Letztes Spiel in Emden gepfiffen  Ostfrieslands Top-Schiedsrichter beendet Karriere

Maren Stritzke
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Von Maren Stritzke
| 21.07.2023 10:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Timo Daniel leitete hier ein Regionalligaspiel zwischen dem FC St. Pauli II und Phönix Lübeck. Der Emder zeigte Peer Julius Mahncke die Gelbe Karte. Foto: Imago
Timo Daniel leitete hier ein Regionalligaspiel zwischen dem FC St. Pauli II und Phönix Lübeck. Der Emder zeigte Peer Julius Mahncke die Gelbe Karte. Foto: Imago
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16 Jahre lang war Timo Daniel als Spielleiter sowie als Assistent an der Seitenlinie im Einsatz. Die vergangenen drei Saisons assistierte er in der 3. Fußballliga. Aus zwei Gründen hört er nun auf.

Damme - Über das Wochenende nach München fliegen, mit dem ICE nach Freiburg reisen oder auch mal zwei Nächte in Ingolstadt übernachten: Als Schiedsrichter-Assistent in der 3. Fußballliga war Timo Daniel in den vergangenen drei Saisons in ganz Deutschland unterwegs. „Das hat mir wirklich viel Spaß gemacht“, sagt der Emder, der zudem seit sieben Jahren als Schiedsrichter in der Regionalliga Nord im Einsatz ist. Doch das Kapitel ist jetzt zu Ende. Der 33-Jährige, der seit 2012 in Damme lebt, wird auf überregionaler Ebene keine Spiele mehr begleiten. Seine letzte Partie pfiff er bei seinem Heimatverein Kickers Emden, der am Sonntag den SV Werder Bremen II für ein Freundschaftsspiel im Ostfriesland-Stadion zu Gast hatte.

Doch warum hört der ranghöchste Herren-Schiedsrichter Ostfrieslands mit 33 Jahren auf? „Es hat familiäre und berufliche Gründe“, sagt Timo Daniel. Zum einen habe er zwei kleine Kinder zu Hause, mit denen er mehr Zeit verbringen möchte, zum anderen hat der Polizist den Arbeitsplatz innerhalb des Polizeikommissariats Vechta gewechselt. Er ist nicht mehr im Ermittlungsdienst tätig, sondern ist seit einem halben Jahr Dienstschichtleiter. Dadurch arbeitet er auch an den Wochenenden wieder. „Der organisatorische Aufwand, um Familie, Beruf und Schiedsrichterei unter einen Hut zu bekommen, ist einfach zu groß“, sagt Daniel. Deshalb traf er bereits in der Winterpause die Entscheidung, seine Leidenschaft auf dem Fußballplatz und an der Seitenlinie aufzugeben – zumindest auf überregionaler Ebene. „Ich mache jetzt erst einmal eine Pause“, sagt der Familienvater. „Aber auf Kreisebene kann ich mir durchaus vorstellen, irgendwann wieder zu pfeifen.“ Denn für ihn ist es weiterhin „ein tolles Hobby“.

Peter Bartsch spielte eine entscheidende Rolle

Ohnehin bleibt Daniel dem Schiedsrichterwesen verbunden: nämlich als Beisitzer im Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises Vechta. Zudem betreut und fördert er junge Schiedsrichtertalente – so wie es einst Peter Bartsch bei Timo Daniel tat. Bartsch unterstützte Daniel, als dieser im Jahr 2007 sein erstes Spiel – eine C-Jugend-Partie – leitete. Auch bei seinem ersten Assistenten-Einsatz kurz zuvor in der Kreisliga-Partie zwischen FT 03 und RSV Emden stand Timo Daniel an der Seite des heutigen Stadtsportbund-Vorsitzenden. „Bartsch erkannte das Talent des damals 16-Jährigen sehr schnell“, schreibt der Stadtsportbund in einer Mitteilung.

Doch inwieweit hob sich Timo Daniel von den anderen Nachwuchsschiedsrichtern ab? „Er ist intelligent und hat eine gewisse Ausstrahlung. Das sind Eigenschaften, die man entweder hat oder nicht. Und Timo hatte sie von Beginn an“, sagt Peter Bartsch. Zudem legte Daniel die richtige Einstellung an den Tag: „Er war schon immer sehr ehrgeizig“, berichtet der Stadtsportbund-Vorsitzende.

Timo Daniel verdiente sich Bestnoten von Spielbeobachtern

Die Laufbahn von Timo Daniel nahm schnell Fahrt auf: 2010 hatte er seinen ersten Einsatz in der Junioren-Bundesliga. Er leitete Spiele in der B- und A-Junioren-Bundesliga. 2012 wurde der damals 22-Jährige von der DFB-Schiedsrichter-Kommission mit der Leitung des U17-Länderspiels zwischen Deutschland und Israel betraut. Über die Jahre kam Daniel in der Herren-Oberliga sowie in der Regionalliga Nord zum Einsatz – erst als Assistent, dann als Schiedsrichter. Durch stetig gute Leistungen in der Regionalliga machte Timo Daniel weiter auf sich aufmerksam. In der Saison 2019/2020, die durch die Corona-Pandemie abgebrochen wurde, verdiente er sich teilweise Bestnoten von den Spielbeobachtern.

2020 begann dann sein Drittliga-Abenteuer: „Ich war an tollen Spielorten und bei Partien mit großartiger Zuschauer-Atmosphäre mit dabei“, sagt Daniel, der in drei Spielzeiten auf 40 Einsätze in der 3. Liga kommt. Zudem stand er in zwei DFB-Pokalspielen – im August 2021 Viktoria Köln gegen TSG Hoffenheim (2:3 n.V.) und im Juli 2022 TSG Neustrelitz gegen Karlsruher SC (0:8) – an der Seitenlinie.

Besonderes Spiel in Osnabrück

Besonders gerne erinnert sich der Ostfriese aber an ein Drittligaspiel ganz in seiner Nähe: Zum Heimspiel des VfL Osnabrück gegen Wehen Wiesbaden (4:1) im Februar waren auch seine Familie und Freunde ins Stadion gekommen. Seine Liebsten waren auch dabei, als sich der 33-Jährige „offiziell“ mit seinem letzten Pflichtspiel verabschiedete und das NFV-Pokalendspiel zwischen dem TuS Bersenbrück und dem SC Spelle/Venhaus (3:0) leitete.

Das Testspiel am Sonntag bei Kickers Emden, wo Daniel als F-Jugendlicher mit dem Fußballspielen begann, gegen Werder Bremen II (2:2) rundete seinen Abschied ab. Im Ostfriesland-Stadion ehrte ihn sein Talentförderer Peter Bartsch, mit dem er über die Jahre den Kontakt hielt, schließlich noch mit der Bronzenen Ehrennadel des Landessportbundes.

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