Itzehoe  Was Polizisten im Brokstedt-Prozess zu Ibrahim A. aussagen

Eckard Gehm
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Von Eckard Gehm
| 19.07.2023 16:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Brokstedt-Prozess um Messerattacke: Der Angeklagte Ibrahim A. unter Begleitung von Justizbeamten im Gerichtssaal. Foto: Christian Charisius/dpa
Brokstedt-Prozess um Messerattacke: Der Angeklagte Ibrahim A. unter Begleitung von Justizbeamten im Gerichtssaal. Foto: Christian Charisius/dpa
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Er hatte Durst und beschwerte sich darüber, dass seine Schnittwunden nicht schnell genug versorgt würden. Am Mittwoch haben Polizisten vor dem Landgericht Itzehoe zum Verhalten von Ibrahim A. ausgesagt.

„Er kniete auf dem Bahnsteig, die Hände breit ausgestreckt, seine Arme waren in Blut getränkt“. So beschreibt Polizeiobermeister K. (27) sein Aufeinandertreffen mit Ibrahim A. (34), dem Messerangreifer aus dem Regionalexpress. Und: „Er schaute zu Boden, sah uns nicht an und sprach nicht.“

Im Prozess vor dem Landgericht Itzehoe haben am Mittwoch die Polizisten ausgesagt, die am 25. Januar als erste am Bahnhof von Brokstedt eintrafen. Es waren Polizeiobermeister K., sein Kollege und ein Polizeischüler, die gerade von Bad Bramstedt aus auf Streife wollten, als die Leitstelle West sie anfunkte.

„Es war eine chaotische Lage mit Menschen, die uns entgegenliefen, dazwischen viele Verletzte“, berichtet K. und beschreibt, dass auf dem Bahnsteig alle Abstand gehalten hätten von Ibrahim A.. „Das ist der Täter“, habe einer der Fahrgäste gesagt, der die Schnittwunden an den Händen des Flüchtlings aus Gaza versorgte.

Sein Kollege, Polizeiobermeister B. (30), sagt dem Richter: „Ein Fahrgast erklärte mir, der Angreifer habe das Messer im Kampf verloren, weil er sich selbst geschnitten hat.“ Der Fahrgast habe ihn zu dem Messer geführt, das er im Zug in einem Mülleimer versteckt hatte. „Ich brachte es zum Streifenwagen.“

Polizeiobermeister B. weiter: „Wir kümmerten uns dann um die Verletzten, der Täter wurde an Kräfte aus Kellinghusen übergeben.“

Das hat Polizeihauptmeisterin A. (46) von der Wache in Kellinghusen anders in Erinnerung. Die zwei Streifenwagen von dort trafen nur Minuten später ein. „Wir hatten eine Täterbeschreibung, die zu dem Mann, der auf dem Bahnsteig saß, passte. Kollegen waren aber nicht bei ihm. Wir fragten auf dem Bahnhof herum, ob das der Täter ist. Irgendwann bestätigte uns das dann jemand.“

Sie habe mit dem Ersthelfer die Schnittwunden des Verletzten abgedrückt, als aus dem Zug eine Stimme gerufen haben: „Oh mein Gott, hier liegen noch welche.“ Ein Kollege habe nachgesehen und gesagt, es seien zwei Personen, die verstorben seien.

„Ich konnte nicht glauben, dass ihnen wirklich nicht mehr zu helfen ist und habe nachgesehen“, sagt die Polizeihauptmeisterin. „Es war leider offensichtlich.“

Sie habe Ibrahim A. dann belehrt. Wie der Angeklagte reagiert habe, will der Vorsitzende Richter wissen. Die Polizeihauptmeisterin sagt, sie habe zunächst gefragt: „Was haben Sie bloß getan?“ und er habe geantwortet: „Es ist nichts passiert, ich habe Durst.“ Und mit Blick auf seine Verletzungen: „Wie lange dauert das hier noch, wann bin ich dran?“

Ibrahim A. sei dann in einen Rettungswagen gebracht und von der Bundespolizei ins Krankenhaus gefahren worden. Sie selbst habe unter anderem noch in der Familiensammelstelle geholfen. Dort seien die Angehörigen des getöteten Danny P. (19) gekommen. „Die Kripo kam dann, um ihnen die Nachricht zu überbringen, dass ihr Sohn betroffen ist.“

Sichtlich erschüttert von den Ereignissen zeigte sich der Polizeischüler (24), der gerade seinen dritten Praktikumstag auf dem Revier in Bad Bramstedt hatte. „Ich habe viel ausgeblendet im Nachhinein, um das zu verarbeiten. Ich konnte ja auch bei dieser Großlage nur wenig helfen.“

Er sei bei einer schwerverletzten Frau geblieben, die sich nicht helfen lassen wollte, die „hysterisch“ reagierte und auf einem Sandweg auf und ab ging. Erst als ein Rettungswagen kam, konnte sie versorgt werden. Es war jene Frau, die sich später das Leben genommen hat.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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