum und der kleineren Kita in Loquard ausgesprochen. Es ist die Variante, die die Gutachter-Firma Biregio der Gemeinde empfohlen hatte. Die Variante, die CDU/SWK vorgeschlagen hatten, fand demnach keine Mehrheit. Sie hatte vorgesehen, mit Jennelt nur einen Schulstandort zu schließen und die Schulen in Loquard und Greetsiel zu erhalten.

Was und warum

Darum geht es: die Schließung der Grundschulen und Kitas in der Krummhörn

Vor allem interessant für: alle, die in der Krummhörn leben und alle, die sich für (Bildungs-) Politik interessieren

Deshalb berichten wir: Vergangene Woche wurde in der Krummhörn nach monatelanger Diskussion eine Entscheidung gefällt. Wir haben uns gefragt, wie es den Entscheidern nun damit geht und wie es aus ihrer Sicht jetzt weitergehen soll.

Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de

Bei dem Beschluss handelt es sich um einen Grundsatzbeschluss zur Zukunft der Schulen und Kitas. Die Umsetzung wird mehrere Jahre dauern. Wir haben uns noch einmal bei der Bürgermeisterin und den Fraktionen umgehört, wie es ihnen mit der Entscheidung geht, und wie es ihrer Meinung nach nun weiter gehen soll.

1. Wie geht es Ihnen mit der nun gefällten Entscheidung?

Hilke Looden (Bürgermeisterin, parteilos): Ich bin froh, dass nun - mit dem großen Veränderungsbedarf und nach der langen Vorarbeit – eine Entscheidung gefallen ist und auch, dass die Entscheidung für diese Variante getroffen wurde. Da ein großer Teil der Ratsmitglieder, einige Eltern- und Schulvertreter und andere Bürgerinnen und Bürger aber auch die andere Variante für die bessere Wahl hielten und sich nun Sorgen machen, geht mit der Entscheidung auch eine große Verantwortung einher, die Umsetzung gut hinzubekommen. Im besten Fall gelingt es uns, damit zu überzeugen, dass wir uns mit der beschlossenen Ausrichtung, im Sinne unserer Kinder, für junge Eltern, für Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer und für unsere ganze Gemeinde in Sachen Kinderbetreuung und Bildung bedarfsgerecht und zukunftsfähig aufstellen und dass diese weiter in vielen Dörfern integriert bleibt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das gelingt!

Bürgermeisterin Hilke Looden. Foto: Wagenaar/Archiv
Bürgermeisterin Hilke Looden. Foto: Wagenaar/Archiv

Alfred Jacobsen (SPD): Es war für mich und für alle anderen Ratsmitglieder eine der schwierigsten Entscheidungen, die wir je im Rat treffen mussten. Ich möchte mich bei allen für die sachliche Diskussion, bei dieser doch von vielen Emotionen bestimmten Thematik, bedanken. Mit dieser Entscheidung haben wir uns alle sehr schwer getan, aber ich denke, dass wir mit dieser neuen Bildungslandschaft für mehr Qualität sorgen.

Alfred Jacobsen ist Fraktionsvorsitzender der Krummhörner SPD. Foto: Archiv
Alfred Jacobsen ist Fraktionsvorsitzender der Krummhörner SPD. Foto: Archiv

Reiner Willms (CDU/SWK): Grundsätzlich sehen wir die gefällte Entscheidung aus unserer Sicht als eine fatale Fehlentscheidung für die gesamte Krummhörn an.

Rainer Willms ist Fraktionsvorsitzender der SWK und Gruppensprecher von CDU/SWK. Foto: Archiv
Rainer Willms ist Fraktionsvorsitzender der SWK und Gruppensprecher von CDU/SWK. Foto: Archiv

Heiko Ringena (FBL): Mit der Entscheidung bin ich zufrieden, weil wir damit auf lange Sicht eine qualitativ hochwertige Schulbildung mit ausreichend Plätzen in der Krummhörn sichergestellt haben.

Heiko Ringena ist Fraktionsvorsitzender der FBL. Foto: Archiv
Heiko Ringena ist Fraktionsvorsitzender der FBL. Foto: Archiv

Garrelt Agena (Grüne): Die Entscheidung ist im Sinne der Grünen Fraktion erfolgt. Dazu haben wir in der Ratssitzung eine Reihe von Argumenten geliefert. Wir wollen, dass die Krummhörn ein Bildungsangebot erhält, welches die gesellschaftlichen Erfordernisse der nächsten 20 Jahre abbildet. Nur gute Betreuungsangebote ermöglichen Frauen und jungen Familien, Kinderwunsch und Berufstätigkeit in Einklang zu bringen. Dadurch wird die Krummhörn attraktiv für junge Menschen und gleichzeitig attraktiv für Mitarbeitende in Erziehungsberufen.

Garrelt Agena ist Fraktionsvorsitzender der Grünen. Foto: Archiv
Garrelt Agena ist Fraktionsvorsitzender der Grünen. Foto: Archiv

2. Wie sollte es aus Ihrer Sicht nun weiter gehen?

Looden: Aufgabe der Verwaltung ist es nun, zusammen mit der Politik, eine Umsetzungsstrategie zu entwickeln und in die Detailplanung zu gehen. Im Rahmen dieser Detailplanung werden noch weitere Entscheidungen zu treffen sein, zum Beispiel über Sanierung oder Neubau der Grundschulen in Pewsum und Jennelt, Priorisierung der einzelnen Maßnahmen, Finanzierung etc. Wichtig ist, dass das zügig erfolgt, damit die von den Maßnahmen Betroffenen eine Perspektive bekommen, ab wann, was, wo passieren soll und sich nicht unnötig Sorgen machen, dass zum Beispiel kurzfristig Standorte oder Einrichtungen geschlossen werden. Die Verwaltung wird nun, ohne Pause - dem erteilten Auftrag des Rates entsprechend – tätig werden und „den politischen Gremien zeitnah entsprechende Detailplanungen für eine mögliche Umsetzungsstrategie vorlegen.“ Zu dieser Umsetzungsstrategie gehört dann auch ein Zeit- und Finanzplan. Wenn die Umsetzungsstrategie erstellt, abgestimmt und politisch beschlossen ist, geht es an die tatsächliche Umsetzung.

Jacobsen: Nach der Sommerpause muss die Verwaltung uns sehr kurzfristig einen Fahrplan vorlegen, wie es mit dem jetzt in Gang gesetzten Prozess weitergeht. Vielen ist es noch nicht klar geworden, dass jetzt noch weitere schwerwiegende Entscheidungen anstehen, bevor wir diesen Prozess in vielleicht fünf bis zehn Jahren abschließen können. Auf jeden Fall brauchen wir viel mehr Transparenz beim weiteren Verlauf, dies ist zu Recht von vielen bemängelt worden.

Willms: Hier eine Aussage zu treffen, ist grundsätzlich schwierig. In der gefällten Entscheidung sehen wir mehr Nach- als Vorteile sowohl für Kinder als aber auch für Eltern und Erzieher.

Ringena: Ich hoffe, die Krummhörnerinnen und Krummhörner akzeptieren jetzt das knappe, aber demokratische Ergebnis.

Agena: Die Gemeindeverwaltung hat jetzt die Aufgabe, eine zeitlich sinnvolle Planung auf den Weg zu bringen, so dass mit einer längeren zeitlichen Perspektive alle Maßnahmen aufeinander abgestimmt durchgeführt werden können. Gleichzeitig geht es darum, eine Finanzplanung aufzustellen. Wir meinen, dass dieses gelingt, wenn die Gemeinde zusätzliche Einnahmen aus dem Ausbau von Windkraft und Photovoltaik generiert. Hierfür müssen die entsprechenden Weichen gestellt werden. Dafür setzen wir uns ein.

Ratsvorsitzender hatte Rede vorbereitet

Der Ratsvorsitzende Heiko Ringena (FBL) teilte uns in diesem Zusammenhang außerdem mit, dass er vor der Abstimmung eigentlich noch eine kurze Ansprache hatte halten wollen, dann aber davon abgesehen hatte.“Vielleicht hätte ich sie doch halten sollen…“, so Ringena. Er schreibt: „Liebe Kummhörnerinnen und Krummhörner, egal wie die Entscheidung gleich aussehen wird, eine Seite wird enttäuscht sein. Wir werden es nicht allen Recht machen können. Dieser Rat wurde von Ihnen gewählt, um stellvertretend für Sie Entscheidungen zu treffen, auch solch schwierige wie diese. Zu den in der Vergangenheit zu entscheidenden weitreichenden Fragen gibt es zu heute einen gewichtigen Unterschied, und zwar die Komplexität der zu treffenden Entscheidung. Nicht umsonst hat sich der Rat Zeit gelassen, und auch Abstimmungen verschoben, weil immer noch nicht alle Fragen beantwortet waren. Ob wir ein Kulturhaus bauen sollen oder ob wir Greetland zulassen, waren einfache Fragen, die jeder Bürger beantworten konnte, ohne sich vorher Wochen und Monate mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das ist hier anders, die zu klärende Frage ist so komplex und hat so viele Facetten, dass die Ratsmitglieder die Zeit gebraucht haben, die es nun eben gedauert hat um jetzt eine Entscheidung treffen zu können Daher geht mein dringender Appell an die Bürgerinnen und Bürger der Krummhörn: Akzeptieren Sie die Entscheidung, wie auch immer sie gleich getroffen wird, denn sie ist nicht geeignet subjektiv und emotional entschieden zu werden“.

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