Erwerbstätige Frauen In Ostfriesland gibt es mehr Hausfrauen als im Rest Niedersachsens
Überall fehlen Fachkräfte, deshalb wäre es wichtig, dass auch möglichst viele Frauen arbeiten gehen. In Ostfriesland bleiben aber viele Frauen zu Hause. Über Gründe kann nur spekuliert werden.
Ostfriesland - In der Stadt Emden war im Jahr 2021 nur gut die Hälfte der Frauen zwischen 15 und 67 Jahren erwerbstätig, genau waren es 51,4 Prozent. Bei den Männern war der Anteil deutlich höher: 63,6 Prozent. Ähnliches ist auch aus dem Landkreis Aurich (52,9 zu 64,5 Prozent) und dem Landkreis Leer (52 zu 63 Prozent) zu beobachten. Zwei Jahre vorher war die Frauen-Erwerbsquote in Ostfriesland noch schlechter: Emden kam auf 49,6 Prozent, der Kreis Leer auf 50,2 Prozent und der Kreis Aurich auf 52 Prozent. Die Zahlen hat die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht.
Was und warum
Darum geht es: Unter anderem weil überall Fachkräfte fehlen, wird überall in Deutschland dafür geworben, Frauen in den Arbeitsmarkt zu bringen. In Ostfriesland scheint das besonders schwierig zu sein.
Vor allem interessant für: Frauen – und Männer
Deshalb berichten wir: Wir haben gehört, dass in Ostfriesland der Anteil der Frauen, die zuhause bleiben, besonders hoch ist, und uns gefragt, warum das so ist. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Damit liegt die ostfriesische Frauen-Erwerbsquote in Niedersachsen ziemlich weit hinten. Nur Delmenhorst weist noch niedrigere Werte aus. Die Stadt Salzgitter nimmt zwischen den Kreisen Leer und Aurich den viertletzten Platz ein. Auch ein Vergleich mit anderen ländlichen Regionen in Deutschland zeigt, dass der Unterschied zwischen der Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen in Ostfriesland besonders hoch ist.
Das Thema treibt die Gleichstellungsbeauftragten um
Ein Thema, das die Gleichstellungsbeauftragten umtreibt, wie Gaby Philipps, Gleichstellungsbeauftragte der kreisfreien Stadt Emden, bestätigt: „Seit Jahren kämpfen wir darum, dass möglichst viele Frauen erwerbstätig sind.“ Einen richtigen Durchbruch habe man aber noch nicht geschafft. Das sei vor allem vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ein Problem: „Wir brauchen die Frauen.“
Mit dieser Aussage rennt Philipps bei der Industrie- und Handelskammer in Ostfriesland offene Türen ein, wie deren Pressesprecher Stefan Claus betont: „Uns fehlen in allen Branchen Fachkräfte, egal welches Geschlecht.“ Und seine Amtskollegin Vanessa Scheljagin von der Agentur für Arbeit Emden/Leer betont die Wichtigkeit, dass möglichst viele Frauen erwerbstätig sind.
Gründe liegen im Dunkeln
Warum scheint es grade in Ostfriesland so schwierig, mehr Frauen in die Erwerbstätigkeit zu bekommen? Eine Antwort darauf hat weder die IHK noch die Agentur für Arbeit. Und auch Gaby Philipps kann nur spekulieren, weil ihr dazu keine Erhebungen vorliegen. Ein Knackpunkt seien sicher die fehlenden Kita-Plätze. Die machten es für viele Familien unmöglich, dass beide Elternteile arbeiten. „Wenn der Mann dann bei VW arbeitet und die Frau in der Pflege tätig ist, ist die Entscheidung schnell gefallen, wer zu Hause bleibt“, sagt sie. Eine gute Entwicklung sei aber, dass immer mehr Arbeitgeber eigene Kitas anböten. Ein wenig könne auch eine Rolle gespielt haben, dass in Ostfriesland generell Traditionen gepflegt werden. Da hielten sich traditionelle Rollenmodelle womöglich auch noch ein bisschen länger als anderswo.
Die Corona-Pandemie mit den zeitweise geschlossenen Schulen und Kindergärten habe den Anstrengungen, möglichst viele Frauen in den Arbeitsmarkt zu bringen, einen Bärendienst erwiesen, sagt Gaby Philipps. „Es waren oft die Frauen, die die zusätzlichen Kinderbetreuungszeit abgedeckt haben. Damit sind wir wieder in die alten Rollenmuster zurückgefallen.“ Auch die aktuellen Diskussionen über eine Kürzung des Elterngeldes für wohlhabende Familien führe eher dazu, dass mehr Frauen zu Hause blieben.
Ostfriesland holt auf
Die Agentur für Arbeit Emden/Leer sieht aber eine positive Entwicklung: Die Frauen-Erwerbsquote sei seit 2005 um 20,3 Prozentpunkte auf 53,6 Prozent im Jahr 2022 gestiegen, sagt Scheljagin. In gleichen Zeitraum sei der Wert für ganz Niedersachsen um 16,5 Prozentpunkte auf 58,1 Prozent gestiegen.
Damit liege die Quote in Ostfriesland zwar weiter deutlich unter dem Landesschnitt. Der Nordwesten von Niedersachsen hole aber immer weiter auf. Zu verdanken sei das „demografischen Einflüssen und der überaus positiven Entwicklung auf dem ostfriesischen Arbeitsmarkt“.