Einkaufen in Aurich Penny oder Rewe to go? Das ist im Caro bald die Frage
Am 1. Juli hat die Rewe-Gruppe den Lebensmittelmarkt im Caro übernommen. Mit welchem Konzept will Rewe sich an dem schwierigen Standort ansiedeln?
Aurich - Die gelb-blauen Farben sind von den Schaufenstern des Lebensmittelmarkts im Caro verschwunden. Bis Ende Juni hatte der Edeka-Konzern dort noch plakatiert und darauf hingewiesen, dass der Markt in der Innenstadt zwar seit Ende des Jahres geschlossen sei, es aber noch vier weitere Märkte in Aurich gebe, die man ansteuern könnte. Ende Juni hatte eine Sprecherin des Caro bekannt gegeben, dass die Rewe-Gruppe die Ladenfläche am Fischteichweg angemietet habe und dort im Herbst eine Filiale eröffnen werde. Einzelheiten wurden damals nicht bekannt. Offiziell ist der Mietvertrag, den der Caro-Betreiber, TB Investments, und Edeka geschlossen hatten, erst Ende Juni ausgelaufen. Die Rewe-Gruppe hat die Glasflächen des künftigen Marktes mittlerweile plakatiert. „Schon gehört: Rewe, dein Markt, kommt in den Caro“, ist darauf zu lesen. Illustriert wird diese Botschaft mit einem Dutzend Lebensmittel-Produkten, die bis auf eine Ausnahme Eigenmarken sind. Nur eine Flasche Apfelsaft stammt von dem Discounter Penny, der ebenfalls zur Rewe-Gruppe gehört.
Die Frage, wann der Rewe-Markt mit welchem Konzept im Caro eröffnet, wurde von der Presseabteilung nicht beantwortet. Vor drei Wochen hieß es von dort noch, man sei in der Findungsphase und könne keine konkreten Angaben machen. „Wir haben für jeden Standort, egal ob 500 oder 6000 Quadratmeter, das richtige Marktkonzept“, verkündet die Rewe-Gruppe auf ihrer Homepage vollmundig. Das wird auch erforderlich sein. Für den 1300 Quadratmeter großen Markt im Caro muss ein passgenaues Konzept entwickelt werden. Ein Supermarkt dieser Größenordnung ohne oberirdische Parkplätze in ausreichender Zahl dient vor allen Dingen dem Impulseinkauf. Viele Kunden tätigen Einkäufe im niedrigen Preissegment. Das Personal aus den rund 30 Geschäften im Caro versorgt sich dort beispielsweise mit einem Snack für die Mittagspause oder macht eben eine Besorgung für das Abendessen. In der Branche heißt es, dass reine Impulskauf-Märkte nicht leicht zu führen sind.
Hohe Nachfrage nach Außer-Haus-Verkauf
Nach Informationen dieser Zeitung wäre es denkbar, dass Rewe an diesem Standort einen XXL-Rewe-to-go-Markt etablieren könnte. Dieses Format, das vor zwölf Jahren aus der Taufe gehoben wurde, soll jetzt an die „veränderten Wünsche und Gewohnheiten der Kunden“ angepasst werden, wie es auf der Facebook-Seite des Unternehmens heißt. „Die Mobilität der Gesellschaft führt in Zukunft zu erhöhter Nachfrage nach Außer-Haus-Verpflegung“, heißt es dort weiter. Deshalb sei es wichtig, die Standorte an zentralen Innenstadtlagen auszubauen. Bisher gibt es in Ostfriesland drei eher kleine Rewe-to-go-Märkte in Aurich, Leer und Hesel, die in Kooperation mit Aral-Tankstellen den Einkauf unterwegs ermöglichen. Vor einigen Monaten hat in Emden Ostfrieslands erster Rewe-Markt eröffnet. Dieser wird derzeit umgebaut. In Branchenkreisen möchte man nicht ausschließen, dass sich im Caro ein Penny-Markt etabliert. Davon gibt es derzeit bundesweit 2150 Filialen. Die Filialdichte in Ostfriesland ist eher übersichtlich. Lediglich auf Norderney ist der Discounter vertreten. In Niedersachsen gibt es 225 Penny-Märkte.
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Zu klein – „nah & gut“ in Haxtum schließt
Noch will Rewe keine Lebensmittel im Caro verkaufen
Rewe ist in Deutschland der zweitgrößte Lebensmitteleinzelhändler nach Edeka. Die Rewe-Region Nord betreut insgesamt 660 Märkte, zu denen noch knapp 100 Nahkauf-Märkte in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, im Nord-Osten von Nordrhein-Westfalen sowie in Hamburg und Bremen hinzukommen. Bundesweit gibt es nach Angaben des Unternehmens 3700 Märkte, in denen 161.000 Menschen beschäftigt sind. Der Umsatz lag im Jahr 2021 bei 26,7 Milliarden Euro. Laut Homepage ist der Lebensmittelkonzern auf Expansionskurs.
Im Caro, dem früheren Carolinenhof, hat sich kein Lebensmittelmarkt dauerhaft gehalten. Bei der Eröffnung des Centers im Jahr 1983 war ein 12.000 Quadratmeter großer Plaza-Einkaufs-Markt ein Anziehungspunkt. Der Nachfolger, der amerikanische Handelsriese Wal-Mart, verkleinerte die Fläche um 4000 Quadratmeter. Wal-Mart war 1997 mit der Übernahme des Warenhausbetreibers Wertkauf in den deutschen Handel eingestiegen. Der in Arkansas gegründete Konzern scheiterte in Deutschland. Nach nur neun Jahren zog er die Reißleine. Real übernahm die Märkte der Amerikaner – auch den in Aurich, bewies allerdings keinen langen Atem. Ende 2010 erhielten die Mitarbeiter ihre Kündigung. Geschlossen wurde der 7500 Quadratmeter große Markt dann im Frühjahr 2011. Bundesweit sind damals 36 Real-Märkte dichtgemacht oder von anderen übernommen worden.