Bürger packen an  Diese Müllsammeltruppe macht Barenburg sauber - und rüttelt auf

| | 16.07.2023 12:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Catharine Argoti (von links), Heidemarie Heyer, Stefanie Hamm und William Collazos treffen sich jeden Dienstag zum Müllsammeln in Barenburg. Foto: Ortgies
Catharine Argoti (von links), Heidemarie Heyer, Stefanie Hamm und William Collazos treffen sich jeden Dienstag zum Müllsammeln in Barenburg. Foto: Ortgies
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In dem Emder Stadtteil ist der Wunsch nach weniger Müll auf den Straßen groß. Eine Gruppe von Umweltaktivisten geht jeden Dienstag ans Werk –- und sucht noch neue Mitstreiter.

Emden - Es ist eine kleine Aktion, mit der Großes bewirkt werden soll: Jeden Dienstag geht eine Gruppe von Umweltaktivisten im Emder Stadtteil Barenburg Müll sammeln. Und das schon seit mehr als eineinhalb Jahren. Viel Abfall kommt innerhalb eines Nachmittags zusammen, die Absicht hinter der Aktion, die vom Bürgertreff Barenburg organisiert wird, ist es aber insbesondere, die Leute im Stadtteil zu sensibilisieren, ihren Müll in Zukunft nicht mehr einfach wegzuwerfen, sagt Heidemarie Heyer. Sie ist Gemeinwesen-Mitarbeiterin und auch an diesem Dienstag mit der kleinen Gruppe unterwegs.

Was und warum

Darum geht es: eine wichtige Umweltaktion im Emder Stadtteil Barenburg

Vor allem interessant für: Umweltaktivisten, Müllsammler und solche, die es noch werden wollen

Deshalb berichten wir: Wir hatten von der Dienstagsmüllsammeltruppe in Barenburg gehört und haben die Gruppe an einem Dienstag begleitet. Denn: Müll und der richtige Umgang damit ist ein wichtiges Thema, das viele in Emden interessiert.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

An ihrer Seite sind Stefanie Hamm, Catharine Argoti und William Collazos. Die Letztgenannten kommen ursprünglich aus Kolumbien und leben seit drei Jahren in Emden. Sie sind seit Anfang an bei der Müllsammel-Truppe dabei. „In Kolumbien ist viel Müll, Nachbarn helfen sich dort nicht gegenseitig“, sagt William Collazos. In Emden schätzen er und seine Partnerin das Gemeinschaftsgefühl - und die Möglichkeit, an der frischen Luft Deutsch zu lernen. Sie unterhalten sich viel darüber, welche Art von Müll sie gefunden haben, erklärt Heidemarie Heyer. So fällt das Vokabellernen leicht.

Die Müllsammler sind im Stadtteil bekannt und beliebt

Die Aktion ist aus einem „Tee mit OB“-Treffen hervorgegangen. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) besucht dabei die Stadtteile und Bürger können Dinge anbringen, die sie gerne verändert haben möchten. In Barenburg ist das „mehr Blumen, weniger Müll“ gewesen, sagt Heidemarie Heyer. Ihrem Eindruck nach ist die Gruppe, der sich jede und jeder anschließen kann, mittlerweile im Ortsteil bekannt und auch beliebt.

Die Dienstagsmüllsammeltruppe geht insbesondere drei Hauptstraßen in Barenburg ab und sammelt Abfall von den Straßen. Foto: Ortgies
Die Dienstagsmüllsammeltruppe geht insbesondere drei Hauptstraßen in Barenburg ab und sammelt Abfall von den Straßen. Foto: Ortgies

Wurde man am Anfang vielleicht schief angeguckt, ist der Zuspruch jetzt sehr positiv. Sie berichtet von Kindern, die ihr Eispapier wegwerfen, sich mit Blick auf die Müllsammeltruppe aber schnell entschuldigen und das Papier richtig entsorgen. Hier und da werde ihnen mal ein Euro oder auch fünf zugesteckt, damit sich die fleißigen Müllsammler ein Eis kaufen können. Ihrem Eindruck nach sind die drei Hauptstraßen, die sie regelmäßig bearbeiten, auch etwas sauberer geworden. Was jetzt noch - wie in ganz Emden - ein Problem sei: die Krähen, die Müllsäcke aufreißen, bevor die Müllabfuhr sie holen kann.

Neue Aktion: den Kippen den Kampf ansagen

Ihre nächste Herausforderung: den Leuten beibringen, dass sie ihre Kippen richtig entsorgen sollen. Sie hatten jeweils in Barenburg und in der Innenstadt eine Stunde zur Probe gesammelt: In der Zeit waren in Barenburg drei Liter Zigarettenreste zusammengekommen, in der Innenstadt sogar dreieinhalb Liter. Übers Jahr gerechnet würden sie mehr als 30.000 Kippen sammeln. „Das hat mich auch geschockt.“ Zigarettenreste enthalten noch viele Chemikalien und Müll, was sich beides - achtlos weggeworfen - in der Natur auflöst und im Grundwasser landen kann. „Das ist eine große Sauerei“, sagt sie. Zigaretten gehören immer in den Restmüll.

Im Bollerwagen wird der Abfall zu den Containern transportiert. Foto: Ortgies
Im Bollerwagen wird der Abfall zu den Containern transportiert. Foto: Ortgies

Derzeit arbeiten sie an sogenannten „Kippenmonstern“. Das sind zu Zigaretten-Eimern umfunktionierte Tetrapaks, an denen das Bild eines solchen Monsters klebt und die an Straßenlaternen in Barenburg befestigt werden sollen. „Hast du mal ‘ne Kippe“, fragt das etwas zerrupft aussehende Monster darauf. Damit sollen Raucher daran erinnert werden, dass Zigaretten nicht einfach achtlos weggeworfen werden sollen. Stefanie Hamm erinnert auch an eine Aktion der Emder Score-Tankstellen. Gemeinsam mit dem Zigarettenkonzern Reemtsma wird seit Oktober 2022 ermöglicht, dass an den Tankstellen kostenlos Taschenaschenbecher erhältlich sind. Wie der Name schon sagt, kann man die kleinen Dosen in der Tasche mit sich tragen und Zigarettenstummel darin aufbewahren, bis man sie zuhause im Restmüll entsorgt.

In Zukunft möchte Heidemarie Heyer wieder verstärkt auf die Müllsammeltruppe hinweisen. Außer den drei Stammsammlern gebe es auch jetzt schon immer „Springer“, doch es könnte noch mehr werden. Die erste Aktionswoche „#Emdenmacht“ habe noch nicht den erwünschten Effekt gehabt - zumindest nicht für die Barenburger Gruppe. Aber: So etwas brauche auch manchmal etwas Zeit, um sich zu etablieren. Denkbar wäre mal ein Sammel-Event am Abend, das für Berufstätige besser zu besuchen wäre. Die Dienstagsgruppe trifft sich regulär um 14.30 Uhr beim Treffpunkt Barenburg, Heinrich-Heine-Straße 13. Bis etwa 16 Uhr wird gesammelt. Material wie Zangen und Tüten sowie einen Bollerwagen gibt es vor Ort. Der Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE) holt den Abfall ab.

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