Erfahrungen mit Ferienjobs So bessern sich Schüler in den Ferien das Taschengeld auf

| | 14.07.2023 18:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Bei der „Greetsieler Eiscreme“ arbeiten seit Jahren Schüler in der Ferienzeit. Foto: Wagenaar
Bei der „Greetsieler Eiscreme“ arbeiten seit Jahren Schüler in der Ferienzeit. Foto: Wagenaar
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Restaurants und Geschäfte sind in Ostfriesland in der Ferienzeit gut besucht. In einigen arbeiten Schüler derzeit als Aushilfen. Diese Erfahrungen machen Schüler und Geschäftsinhaber mit Ferienjobs.

Greetsiel/Norden - Ferienzeit bedeutet nicht für alle Urlaubszeit. Viele Schüler nutzen die schulfreien Wochen, um ihr Taschengeld aufzubessern. Besonders in Ostfriesland, wo Cafés, Restaurants und Hotels in den Ferien gut besucht sind, schieben junge Erwachsene Dienste. Wir haben mit Arbeitgebern und einer Schülerin über ihre Eindrücke gesprochen.

Was und warum

Darum geht es: Geschäftsführer und eine Schülerin geben Einblicke zum Thema Ferienjobs.

Vor allem interessant für: Schulpflichtige Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in den Ferien etwas dazu verdienen wollen, Eltern, Geschäftsführer und Restaurantbetreiber

Deshalb berichten wir: In Niedersachsen läuft bereits die zweite Ferienwoche. Wir wollten wissen, welche Erfahrungen Betriebsinhaber und Schüleraushilfen mit Ferienjobs machen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.kraft@zgo.de

Viel Erfahrung mit Schülern in ihrem Betrieb hat zum Beispiel Karin Eilers in Greetsiel. Die Geschäftsführerin der „Greetsieler Eiscreme“ beschäftigt seit 1991 regelmäßig junge Menschen in den Ferien. In ihrer Eismanufaktur arbeiten derzeit etwa acht Schüler. Deren Arbeitsbereiche seien unterschiedlich, sagt Eilers. So seien sie in der Spülküche und im Verkauf tätig und dürften – je nach Erfahrung – auch Eisbecher fertigstellen. Bisher habe sie durchweg positive Erfahrung mit den jungen Ferienjobbern gemacht, sagt Eilers. „Es steckt viel Eigeninitiative dahinter, sie wollen von sich aus kommen“, meint die Inhaberin.

Bei der "Greetsieler Eiscreme" arbeiten in den Sommerferien mehrere Schüleraushilfen. Foto: Wagenaar
Bei der "Greetsieler Eiscreme" arbeiten in den Sommerferien mehrere Schüleraushilfen. Foto: Wagenaar

Geld für Spritkosten verdienen

Das Interesse der Schüler an den Aushilfsjobs in ihrer Manufaktur sei über die Jahre konstant geblieben, sagt Eilers. Sie beobachte allerdings, dass in den vergangenen Jahren vermehrt kurzfristige Anfragen nach freien Stellen kämen. Bei ihr verdienen Schüleraushilfen zwischen zehn und 12 Euro die Stunde. Das Mindestlohngesetz gilt zwar auch für Ferienarbeit, schreibt der Deutsche Gewerkschaftsbund in einer Pressemitteilung, „jedoch haben nur Jugendliche ab 18 Jahren Anspruch auf den Mindestlohn, der seit letztem Oktober bei 12 Euro pro Stunde liegt“. Für unter 18-Jährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung gilt das Mindestlohngesetz nicht.

Pino Pinna ist seit 20 Jahren Mitarbeiter in dem Eiscafé und hat schon mit einigen Schüleraushilfen zusammengearbeitet. Foto: Wagenaar
Pino Pinna ist seit 20 Jahren Mitarbeiter in dem Eiscafé und hat schon mit einigen Schüleraushilfen zusammengearbeitet. Foto: Wagenaar

Fenja Krüsmann arbeitet seit einigen Jahren in den Ferienzeiten in der Eismanufaktur von Karin Eilers. Sie sei über eine Freundin auf die Stelle aufmerksam geworden, sagt die 20-Jährige. „Ich wollte allgemein unabhängiger von meinen Eltern werden und Geld für Spritkosten verdienen“, beschreibt Fenja ihre Motivation für den Job. Derzeit verdient sie 520 Euro im Monat und erhält anteilig Trinkgeld. Fenja hat im Alter von 17 Jahren bei der „Greetsieler Eiscreme“ angefangen und arbeitet mittlerweile im vierten Jahr in dem Betrieb. Die Schule hat sie schon vor einiger Zeit abgeschlossen. Im letzten Jahr machte sie nach dem Schulabschluss einen Bundesfreiwilligen Dienst. Im September beginnt ihr Studium – es ist ihr letzter Sommer hinter der Eistheke. Sie erinnere sich noch daran, wie ihre Mutter sie im ersten Jahr jedes Mal von Norden, ihrem Wohnort, nach Greetsiel fahren musste, erzählt sie. Besonders gefielen ihr an dem Aushilfsjob die abwechslungsreichen Aufgaben und die flexiblen Arbeitszeiten.

Andreas Kodba aus Viersen genießt einen Eisbecher. Die Zubereitung verschiedener Eisbecher gehört zu den Aufgaben bereits erfahrener Schülerjobber. Foto: Wagenaar
Andreas Kodba aus Viersen genießt einen Eisbecher. Die Zubereitung verschiedener Eisbecher gehört zu den Aufgaben bereits erfahrener Schülerjobber. Foto: Wagenaar

Für Ferienjobs gelten bestimmte Regelungen

Aber auch in anderen Servicebereichen, etwa in Hotels, können sich Schüler etwas dazuverdienen. Thorsten Albers führt das Hotel Regina Maris in Norden-Norddeich. Der Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Norden hat derzeit einen Schüler eingestellt, beschäftigt allerdings nicht regelmäßig junge Erwachsene im Betrieb. Er biete nur Schülern einen Job auf Zeit an, die mindestens 16 Jahre alt seien. Und dabei müsse er bestimmte Regularien einhalten, sagt Albers.

Vorschriften für Ferienjobs sind im Jugendarbeitsschutzgesetz festgelegt. Zum Beispiel darf die tägliche Arbeitszeit für alle Schüler, die 15, aber noch nicht 18 Jahre alt sind, nur auf acht Stunden am Tag und 40 Stunden pro Woche angesetzt sein. Pausen zählen dabei nicht mit, informiert das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. Auch die Ruhepausen sind genau festgelegt. Für bestimmte Branchen wie Gaststätten, Landwirtschaft und Bäckereien gelten Ausnahmen. Schüler dürfen außerdem nur solche Jobs ausführen, die keine gesundheitlichen Gefahren beinhalten und die das Leistungsvermögen nicht übersteigen. Schüler, die einen Ferienjob haben, sind über den Betrieb unfallversichert. Bei einem Arbeitsunfall muss der Arbeitgeber den Schaden über seine gesetzliche Unfallversicherung regulieren, heißt es auf der Webseite des Ministeriums.

Thorsten Albers beschäftigt seine Schüleraushilfen in unterschiedlichen Bereichen. Zum Teil in der Küche für den Spüldienst, aber auch hinter dem Buffett. Oder beim Austragen von Bestellungen, wenn die Person bereits erfahrener sei, sagt er. Derzeit meldeten sich eher wenige Schüler bei ihm. „Noch vor zehn Jahren sind es sehr viel mehr gewesen“, so Albers. Bisher habe er immer gute Erfahrungen mit den jungen Aushilfen gemacht, sagt der Hotelier. Manche hätten sich nach einem Ferienjob sogar für eine Ausbildung in seinem Betrieb entschieden.

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