Feuer im Van-Ameren-Bad  Nach dem Schock starten Emder Freibad-Betreiber jetzt durch

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 19.07.2023 16:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Dieses Bild soll Hoffnung machen: Im Emder Van-Ameren-Bad könnte es bald schon wieder losgehen. Foto: Päschel/Archiv
Dieses Bild soll Hoffnung machen: Im Emder Van-Ameren-Bad könnte es bald schon wieder losgehen. Foto: Päschel/Archiv
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Gut eine Woche nach dem verheerenden Brand im Emder Bürgerbad überwiegt die Zuversicht. So ist die Stimmung bei den Verantwortlichen und den Helfern.

Emden - Wasser 23 Grad, Luft 20 Grad: Die Anzeigetafel mit den Zeit- den Temperaturangaben leuchtet im dunklen Rot. Das Wasser im himmelblauen Schwimmbecken ist spiegelglatt. Es sieht so einladend aus, dass Badelustige am liebsten hineinspringen möchten. Im Hintergrund plätschert es leise, das Wasser rinnt in kleinen Wellen die Rutsche hinab - alles wirkt entspannt.

Der Blick in die andere Richtung ist hingegen ernüchternd und verstörend. Er offenbart das Ausmaß der Brandkatastrophe im Emder Van-Ameren-Bad. Es ist ein Bild der Verwüstung, die das Feuer am frühen Morgen des 11. Juli angerichtet hat. Vom Umkleidetrakt ist nur eine verkohlte Ruine geblieben. Davor stehen Bauzäune. Sie sind mit Planen verhängt, deren schwarze Farbe wie ein Zeichen der Trauer wirkt.

Brandgeruch hält sich hartnäckig

Die Planen versperren den Blick auf die langen Bänke an der Außenmauer, auf denen vor gut einer Woche von frühmorgens bis abends noch Stammgäste des Bades ihre Sachen ablegten, fröhlich miteinander plauderten und den Sommer genossen. Auf dem ganzen Gelände und umzu hält sich auch eine Woche nach dem verheerenden Feuer ein beißender Brandgeruch.

Kein Zweifel: Am Tag sieben nach dem Brand ist in dem Freibad an der Kesselschleuse nichts mehr so, wie es einmal war. Fast nichts. Einiges ist geblieben: Es sind der Optimismus, der Teamgeist und der Tatendrang der Bürgerinnen und Bürger, die das Bad betreiben und unterhalten. Bei Älteren weckt das Erinnerungen an die Zeit der Gründung des Fördervereins vor 30 Jahren. Für die Männer und Frauen der ersten Stunde ging es darum, das städtische Bad vor der Schließung zu bewahren und in eine sichere Zukunft zu führen. Um nichts weniger geht es auch jetzt.

Es wird gerettet, was noch zu retten ist

Im Bad hat sich an diesem Dienstag die Führungsriege des Betreibervereins versammelt. Um sie herum wuseln die Schwimmmeisterinnen und Schwimmmeister sowie Leute, die sich ehrenamtlich im Bad engagieren. Sie schleppen mit Ruß verdreckte Kühlschränke, Waschmaschinen, Getränkekisten und andere Dinge aus dem weitgehend vom Brand verschonten Teil der Betriebsgebäude. Sie räumen auf und aus, retten, was noch zu retten ist. Unterstützt werden sie von Profis einer Auricher Abbruchfirma, die die Technikräume wieder auf Vordermann bringen.

Gekommen sind an diesem Tag auch Mitglieder der „Mittwochsgruppe“, die eigentlich regelmäßig mittwochs Pflege- und Reparaturarbeiten im Bad erledigen. Der Name wird dieser Trupp jetzt nicht mehr gerecht. „Seit dem Brand sind sie jeden Tag hier“, sagt Vereinssprecherin Nina Hofmann. In ihrer Stimme schwingt Hochachtung mit - und auch ein bisschen Stolz.

Die Stimmung ist fast schon fröhlich

Hofmann strahlt ebenso wie ihre Vorstandskolleginnen und -kollegen an diesem Tag viel Zuversicht aus, die Stimmung ist fast schon fröhlich. Es scheint, als ob sie es im Van-Ameren-Bad nicht abwarten könnten, den Notbetrieb zu starten. Sinnbildlich dafür sind die beiden Toiletten-Container, die an diesem Nachmittag geliefert und aufgestellt werden. Die Rohre für die Anschlüsse an die Kanalisation und die Wasserversorgung liegen schon bereit. Drei weitere Container für die Umkleiden und die Badeaufsicht sollen noch kommen.

Die ersten Container für den Notbetrieb sind schon da: Friedhelm Jakobs (rechts), Technikschef des Van-Ameren-Bades, und sein Vorgänger Peter Kurzak verfolgen, wie der erste von zwei Toilettencontainern auf dem Gelände des Freibads abgeladen wird. Foto: H. Müller
Die ersten Container für den Notbetrieb sind schon da: Friedhelm Jakobs (rechts), Technikschef des Van-Ameren-Bades, und sein Vorgänger Peter Kurzak verfolgen, wie der erste von zwei Toilettencontainern auf dem Gelände des Freibads abgeladen wird. Foto: H. Müller

Geordert hat die Container Friedhelm Jakobs. Er ist der neue Technikchef des Fördervereins und steht gleich in der ersten Saison seiner Amtszeit vor Herausforderungen, mit denen niemand gerechnet hatte. Jakobs hat seinen Wanderurlaub in den Bergen der Mittelmeerinsel Korsika vorzeitig beendet, um vor Ort zu sein. „Mir hat das keine Ruhe gelassen und in den Bergen gab es auch kaum Handyempfang“, sagt er. Als Schlossermeister und Unternehmer verfügt er über ein gutes Netzwerk, das er jetzt nutzen kann. Auch mit dem Chef des Containerverleiher Baucon in Hesel verbindet ihn eine Freundschaft.

Bands für den August warten auf das „Go“

Ebenso umtriebig wie Jakobs ist auch Marketingleiter Frank Feilscher vom Vereinsvorstand. Er treibt die Vorbereitungen auf das „Mitternachtsschwimmen“ an den vier Freitagen im August voran. Diese Partys mit Livemusik wollen die Verantwortlichen in jedem Fall durchzuziehen. Feilscher hat zunächst dafür gesorgt, die seit langem gebuchten Bands bei Stange zu halten. „Sie warten nur noch auf das Go“, sagt er.

Allein, was die Ausstattung der Veranstaltungen betrifft, gibt es noch einiges zu tun. „Wir haben dafür fast nichts mehr“, sagt Nina Hofmann. Es fehlen Spülmaschinen, Becher, Wertchips und vieles mehr. Aber die Vereinssprecherin schaltet schnell in den Modus Zuversicht um: „Wir kriegen das alles hin“. So, wie der Verein in der Vergangenheit vieles hingekriegt hat. Nicht umsonst wird er immer wieder als Paradebeispiel für Bürgersinn herangezogen.

Der erste Schock ist überwunden

Eine Woche nach dem Brand scheint der erste Schock bei allen im Bad überwunden und dem Optimismus gewichen zu sein. Dazu beigetragen hat auch die große Solidarität, die überall in der Stadt spürbar ist. „Eine Welle der Unterstützung hat uns durch die Woche getragen“, sagt Nina Hoffmann. Vereinschefin Gudrun Schöttes lobt auch die Arbeit ihrer Vorstandskolleginnen und -kollegen, die „professionell und bis ans Limit gearbeitet“ haben, Entscheidungen treffen und kreative Lösungen entwickeln mussten.

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Die Verantwortlichen denken auch schon auf den Wiederaufbau. Sie sehen darin auch die Chance, das Bad zu modernisieren. Es haben sich sogar schon Architekten angeboten, Pläne zu entwerfen. Aber der Vorstand bleibt zugleich vorsichtig. „Wir werden sehen, was umsetzbar ist“, sagt Gudrun Schöttes mit Blick auf die Stadt als Eigentümerin der Gebäude. Erst einmal wolle man sich auf den Notbetrieb konzentrieren. Er soll bis Mitte September gehen - falls alles klappt.

Wann es losgehen kann, entscheidet sich womöglich noch in dieser Woche. Im Bad ist fast alles startklar, der Ball liegt jetzt bei den Behörden. „Aber wir sind ganz positiv gestimmt und wissen die Stadt auf unserer Seite“, sagt Gudrun Schöttes. Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung funktioniere „ganz wunderbar“. Der Verein bekomme alles, was er an Unterstützung benötige.