Osnabrück Willenborg und Heft: So verbringen Bundesliga-Schiedsrichter die Sommerpause
Die 2. Fußball-Bundesliga startet am kommenden Wochenende, das Oberhaus drei Wochen später. Die Profis haben in den vergangenen Wochen hart gearbeitet und fiebern nun dem Saisonbeginn entgegen. Aber wie verbringen die Schiedsrichter eigentlich die Sommerpause? Die beiden Referees aus dem Osnabrücker Raum, Frank Willenborg und Florian Heft, berichten.
Willenborg leitet seit 2016 Partien (78 Einsätze) in der obersten deutschen Spielklasse. Der 44-Jährige pfeift für den SV Gehlenberg-Neuvrees aus dem Cloppenburger Raum, lebt seit seinem Studium aber in Osnabrück. Florian Heft (33) vom SV Eintracht Neuenkirchen ist seit 2015 in der 2. Liga unterwegs (75 Einsätze) und zudem regelmäßig auch als Schiedsrichter-Assistent und 4. Offizieller in der Bundesliga im Einsatz. Wenn in den Bundesligen keine Spiele sind, ist für Schiedsrichter Ruhe angesagt, könnte man meinen. Aber das stimmt nicht, sagen sie.
Erstmal beginne man mit der Nachbereitung der vergangenen Saison. „Und kurz darauf habe ich schon wieder angefangen, für die kommende Saison zu trainieren. Ich war schon zum Trainingslager in Kaiserau, wo wir unsere Leistungsprüfung und den Regeltest abgelegt haben. So ist es nahtlos übergegangen“, berichtet Heft. Das gleiche gilt für Willenborg: „Ich bin in einem Alter, in dem ich mir keine lange Pause gönnen kann, ohne einen Leistungsabfall zu spüren. Das heißt, ich muss sofort weitermachen mit dem Training.“ Währenddessen bleibe aber dennoch Zeit für die Familie und Freunde, die während der Saison oft zurückstehen müssen. „Ich bin froh um jeden Geburtstag, den ich mitfeiern kann“, sagt Willenborg in dem Bewusstsein, dass das während der Saison kaum möglich ist.
Schiedsrichter sind Leistungssportler - und müssen auch entsprechende Prüfungen ablegen. Leistungsstests mit Sprints und intensiven Läufen, dazu Regelkunde. Während sich der Zweitliga-Kader mit Heft bereits Ende Juni in Kaiserau traf, stand für die Bundesliga-Referees und Willenborg Mitte Juli das Trainingslager inklusive Tests in Herzogenaurach an. Beide haben ihre Prüfungen erfolgreich bestanden und sich somit für die kommende Spielzeit qualifiziert. Den nötigen Spielrhythmus holen sich die beiden über Testspiele. „Sie sind genauso wichtig wie für die Mannschaften“, sagt Heft. Willenborg zum Beispiel leitete Spiele beim VW-Cup des VfL Osnabrück.
Abgesehen von den Trainingslagern, bei denen trotz aller Konkurrenzsituation beim Kampf um die herausragenden Spiele auch das Teambuilding auf dem Programm steht, sind die Schiedsrichter für ihre Fitness selbst verantwortlich. „Was bei Schiedsrichtern speziell ist, ist, dass man dezentral ist, also nicht wie eine Mannschaft an einem Ort. Da muss man schon ein bisschen Ich-AG sein und sich selbst organisieren“, sagt Willenborg, der wie Heft mit Trainingsplänen des DFB, Fitnesscoaches und einem eigenen Ahtletiktrainer sowie Physiotherapeuten zusammenarbeitet.
Ob ein Profi-Schiedsrichtertum mit noch engerer Verbands-Betreuung, wie es etwa in England etabliert ist, helfen könne? „Es ist immer die Frage: Wie viel Leistungssteigerung kriege ich dadurch hin? Das zu messen ist schwierig“, sagt Heft. Dazu argumentiert Willenborg: „Es gab ja immer wieder Deutsche, die im internationalen Top-Bereich gepfiffen haben und das waren keine Profi-Schiedsrichter. Es ist hypothetisch, ob es dann besser wird.“ Beide glauben aber, dass die Einführung in Deutschland „eine Frage der Zeit“ ist.
Sollten Willenborg und Heft dann noch pfeifen, müssten sie sich fragen, ob sie ihre Jobs an den Nagel hängen. Willenborg ist Realschullehrer, Heft Leiter des Private Bankings der Kreissparkasse Bersenbrück. „Auf der einen Seite gibt es die sportliche Herausforderung, auf der anderen Seite das zweite Standbein in einem ganz anderen Bereich. Ich habe zwar noch keine größeren Verletzungen gehabt, aber es ist gut im Fall der Fälle neben dem Fußball noch noch einen Beruf zu haben, der auch nach der Fußballkarriere sehr wichtig ist“, sagt Heft.
Der 33-Jährige gehört zu den dienstältesten Zweiliga-Schiedsrichtern. Schafft er den Sprung in die Bundesliga nach bald neun Jahren noch? „Ich bin Leistungssportler und strebe das höchste Ziel an: In die Bundesliga zu kommen. Das kann ich nur mit meiner Leistung auf dem Platz beeinflussen“, sagt er professionell und will sich jedes Jahr aufs Neue anbieten. So wie in der vergangenen Saison, die laut Heft „sehr gut“ lief.
Ein Beispiel könnte er sich an Willenborg nehmen. Der stieg erst im Alter von 37 Jahren in die Bundesliga auf. „Es muss vieles zusammenkommen, damit das klappt. Ich bin damals mit Florian Meyer als Assistent unterwegs gewesen. Als er dann aufgehört hat, tat sich die Tür für mich auf und da bin ich dann durchgegangen“, erklärt er.
Nun, mit 44 Jahren nähert er sich der ehemaligen Altersgrenze (47 Jahre), die durch den juristischen Einsatz des Ex-Schiedsrichters Manuel Gräfe gekippt wurde. Für Willenborg gilt sie aber noch immer als Orientierung. „Solange die Knochen halten, will ich es noch machen. Mit 47 hätte ich die zehn Jahre in der Bundesliga voll. Die peile ich auf jeden Fall an“, sagt er und macht eine Einschränkung: „Natürlich nur, wenn ich so lange darf und der Körper mitmacht und die Leistung auch passt.“ Denn den Stammplatz in der Bundesliga müssen sich Schiedsrichter genauso erarbeiten wie die Fußballer.