Hannover  Gasförderung vor Borkum: Nach erster Panik lohnt ein neuer Blick

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 21.07.2023 12:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Mit einer Protestaktion am niedersächsischen Landtag gegen die geplante Gasbohrung vor Borkum hat Greenpeace Anfang Mai Aufsehen ausgelöst. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Mit einer Protestaktion am niedersächsischen Landtag gegen die geplante Gasbohrung vor Borkum hat Greenpeace Anfang Mai Aufsehen ausgelöst. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Die umstrittene Gasbohrung vor Borkum gerät ins Wanken. Selbst Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil scheint nicht mehr so ganz hinter dem Projekt zu stehen.

Die Gasbohrung vor Borkum war eigentlich vom Tisch. Bis Russland die Ukraine angriff und damit auch die Energieversorgung in Deutschland ins Wanken brachte. Die Politik – auch in Niedersachsen – hat schmerzlich vor Augen geführt bekommen, wie leichtsinnig es war, sich auf billiges Gas aus Russland zu verlassen.

Eilig hob Niedersachsen seinen Beschluss gegen die Gasbohrung in der Nordsee wieder auf und machte mit einer Rolle rückwärts den Weg wieder frei – zumindest politisch. Das allerdings bedeutet freilich nicht, dass von jetzt auf gleich mit der umstrittenen Gasbohrung begonnen werden kann. Zunächst stehen aufwändige Umweltgutachten an, und die Greenpeace-Hinweise auf seltene Riffe dürften manche Befürworter ebenfalls dazu gebracht haben, ihr eiliges Ja zur Gasförderung in diesem sensiblen Bereich nahe des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer noch einmal zu überdenken.

Auch Stephan Weil scheint von dem Vorhaben nicht mehr ganz so überzeugt zu sein. Wie anders ist es zu erklären, dass der sonst so meinungsfreudige niedersächsische Ministerpräsident bei der Frage nach seiner Haltung zu dem Projekt mittlerweile lediglich auf das laufende Prüfverfahren verweist? Mehr ist aktuell nicht zu hören von dem Regierungschef, der einst im Landtag offensiv dafür warb, den Weg für die Gasbohrung wieder freizumachen.

Das mag auch daran liegen, dass die Energiekrise doch nicht so heftig ausfiel, wie befürchtet. Die Umweltschützer von Greenpeace sprechen von „viel Zerstörung für wenig Gas“. Das vor Borkum geförderte Gas könne maximal ein Prozent des jährlichen deutschen Gasbedarfs decken. Ist das tatsächlich so? Die Landesregierung jedenfalls täte gut daran, auch dieses Argument zu prüfen – um anschließend genau abzuwägen, ob der erhebliche Eingriff in die Umwelt in einem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen steht.

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