Kolumne „Intern“ Beispiel USA – wenn die Lokalzeitung stirbt, erblüht die Korruption
In einer Demokratie sind öffentliche Medien der Schmierstoff für das Miteinander. Fehlen die Zeitungen, wachsen die Probleme, wie viele Beispiele aus den USA zeigen.
70 Millionen US-Bürger, mehr als ein Fünftel aller, lebt in Regionen, in denen es keine Lokalzeitung mehr gibt. „News-Deserts“, Nachrichten-Wüsten, heißen diese, meist sehr ländlichen Gebiete. Vor zwei Wochen, als Digitalchef Timo Sager und ich, mit zwei Dutzend Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundesgebiet auf Studienreise in New York und Washington waren, berichtete der Journalistik-Professor Jay Rosen darüber, was mit der Demokratie passiert, wenn es keine Medien mehr gibt, die zwischen den gesellschaftlichen Ebenen für Verbindung sorgen.
Zur Person
Joachim Braun (57) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“ gewählt.
Abseits von Leuchttürmen wie der New York Times und der Washington Post geht es den Zeitungsverlagen in USA viel schlechter als bei uns. In den vergangenen zwölf Jahren verlor mehr als die Hälfte der Lokaljournalisten ihre Jobs. Viele Zeitungen wurden von Finanzinvestoren gekauft, so lang ausgepresst bis nichts mehr ging, und dann eingestellt. In solchen Gebieten gibt es kein Medium mehr, das den Bürgern darüber berichtet, was öffentliche Institutionen mit ihren Steuergeldern anstellen. Die Folge: Die kommunalen Ausgaben steigen und mit ihnen die Korruption.
Trotzdem war Prof. Rosen nicht ohne Hoffnung für die USA. In vielen kleinen Orten entstanden in den vergangenen Jahren ganz kleine Zeitungen, die nur gedruckt erscheinen und nicht einmal eine Internetseite haben. In Großstädten entdecken reiche Menschen, dass das Betreiben einer Zeitung auch ohne hohe Gewinne gut für die eigene Reputation ist, und manche Verlage werden inzwischen sogar von Stiftungen finanziert oder arbeiten gemeinnützig. Und: Allerorten entstehen ganz aktuell digitale Lokalzeitungen.
Guter Journalismus funktioniert jedenfalls. Ein Beispiel ist die Washington Post, die vor zehn Jahren von Amazon-Gründer Jeff Bezos gekauft wurde, aufs Digitale setzt und inzwischen wieder profitabel ist. Bemerkenswert ist die Tafel am Eingang der Redaktion: „Democracy dies in darkness.“ Im Dunkeln geht Demokratie zugrunde.Wenn selbst Journalisten soziale Netzwerke zum Pöbeln nutzen
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